SPD-Vorsitz Platzeck soll Münteferings Nachfolger werden

Der Nachfolger von Franz Müntefering wurde schnell gefunden. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck soll neuer Chef der SPD werden. Der andere Kandidat, der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck, soll eine herausragende Position an der Parteispitze einnehmen.


Berlin - Auf Platzeck, 51, verständigte sich gestern Abend eine Runde führender SPD-Politiker. Beck sagte nach dem gut zweistündigen Gespräch: "Matthias Platzeck und ich, im Kreise der Vertreter von Landesverbänden, Bezirken und in engem Kontakt mit Franz Müntefering, haben uns ... verständigt, dass wir morgen den Parteigremien vorschlagen, dass Matthias Platzeck für das Amt des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei kandidieren wird."

 Platzeck: "Große Ehre"
DDP

Platzeck: "Große Ehre"

Da nach Angaben von Beck rund ein Dutzend SPD-Landeschefs Platzecks Kandidatur unterstützten, gilt seine Bestätigung durch die SPD-Gremien als sicher. Die endgültige Entscheidung trifft der SPD-Parteitag Mitte des Monats in Karlsruhe.

Platzeck bezeichnete die Entscheidung als Schritt der SPD aus der Krise, in die sie durch den Rückzug Münteferings am Montag geraten war. Der Parteivorsitzende hatte nach einer Abstimmungsniederlage im Vorstand über den neuen Generalsekretär angekündigt, beim Parteitag nicht wieder als Vorsitzender anzutreten.

"Für mich ist diese Entwicklung eine große Ehre", sagte Platzeck zu seiner Nominierung. Er bekräftigte nach dem Treffen, dass die SPD am Plan der Koalition mit CDU und CSU festhalte. "Wir wollen, dass die Verhandlungen zur Bildung einer Regierung zügig vorangehen." Die Spitzenrunde habe auch ihre Unterstützung für Müntefering betont, der weiterhin für die SPD die Koalitionsverhandlungen führen und als Vizekanzler auch in das Kabinett von CDU-Chefin Angela Merkel will.

Beck: Herausgehobene Stellung
REUTERS

Beck: Herausgehobene Stellung

Platzeck kündigte an, er wolle auch als SPD-Vorsitzender weiter Ministerpräsident bleiben. Er gilt seit Jahren als Nachwuchshoffnung der SPD, hatte sich aber dem Drängen bislang widersetzt, ein Ministeramt zu übernehmen. Vor Münteferings Rücktritt war er als neuer SPD-Vize vorgesehen. Mit Platzeck an der Spitze würde der von jüngeren Sozialdemokraten geforderte Generationswechsel in der SPD vollzogen. Zudem würden dann mit CDU und SPD die beiden größten Parteien von Politikern aus Ostdeutschland geführt.

Beck soll in einer herausgehobenen Stellung einer der Stellvertreter Platzecks werden. Er war ebenfalls als Nachfolger Münteferings gehandelt worden.

In den Spitzengremien der SPD soll heute auch eine Vorentscheidung über den neuen Generalsekretär fallen. Im Gespräch dafür ist der frühere niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel, der bislang als Umweltminister im neuen Bundeskabinett vorgesehen war. Die SPD-Linke Andrea Nahles soll laut Beck eine wichtige Position in der Parteiführung erhalten.

Der Seeheimer Kreis mit Vertretern des rechten SPD-Flügels forderte den Parteivorstand zum Rücktritt auf. Mit seiner Entscheidung bei der Wahl zum Generalsekretär habe sich das Gremium disqualifiziert, sagten die konservativen SPD-Politiker nach einer Sondersitzung.



Der 51-jährige Potsdamer gilt als einer der profiliertesten ostdeutschen SPD-Politiker und zählt zu den erklärten Nachwuchshoffnungen der Partei. Eigentlich sollte der brandenburgische Landeschef behutsam für den SPD-Spitzenposten aufgebaut werden und auf dem Bundesparteitag Mitte November als Vize-Parteichef kandidieren. Nun muss er durchstarten.



Platzeck, der nach seiner Rolle bei der Bekämpfung der Oderflut 1997 als "Deichgraf" bundesweit bekannt wurde, ist ein pragmatischer Politiker. Beim Oderhochwasser zeigte er unermüdliches und überlegtes Engagement. Er gewann im September 2004 in Brandenburg eine Landtagswahl gegen den Bundestrend. Denn die SPD befand sich damals wegen des Reformgesetzes Hartz IV in einem Umfragetief.



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