SPON-Wahltrend SPD fällt auf schlechtesten Wert seit Ende Januar

Kanzlerkandidat Martin Schulz gelingt die erhoffte Trendwende in den Umfragen nicht: Beim SPON-Wahltrend holt die SPD erneut schlechte Zahlen.

Kanzlerkandidat Martin Schulz
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Kanzlerkandidat Martin Schulz


"Augenwischerei" und "Armutszeugnis": Industrie und natürlich die Union kritisieren das am Montag vorgestellte Steuerkonzept von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Im Wahlprogramm soll es entscheidend dafür sorgen, bei der Bundestagswahl im Herbst gegen Angela Merkel zu gewinnen.

Ob die Steuerpläne die Chancen der Sozialdemokraten verbessern könne, bleibt abzuwarten. Die Ausgangslage allerdings ist denkbar schlecht. Denn im aktuellen SPON-Wahltrend, der in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben wird, kommt die SPD (Vorwoche 24,4 Prozent) nur noch auf 23,1 Prozent. So niedrig lag sie zuletzt Ende Januar. Die Befragung wurde zwischen dem 17. und 20. Juni erhoben, zum größten Teil also vor der Präsentation des Steuerkonzepts.

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Beim SPON-Wahltrend und anderen Civey-Umfragen kann jeder Nutzer mitmachen, die Ergebnisse sind für ganz Deutschland repräsentativ. Am Ende dieses Artikels erfahren Sie mehr zur Methodik. Dort können Sie die Sonntagsfrage auch selbst beantworten.

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1. Minimale Schwankungen bei CDU und CSU

Seit Anfang Mai erreicht die Union damit beim SPON-Wahltrend konstant Werte um die 37 und 38 Prozent. In der vergangenen Woche verloren CDU und CSU noch 1,2 Prozentpunkte, doch jetzt legen sie 1,1 Prozentpunkte zu und kommen damit auf 37,6 Prozent.

Zwischen Union und SPD liegen nun 14,5 Prozentpunkte. Das sind 2,4 Prozentpunkte mehr als zuletzt.

Bei den Befragungen der vergangenen drei Wochen waren die Verluste der Sozialdemokraten geringer ausgefallen. Doch jetzt sackt die SPD durch den Wert von 23,1 Prozent wieder deutlicher ab.

2. Grüne können AfD überholen

FDP (9,1) und Linke (9) liefern sich weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den dritten Platz. Die Grünen verbessern sich um 0,3 Prozentpunkte und liegen jetzt bei 8 Prozent. Sie können damit die AfD überholen. Die Rechtspopulisten büßten 0,7 Prozentpunkte ein und liegen damit (wenn auch knapp) mit 7,8 Prozent auf dem "letzten Platz" - zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung des SPON-Wahltrends.

3. Was wissen die Deutschen über das Programm der Grünen?

Die Grünen haben in der vergangenen Woche ihr Programm für die Bundestagswahl vorgestellt und versuchen unter anderem mit der Ehe für alle zu punkten. In einer gesonderten Umfrage ging es deshalb um die Resonanz auf den Parteitag.

Umso ernüchternder fällt das Ergebnis aus: Zwar erklärten 47,7 Prozent, eine Vorstellung von den Regierungszielen der Partei zu haben. Aber 46,9 Prozent verneinen dies. Dass fast 90 Prozent der Grünen-Anhänger angeben, die Ziele zu kennen, ist nicht so überraschend.

Interessanter ist, dass fast ein Viertel der AfD-Anhänger (23,9 Prozent) auf die Frage nach den Kenntnissen über die Ziele der Grünen mit "Ja, auf jeden Fall" antwortet.


Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 17. Juni bis zum 20. Juni 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 10.091 Befragte. Für die zweite Umfrage zu den Grünen wurden zwischen dem 18. und 20. Juni 2017 insgesamt 5088 Menschen befragt. Der statistische Fehler lag bei beiden Ergebnissen bei 2,5 Prozent.

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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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gammoncrack 20.06.2017
1. Zwei gute Nachrichten.
Die SPD kann mit Ihren Wahlprogrammtäuschungen weiterhin nicht punkten. Die AfD verschwindet inzwischen fast in die Bedeutungslosigkeit. Ich sehe positiv in die Zukunft!
spon_3511963 20.06.2017
2. SPD fällt auf schlechtesten Wert seit Ende Januar
Das wird noch schlimmer jetzt wo er den Schröder als Wahlhilfe auserkoren hat. Ich glaube der Schulz weis nicht das dieser Mann schuld am Niedergang der SPD ist oder will es nicht wissen. macht so weiter und die SPD wird ganz schnell Geschichte sein.
schröte 20.06.2017
3. SPD unwählbar
Da mir Frau Merkels Aussitzen schon lange gegen den Strich geht, und es auch langsam mal Zeit für eine "soziale" Wende wird, hatte ich eigentlich auf Martin gehofft. Nur leider setzt die SPD derzeit alles daran, sich für mich unwählbar zu machen. 1) Sie stellt sich ganz klar gegen eine Koalition mit den LINKEN. Um also an die Macht kommen zu können, führt keine Mehrheit an Mutti vorbei. Warum soll man also SPD wählen, wenn man damit eh wieder "Große Koalition" wählt? 2) Hat die SPD zusammen mit der Union in den letzten Wochen unglaublich viele "Überwachungs-Gesetze" - teils spät am Abend - durchgewunken. Erich Mielke wäre heute sicherlich ein stolzes und dankbares SPD-Mitglied. Eine Partei, die deart die freiheitlichen Grundwerte verrät, ist aboslut unwählbar. Von den Schwarzen kann man das erwarten, aber von den Roten? Wer SPD wählt, wählt ein Überwachungs- und Polizeistaat unter Merkel. *Schade* - aber die Sozen kann man leider abschreiben.
merlin 2 20.06.2017
4. Es liegt doch gar nicht nur am Kandidaten!
Schön wenn man einen Buhmann hat, auf den man alles münzen kann. Aber tatsächlich macht doch ein Herr Schulz die Überlegungen nicht alleine. Das "Programm" (die drei oder vier Punkte), das aktuell durch die Gazetten geistert, ist doch ein von den Parteioberen definiertes etwas. Das hat sich ja nicht nur ein Herr Schulz ausgedacht. Und auch wenn ich keine besonderen Vorlieben für Herrn Schulz habe, ist mindestens die Überschrift falsch. Die SPD fällt wegen vielen Dingen auf den schlechtesten Wert seit Januar und sie wird weiter fallen, wenn sie nicht am Puls des Volkes horcht, sondern irgendwelchen Ideologien hinterher wankt. Sie muß nicht jeden Quatsch mitmachen, sie muß aber mal mit ihrem Quatsch aufhören: TTIP, VDS, geplante höhere Steuern für die Bürgerschicht, mangelnde Rezepte gegen legale Steuervermeidung der ganz großen, miese Schulpolitik, schlechte Haushaltsplanung, Diskussionen um Vermögenssteuern (nur mal so am Rande - Vermögen ist die Basis für das kleine Eigenheim), Vernachlässigung der inneren Sicherheit und damit ist nicht die flächendeckende Überwachung gemeint, sondern schlicht die personelle Ausstattung, etc. Wenn sie das löst, wird sie auch wieder Stimmen bekommen, vorher nicht.
josho 20.06.2017
5. Die Talfahrt der SPD...
....ist noch lange nicht zu Ende. Jedermann sieht, dass ihr Programm ist schon jetzt auf die nächste große Koalition getrimmt ist. Das merken die Wähler, die schon so oft für dumm verkauft wurden. Schulz landet unter 20%.
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