SPD-Wahlkampf IT- und Medizinmanager loben Steinmeiers Deutschland-Plan

Bislang gab es von der Wirtschaft vor allem Hohn und Kritik für Frank-Walter-Steinmeiers Job-Wunder-Plan - jetzt bekommt der SPD-Kanzlerkandidat von zwei Managern aus der Software- und Medizinbranche Lob für sein Konzept. Steinmeiers Plan zur Wirtschaftsförderung setze in den richtigen Bereichen an.

Berlin - Führende Unternehmer unterstützen das Wirtschaftskonzept von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Leo Apotheker, Chef der Softwareschmiede SAP, lobte vor allem Steinmeiers Vorschläge zum Bildungsbereich und zur Förderung von Frauen im Berufsleben. "Hier haben wir gegenüber den USA und Indien großen Nachholbedarf", betonte Apotheker in der "Financial Times Deutschland."Die Pläne Steinmeiers, Deutschland im Bereich der Software zu stärken, finde ich sehr gut", sagte er weiter. Software werde als Standortfaktor immer wichtiger.

Emanuele Gatti, Vorstandsmitglied des Medizintechnikherstellers Fresenius Medical Care, gibt Steinmeier Recht dabei, die Branche als Jobmotor nutzen zu wollen. "Im Gesundheitssektor sehe ich ein großes Wachstumspotenzial, das auch zur Schaffung einer hohen Anzahl neuer Arbeitsplätze beitragen wird", sagte Gatti. Dies gelte nicht nur für den Pflegebereich, sondern auch für IT-Spezialisten, Nano- und Materialtechnikern. Hier werde es starke Zuwachsraten geben.

Der Chef der Industriegewerkschaft IG-BCE, Hubertus Schmoldt, lobte Steinmeiers Pläne ebenfalls. "Ein ganz wichtiger Vorteil seines Konzepts ist, dass es der Realwirtschaft die zentrale Stellung zuweist. Die Blasen sind alle im Dienstleistungsbereich geplatzt, Länder wie Großbritannien, die vor allem darauf gesetzt haben, stecken jetzt in den größten Problemen", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Zu Steinmeiers Prognose von vier Millionen neuen Jobs bis 2020 sagte Schmoldt, zwar könne niemand die Frage präzise beantworten, wie viele Arbeitsplätze ein neues Konzept schafft. "Aber ein ehrgeiziges Ziel zu stecken, für das sich gemeinsame Anstrengungen lohnen, das ist auch und gerade in einer Zeit richtig, in der viele Menschen um ihre Stellen fürchten."

Unterdessen gibt es weiterhin auch scharfe Kritik an Steinemeiers Job-Plänen. Was Steinmeier als Beschäftigungswunder vorschlage, sehe "ein wenig nach Planwirtschaft aus", sagte der Konjunkturchef des deutschen Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheider, der "Berliner Zeitung". So viel Einfluss auf die Beschäftigung habe der Staat nicht. Steinmeier hat in seinem Deutschland-Plan zum Wahlkampf die Schaffung von vier Millionen Arbeitsplätzen binnen zehn Jahren versprochen.

Deutliche Kritik äußerte auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer. "Herr Steinmeier muss jetzt mal erläutern, warum er das alles, was er jetzt vorschlägt, nicht in der Regierungszeit getan hat", sagte sie der "Nordwest-Zeitung". Die SPD habe ja in der Vergangenheit "eher für alte Technologien gestanden". "Dieser Wandel vom Saulus zum Paulus, der ist ihm noch nicht wirklich gelungen." Wenn jedoch die SPD tatsächlich in die ökologische Erneuerung investieren wolle, "dann ist das ja richtig".

Steinmeier selbst hat unterdessen die Arbeitsplatzziele seiner Partei gegen Kritik als "realistisch" verteidigt. Die Zahl der Erwerbstätigen müsse von derzeit 31 Millionen auf über 33 Millionen steigen, sagte Steinmeier am Montagabend im ZDF-"Heute- Journal". "Politik muss jetzt die Weichen dafür stellen." Im SPD-Programm werden vier Millionen neue Arbeitsplätze bis zum Jahr 2020 angestrebt. Er gehe aber davon aus, dass auch in den nächsten zehn Jahren Arbeitsplätze verloren gehen, sagte Steinmeier.

Der SPD-Politiker und Außenminister wies daraufhin, dass durch die Politik der rot-grünen Regierung bereits nach 2003 die Zahl der Arbeitslosen von fünf auf drei Millionen reduziert worden sei. In der Gesundheitswirtschaft seien in den letzten 10 bis 15 Jahren bereits eine Million Arbeitsplätze neu entstanden. Angesichts der alternden Gesellschaft könne dies auch in Zukunft gelingen.

anr/Reuters/dpa
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