Künftige SPD-Generalsekretärin Fahimi Yasmin wer?

Unbekannt - na und? Mit Yasmin Fahimi hat SPD-Chef Sigmar Gabriel in die Wundertüte gegriffen. Die 46-Jährige wird als neue Generalsekretärin gleich viel Verantwortung tragen. Das Risiko: Den politischen Betrieb in Berlin muss sie erst noch kennenlernen.

Künftige SPD-Generalsekretärin Fahimi: Gabriel setzt auf Risiko
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Künftige SPD-Generalsekretärin Fahimi: Gabriel setzt auf Risiko

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Berlin - Andrea Nahles ist nun wirklich Ministerin. Das dürfte nach diesem Tag so ziemlich jedem klar sein. Am Morgen lud die Chefin des Arbeits- und Sozialressorts zu ihrer ersten Pressekonferenz. Es galt, die neuen Arbeitslosenzahlen vorzustellen, und über mangelndes Interesse an ihrem Premierenauftritt konnte sich Nahles nicht beschweren.

Passend dazu sickerte am Nachmittag durch, dass nun endlich auch ihre Nachfolge als SPD-Generalsekretärin geregelt und damit die letzte wichtige Personalfrage in der Partei geklärt ist. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat für dieses Amt Yasmin Fahimi auserkoren, was für viele in der Partei keine ganz große Überraschung mehr ist; ihr Name wurde schon seit ein paar Wochen immer wieder genannt. Doch all jene, die sich nicht jeden Tag mit der Sozialdemokratie beschäftigen, dürften sich fragen: Yasmin wer?

Mit der 46-jährigen Gewerkschafterin, die am 26. Januar auf dem Parteitag in Berlin gewählt werden soll, geht Gabriel durchaus ein gewisses Risiko ein. Sicher: Weiblich, neu im Geschäft, Migrationshintergrund - das kann auch ein Vorteil sein. Sie dürfte rasch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Handicap: No-Name in der Bundespolitik

Die Partei kennt sie gut, die Lebensgefährtin des IG-BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis ist der SPD seit langem verbunden, ihre ersten politischen Erfahrungen sammelte die Diplomchemikerin in den neunziger Jahren bei den Jusos. In Niedersachsen kandidierte sie - erfolglos - einst auch für den Landtag. Dort fiel sie auch Gabriel auf. Ihre Vorgängerin Andrea Nahles wiederum kennt sie aus gemeinsamen Schlachten seit über 20 Jahren.

In der Partei machte Fahimi auf sich aufmerksam, als sie im vergangenen Jahr gemeinsam mit Nahles, der Grünen Steffi Lemke und dem IG-Metaller Michael Guggemos den rot-grünen Think-Tank "Denkwerk Demokratie" gründete. Man kann nicht sagen, dass die Institution der SPD im Wahlkampf einen Schub verlieh, aber Fahimi konnte sich ihren Leuten damals immerhin als Frau präsentieren, die ein Interesse an strategischen Fragen hat. Dieses Interesse teilt sie mit ihrem künftigen Chef Gabriel. Keine ganz schlechte Voraussetzung.

Ihr Handicap: Bundespolitisch ist Fahimi bisher ein unbeschriebenes Blatt. Die Fallstricke, die die Arbeit mit empfindlichen Landesverbänden mit sich bringt, kennt sie ebenso wenig wie die Berliner Bühne. Das ist bemerkenswert für jemanden, der in einer Regierungspartei den zentralen Koordinierungsposten bekleiden soll.

Scharnierfunktion zur Opposition

Fahimi, Tochter eines Iraners und einer Deutschen, wird vom Start weg eine Menge Verantwortung tragen. Sie wird nach innen organisieren müssen, was sie im Zuge ihrer Gewerkschaftsarbeit gelernt haben dürfte, in großkoalitionären Zeiten jedoch eine besondere Herausforderung sein kann. Wenn Schwarz-Rot in den kommenden Jahren für die SPD unangenehme Entscheidungen treffen sollte, dürften schnell wieder alte Fliehkräfte entstehen, die es zu kontrollieren gilt.

Strategisch wird sie den Kontakt zu den Grünen aufrechterhalten und zur Linken intensivieren müssen, was kaum weniger schwierig werden dürfte. Und sie wird die Aufgabe haben, die Partei nach außen zu repräsentieren. Fahimi, die bei der IG BCE bis zuletzt das Ressort Politische Planung leitete, hat damit nicht wirklich viel Erfahrung, aber immerhin den Vorteil, dass die Fußstapfen, die Nahles in Sachen Außendarstellung hinterlassen hat, nicht allzu groß sind.

Auch für Gabriel spielt Fahimi eine wichtige Rolle. Die meisten Sozialdemokraten gehen davon aus, dass der Parteichef sich künftig nicht mehr allzu häufig im Willy-Brandt-Haus blicken lassen wird. Er hat mit der Energiewende ein Thema, das ihn weitgehend auslasten wird, und so dürfte er seine Arbeit als Parteivorsitzender etwas weniger engagiert angehen, als das zu Oppositionszeiten der Fall war. Das kann für Fahimi ganz angenehm sein. Geschichten darüber, wie kompliziert Gabriel mitunter als Chef ist, gibt es etliche.

Aber es kann auch zum Problem werden. Fahimi muss rasch zeigen, dass sie die Parteizentrale im Griff hat. Und zwar im Zweifel auch alleine.

insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
Skalla-Grímr 07.01.2014
1. "... wer"
Merkt SpOn eigentlich, dass so gut wie jedesmal, wenn in der Politik ein neuer Name auftaucht, dieses "xy wer?" im Titel verwendet wird? Nervig.
umbhaki 07.01.2014
2.
Zitat von sysopimagoUnbekannt - na und? Mit Yasmin Fahimi hat SPD-Chef Sigmar Gabriel in die Wundertüte gegriffen. Die 46-Jährige wird als neue Generalsekretärin gleich viel Verantwortung tragen. Das Risiko: Den politischen Betrieb in Berlin muss sie erst noch kennen lernen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gabriel-will-fahimi-als-neue-spd-generalsekretaerin-a-942276.html
Worin besteht denn bei einer Deutschen, die eine deutsche Mutter und einen iranischen Vater hat, und die sich seit mindestens zwei Jahrzehnten in Deutschland politisch engagiert, der "Migrationshintergrund"?
daslästermaul 07.01.2014
3. Wer bitte ??!
Zitat von sysopimagoUnbekannt - na und? Mit Yasmin Fahimi hat SPD-Chef Sigmar Gabriel in die Wundertüte gegriffen. Die 46-Jährige wird als neue Generalsekretärin gleich viel Verantwortung tragen. Das Risiko: Den politischen Betrieb in Berlin muss sie erst noch kennen lernen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gabriel-will-fahimi-als-neue-spd-generalsekretaerin-a-942276.html
.... sicher eine äußerst hoffnungsvolle Sozialdemokratin der allerneuesten Generation ??!
suzanasater 07.01.2014
4.
Ich finde es gut viel glück und fleiss das braucht sie jetzt
leiboldson 07.01.2014
5. :(
Die SPD hat nur noch folgende "Leistungsanforderungen": - weiblich - muslimisch
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