SPD-Interimschef Schäfer-Gümbel relativiert Grünen-Kritik

In einem Interview attackierte Thorsten Schäfer-Gümbel die Grünen scharf - und zog Parallelen zur AfD. Jetzt will der SPD-Übergangschef alles ganz anders gemeint haben.

Thorsten Schäfer-Gümbel: "Beides verkürzt Politik in grotesker Weise"
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Thorsten Schäfer-Gümbel: "Beides verkürzt Politik in grotesker Weise"


"Manchmal gibt man ein Interview", schreibt Thorsten Schäfer-Gümbel auf Twitter, "und ist am nächsten Morgen erschrocken über die Überschrift und die Kritik daran". Genau das sei ihm nun passiert. Die Grünen, stellt der kommissarische SPD-Chef klar, "sind in meinen Augen eine wichtige politische Kraft".

Es ist offensichtlich der Versuch, etwas gerade zu biegen. Denn für viele hat Schäfer-Gümbel mit seiner vorangegangenen Kritik an den Grünen überdreht. In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" hatte er der Ökopartei Populismus vorgeworfen und sie - so konnte man das verstehen - in dieser Frage in die Nähe der AfD gerückt.

"Die Grünen versuchen im Moment, alles Elend dieser Welt zu reduzieren auf die Frage des Klimawandels." Das sei genauso falsch wie die Politik der AfD, die die Migrationsfrage zum Übel der Welt erklärt habe. "Beides verkürzt Politik in grotesker Weise", sagte er dem "Tagesspiegel".

In der Folge musste sich Schäfer-Gümbel viel Kritik anhören. "Meinst du so ein plumper Angriff hilft Euch weiter?", twitterte etwa Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen.

Der Verdacht lag nahe: Die kriselnden Sozialdemokraten versuchen sich mit besonders deftigen Angriffen von den erfolgsberauschten Grünen abzugrenzen. Nun aber versucht Schäfer-Gümbel seine Kritik zu relativieren. Die Grünen seien "eine Stütze unserer Demokratie", schreibt er. "Sie bereichern unseren Staat durch gute Vorschläge. Die AfD ist das absolute Gegenteil." Er habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass man nicht allein über Klimawandel diskutieren dürfe. In dem Interview hatte Schäfer-Gümbel etwa gesagt: "Den Grünen ist die soziale Frage schnurzegal."



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kev

insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
telarien 14.06.2019
1. Peinlich
Und der SPD waren in den letzten 20 Jahren soziale Belange etwa nicht egal? Wer war denn davon 16 Jahre an der Regierung, die Roten oder die Grünen? Die eigenen Wähler verraten und verkauft, aber mit dem Finger auf Andere zeigen. Das ist peinlich.
frank.huebner 14.06.2019
2. Allerdings hat er recht
TSG hat allerdings recht mit seiner Kritik. Die Grünen bieten Wohlfühlpolitik ohne Chance, irgendetwas zu ändern. Denn der einzige wahrnehmbare Markenkern ist nun mal der Klimaschutz. Das ganze andere Wahlprogramm ist eine Aneinanderreihung schöner Worthülsen, und die widersprechen sich noch. Beipiel: Sie wollen Deutschland sicherer machen, aber keine schnellen, populistischen Maßnahmen treffen. Wollen aber gleichzweitig den Waffenbesitz für Sportschützen erschweren. Obwohl mit legalen Waffen laut Kriminalstatistik nur weniger als 1 % der Straftaten verübt werden. Sie wollen einen starken Ausbau der E-Mobilität, toll. Dass dafür im Ausland ganze Landstriche verwüstet und Menschen ausgebeutet werden, das ist okay, das merkt man hier ja nicht. Alles nur auf Wohlfühlmaßnahmen ausgelegt, ohne wirklich die Probleme anzugehen oder gar Lösungen vorztuschlagen. Schäfer-Gümbel hat Recht! Die Grünen sind auf dem linken Rand so populistisch wie die AfD am rechten Rand.
friedrich_eckard 14.06.2019
3.
Dass ein sonst ganz verständiger Mensch so furchtbar danebenhauen kann... zur Sache wäre zu sagen: es ist ja nicht falsch, dass die GRÜNEN ökologischen Fragen im Allgemeinen und aktuell der Klimafrage im Besonderen absoluten Vorrang einräumen - das ist ihnen aber nicht vorzuwerfen: dafür sind sie eben GRÜNE. Die Aussage: "Den Grünen ist die soziale Frage schnurzegal." ist dieser Form sicher heftig übertrieben, aber die Frage, ob sie nicht mindestens einen Kern von Wahrheit enthält, scheint mir doch erlaubt. Da die GRÜNEN aber allein ohnehin nicht werden regieren können wird es dann eben Aufgabe ihrer - jedenfalls dem Anspruch nach: linken - Koalitionspartner sein, hier jeweils berechtigte Interessen, die durchaus miteinander kollidieren können, entsprechend auszutarieren. Und nun sollte der Mantel des Schweigens zur Anwendung kommen... wer in seinem Leben noch nie im Nachhinein hat feststellen müssen, dummes Zeug geschwätzt zu haben, der werfe den ersten Stein.
Gegen Zensur bei Spon 14.06.2019
4.
Betrachten wir doch mal die Realitäten Grün fordert: A: Wegwerfverbot von Rücksendungen und prangern plakativ Amazon an Die haben dumerweise nur 2% ware, die tatsächlich aus Eigenantrieb weggeworfen wird. Rest sind Defekte oder Kundenzwang Und wieviel Mehrenergie es verbraucht, einen Centartikel für im Schnitt 20 Euro pro Rücksendung wieder in Verkehr zu bringen haben die Grünen vergessen zu beachten Da wird schnell das Gegenteil aus "gut gedacht" B: Plastikminitüten im Supermarkt verbieten Alternative ist was? Papier ist deutlich unökologischer, und Nylon ist nur bei Nichtwaschen und ewig langer Nutzung sinniger Dazu kommt die TARA Problematik an der Kasse, da muss dann die Kassiererin, die zuvor den mit Colibakterien verseuchten Geldschein in der Hand hatte, nur alle Lebensmittel in die Hand nehmen Zudem landen in D die Tüten nicht im Fluss, sondern im Gelben Sack C: Wegwerf Cafe2Go Becher verbieten? Sind 40.000 Tonnen Müll im Jahr, ein Witz gemessen am Komplettvolumina Zudem ist laut Studie (angeblich) Mehrweggeschirr in der Gastro wenn man Strom und Wasserverbrauch berücksichtigt unökologischer Fazit: Die wirklich sinnvolle Maßnahme: Export von gelbem Sack verbieten, Recyclingquote erhöhen (aktuell 14%), das bringen die Grünen nicht ins Gespräch Würde aber die meisten Probleme wirklich eindämmen Warum macht Grün das nicht? Und nun sind wir wieder beim Populismusspiel von Grün
meister_proper 14.06.2019
5. Der Zustand der SPD macht mich einfach nur noch traurig
und die derzeitige kommissarische Parteiführung macht den intellektuellen Niedergang so deutlich wie wenig zuvor. Völlig substanzlose Angriffe gegen einen potentiellen politischen Partner sind ein deutliches Zeichen der Verzweiflung. Hinterher tut es ihnen dann leid und war gar nicht so gemeint - geschenkt! Es gibt anscheinend keine Leute von Format mehr in der SPD, welche eine progressive Agenda zu definieren vermögen ohne den gesunden Menschenverstand dabei zu vernachlässigen. Kühnerts fundamentale Systemkritik ist genauso wenig hilfreich, wie das gleichgültige 'weiter wie bisher' der jetzigen 'Top'-Leute.
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