SPD-Urgestein Rudolf Dreßler liebäugelt mit der Linkspartei

Der Linkspartei steht möglicherweise ein weiteres prominentes Mitglied ins Haus: SPD-Urgestein Dreßler denkt über einen Wechsel nach. Seine Entscheidung soll in den nächsten Monaten fallen.

Berlin - Hintergund für die Wechselgedanken Rudolf Dreßlers ist seine Unzufriedenheit mit der Sozialpolitik seiner Partei. Der 66 Jahre alte Sozialexperte sagte dem "Neuen Deutschland", es sei verheerend, dass die SPD beim Sozialabbau mitwirke. Unternehmerverbände könnten sich bei ihren Forderungen nach weiterer Senkung der Arbeitgeberanteile bei Rente, Gesundheit, Pflege und Arbeitslosenversicherung auf seine Partei berufen.

Die Stimmung in der SPD nannte der langjährige Bundestagsabgeordnete "katastrophal". Wenn die Funktionäre dies nicht mehr zur Kenntnis nähmen, dann sei ihnen "objektiv nicht mehr zu helfen".

Die Frage nach einem möglichen Wechsel zur Linkspartei beantwortete Dressler nach Angaben des Blattes mit den Worten: "Entscheidend sind die kommenden Monate: Programmdebatte, weitere Arbeitsergebnisse als Koalitionspartner, Wahlprogramm. Man sollte niemals nie sagen."

Die Übertritte von Oskar Lafontaine und Ulrich Maurer zur Linkspartei habe er als "logisch und konsequent" angesehen, sagte Dreßler. Mit Lafontaine pflege er noch heute gute Kontakte. Die Linkspartei vertrete "programmatische Inhalte der SPD, die diese verlassen hat". Noch sei aber für ihn "der Zeitpunkt nicht erreicht, wo ich die Fahne raushänge".

Dreßler ist 1969 in die SPD eingetreten. Für die Sozialdemokraten saß er von 1980 bis 2000 im Bundestag. 16 Jahre lang saß er der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen vor. Von September 2000 bis August 2005 war Dreßler deutscher Botschafter in Israel.

ler/AP

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