Spendenaffäre Ermittlungen gegen Unicef eingestellt

Kein hinreichender Anfangsverdacht: Die Staatswaltschaft hat Untreue-Ermittlungen gegen den ehemaligen Unicef-Geschäftsführer Garlichs eingestellt. Doch das Hilfwerk muss Einbußen verkraften - das Spendenaufkommen sank um 20 Prozent.


Köln - Aufatmen bei Unicef: Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen Ex-Geschäftsführer Dietrich Garlichs eingestellt. Es gäbe keinen hinreichenden Tatverdacht, sagte ein Justizsprecher am Mittwoch.

Ex-Geschäftsführer Garlichs: Die Ermittlungen gegen ihn sind eingestellt.
DDP

Ex-Geschäftsführer Garlichs: Die Ermittlungen gegen ihn sind eingestellt.

Unicef Deutschland war Ende 2007 wegen undurchsichtiger Beraterverträge und angeblicher Verschwendung von Spendengeldern in die Kritik geraten. Dietrich Garlichs wurden unter anderem zu hohe Provisionszahlungen an professionelle Spendenwerber zur Last gelegt. Auch war er wegen einer Lebensversicherung unter Druck geraten, die das Kinderhilfswerk zu seinen Gunsten finanziert haben soll.

Seit vergangenen November ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen Garlichs. Für Unicef-Sprecher Rudi Tarneden ist die Einstellung der Ermittlungen "eine gute Nachricht". Der Verteidiger von Garlichs, Christian Richter, sagte: "Das kommt einem Freispruch gleich."

"Gutes Mittelfeld"

Im Februar hatte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen Unicef das Spendensiegel entzogen. Es steht für besonders verantwortungsvollen Umgang mit Spenden. Im gleichen Monat trat Garlichs als Geschäftsführer zurück. Auch die ehrenamtliche Vorsitzende des Kinderhilfswerks, Heide Simonis, hatte ihren Posten geräumt.

Im Verlauf der Krise gingen die Spenden für Unicef um etwa 20 Prozent zurück. Das gelte so noch immer, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden, wobei die entscheidende Zeit vor Weihnachten noch komme. "Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft bestätigt aber in jedem Fall, was der neue Vorstand gesagt hat und was auch Prüfungen ergeben haben", so Tarneden: "Dass es hier keinerlei Veruntreuung und auch keinerlei persönliche Bereicherung gegeben hat, sondern dass es sich um eine Führungskrise handelte, die abgeschlossen ist."

Der neue Unicef-Vorsitzende Jürgen Heraeus hatte im Juni einen wesentlich umfassenderen Rechenschaftsbericht zum Umgang mit den Spendengeldern herausgegeben. Der Mitte April neu gewählte Vorstand betonte bei dieser Gelegenheit, dass im vergangenen Jahr 80,6 Prozent der Einnahmen in internationale Unicef-Projekte geflossen seien, was "gutes Mittelfeld" sei. Als Sprecherin der 8000 ehrenamtlichen Helfer sagte Vorstandsmitglied Carmen Creutz, mit den Reformen und der neuen Führung blicke die Basis wieder positiv in die Zukunft.

jch/AFP/AP/ddp/dpa



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