Spendenverschwendung Wirtschaftsprüfer und Simonis erheben Vorwürfe gegen Unicef

Neue Anschuldigungen gegen Unicef Deutschland: Wirtschaftsprüfer haben laut einem Zeitungsbericht doch Unregelmäßigkeiten bei dem Kinderhilfswerk entdeckt. Zudem soll Unicef einen Prüfbericht falsch wiedergeben haben. Die zurückgetretene Vorsitzende Simonis erhebt schwere Vorwürfe.


Frankfurt am Main - Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat einem Pressebericht zufolge bei Unicef Deutschland doch Unregelmäßigkeiten festgestellt. Wie die "Frankfurter Rundschau" in der Montagausgabe berichtet, wirft die KPMG dem deutschen Uno-Kinderhilfswerk zugleich vor, einen Prüfbericht nicht wahrheitsgemäß dargestellt zu haben. Unicef hatte Mitte Januar erklärt, laut der KPMG-Prüfung habe es keine finanziellen Unregelmäßigkeiten gegeben. Die am Samstag aus dem Vorstand ausgetretene Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis, richtete schwere Vorwürfe gegen das Hilfswerk.

Zurückgetretene Vorsitzende Simonis: Klare Verstöße bei Unicef Deutschland
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Zurückgetretene Vorsitzende Simonis: Klare Verstöße bei Unicef Deutschland

Der KPMG-Bericht zeige klare "Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip und Schriftform von Verträgen". Dies seien Verstöße gegen Regeln, die "unverzichtbar" seien, "damit man Abläufe nachvollziehen kann", sagte Simonis dem Blatt. Zum Stiftungsvermögen von 89,4 Millionen Euro sagte die ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins: "Das muss stärker kontrolliert werden. Das darf nicht von einem alleine gemacht werden."

Die Vorwürfe wegen undurchsichtiger Beraterverträge und Verwendung von Spendengeldern richten sich vor allem gegen Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs, dem der Vorstand am Samstag auf einer Krisensitzung in Frankfurt am Main nach dem Rücktritt von Simonis erneut das volle Vertrauen ausgesprochen hatte. Gegen ihn ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Anfangsverdachts der Untreue.

Wie die "Frankfurter Rundschau" weiter berichtet, verlangt die KPMG, Unicef dürfe nicht weiterverbreiten, dass der KPMG-Bericht festgestellt habe, alle Vorwürfe seien falsch und es habe keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Es sei in der Zusammenfassung "unserer Sonderuntersuchung sehr klar von Verstößen die Rede", schreibt Dieter John von der Forensic-Abteilung der KPMG.

tno/ddp



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