SPIEGEL-Gesprächsreihe Joschka Fischer warnt vor Wettrüsten am Golf

"So gefährlich wie jetzt war es noch nie": Joschka Fischer fürchtet die Eskalation des Atomstreits mit Iran. In der gemeinsamen Gesprächsreihe von SPIEGEL und Körber-Stiftung ging es um einen möglichen Waffengang gegen Teheran, aber auch um die Euro-Krise und die Piraten.

DER SPIEGEL

Hamburg - Klar, am Ausgang der Saarland-Wahl und den Piraten als potentiell neue politische Kraft in der Bundesrepublik kam auch Joschka Fischer nicht vorbei. Doch das wichtigste Thema für den früheren Außenminister bei der von SPIEGEL und Körber-Stiftung veranstalteten Gesprächsreihe "Der Montag an der Spitze" war ein drohender militärischer Konflikt mit Iran und die Euro-Krise.

"So gefährlich wie jetzt war es noch nie", brachte es der Grünen-Politiker im Gespräch mit SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo auf den Punkt. Für Fischer steht fest: Das Regime in Teheran verfolgt mit seinem Atomprogramm nicht wie behauptet zivile, sondern "eindeutig militärische Zwecke". Eine Entscheidung für ein Waffenproduktion sei zwar von Iran offenbar noch nicht getroffen. "Aber sie wollen einen Schritt davor sein", sagte Fischer.

An einen Angriff auf Israel glaubt der Grünen-Politiker zwar nicht. Ein dann folgender Gegenschlag würde Iran auslöschen. "Sie sind keine Selbstmörder." Aber das "Gleichgewicht des Schreckens" am Golf drohe sich durch eine Atommacht Iran zu verschieben. Fischer rechnet für den Fall mit einem Rüstungswettlauf in der Ölregion, der weitreichenden Folgen hätte. "Das würde auch die Sicherheitspolitik Europas entscheidend verändern." Für den Ex-Außenminister steht fest: "Wir würden in einer anderen Welt aufwachen."

Fischer befürwortete die Sanktionen des Westens gegen Teheran. Das führe zwar nicht zum Einlenken des Regimes, aber es ermögliche ernsthafte Gespräche. "Man kann nur auf Verhandlungen hoffen."

"Wenn wir den Euro nicht verteidigen, wird Europa scheitern"

Breiten Raum nahm in dem Gespräch auch die Euro-Krise ein. Fischer unterstützt die Strategie von Kanzlerin Merkel: "Wenn wir den Euro nicht verteidigen, wird Europa scheitern." Und das Ende einer gemeinsamen europäischen Politik habe weitreichende Konsequenzen auch für Deutschland. "Wer wird sich dann um unsere Probleme kümmern." Die USA müssten sich um eigene Sorgen kümmern. Also bedürfe es eines starken Europas.

Zurzeit gebe es eine solche Politik aber nicht, stellte Fischer fest. Er vermisse eine Plattform für die Repräsentanten der nationalen Parlamente. "Das wäre interessant, und viel Blödsinn wäre nicht gesagt worden."

Zu Beginn des Gesprächs äußerte sich Fischer über mögliche Bündniskonsequenzen in der deutschen Politik nach der Landtagswahl im Saarland und dem dortigen Erfolg der Piraten. "Auf der Linken zersplittert die Parteinlandschaft." Die SPD schaffe es deshalb nicht mehr, die Union zu überholen. "Angela Merkel steht in der Pole-Position, und die SPD ist untermotorisiert", benutzte der Grünen-Politiker ein Bild aus der Formel-1-Szene.

Das Bilden von großen Koalitionen sei zunächst wahrscheinlich. Doch nach 2013 werde eine Öffnung der Lager stattfinden. Ob dazu auch die Option Schwarz-Grün gehöre, ließ Fischer offen. "Da ist die kulturelle Distanz groß". Ein solches Bündnis brauche eine lange Vorarbeit, "daran müsste man arbeiten."

Nächster Gast ist Juncker

Der "Montag an der Spitze" findet abwechselnd im KörberForum an der Kehrwiederspitze oder im Atrium des SPIEGEL-Hauses an der Ericusspitze statt.

Am 30. April wird Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premierminister und Vorsitzender der Euro-Gruppe, zum Gespräch erwartet.



insgesamt 7 Beiträge
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fludd 27.03.2012
1. Behauptungen
Die Behauptungen, die Herr Fischer zum atomaren Programm des Iran verkündet, stehen ohne jede Quellenangabe im Raum. Fischer hat Deutschland als damaliger Außenminister mit seinen Aussagen (die sich großteilig als Falschinformationen entpuppten) zum Unterstützer des Nato Krieges gegen Serbien gemacht. Den Aussagen eines überführten Kriegstreibers sollte man mit großem Misstrauen begegnen.
Simax 27.03.2012
2. Was für ein Gewäsch
Was Fischer bei seinen "Analysen" wohlweislich verschwiegen hat - Rot-Grün hat mit der Liberalisierung der Finanzmärkte das Desaster erst möglich gemacht. Und er greift einfach zur Setzung Euro = Europa. Und negiert die Risiken für Deutschland völlig. Die 500 Milliarden im Target 2 System die Deutschland geschuldet werden fallen völlig unter den Tisch, die Demokratiedefizite der EU ebenso. Das hat seine Logik - dürften die Bürger tatsächlich mitbestimmen wäre die Party für die Nutznießer des Systems vorbei. Die Transferunion nach Fischers Wunsch wäre ebenso Makulatur wie die Islamisierung zur Erschließung neuer Wählerschichten.
nomadas 27.03.2012
3. Das Alphatier
Ja, unter der "Rechten Hand" vom "Basta-Kanzler" sind die GRÜNEN in einer anderen Welt aufgewacht. Alle Welt kennt die einseitige Position von Herrn Fischer zu Israel. Und seine Rhetorik untermauert es:...Iran würde ausgelöscht... Wie glaubwürdig ist man denn noch, wenn man vom einstigen "Häuserbesetzer" und "Anti-US-Fighter" zum saturierten Mitglied der "Happy few" mutiert ist? Solche flachen Allgemeinplätze mit drohendem Unterton zu verbreiten, ist weder "Fundi" noch "Realo", es ist nur einfach unerträglich geworden. Petra Kelly würde sich im Grab umdrehen. Die Piraten haben längst dieses politische Vakuum besetzt. Schade, Herr "Turnschuhminister"!
flower power 27.03.2012
4. Ist
Zitat von sysopGetty Images"So gefährlich wie jetzt war es noch nie": Joschka Fischer fürchtet die Eskalation des Atomstreits mit Iran. In der gemeinsamen Gesprächsreihe von SPIEGEL und Körber-Stiftung ging es um einen möglichen Waffengang gegen Teheran, aber auch um die Euro-Krise und die Piraten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823890,00.html
sein Kühlschrank leer? Nach Jahren der Enthaltsamkeit denkt dieser erste Grünen-Kriegsminister wohl wieder mal daran sich als Schwergewicht auch politisch hervor zu tun. Ich wünsche ihm eine langweilige Pensionärszeit mit Unbeachtung. Solche Verräter haben den Sozialstaat kaputt gemacht und DE in Jugoslawien und Afghanistan in den Krieg gezogen. Dem gehört keine Bühne mehr.
curti 27.03.2012
5. Was Fischer vor ........
Zitat von sysopGetty Images"So gefährlich wie jetzt war es noch nie": Joschka Fischer fürchtet die Eskalation des Atomstreits mit Iran. In der gemeinsamen Gesprächsreihe von SPIEGEL und Körber-Stiftung ging es um einen möglichen Waffengang gegen Teheran, aber auch um die Euro-Krise und die Piraten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823890,00.html
..... allem zum Ausdruck bringt ist seine bipolare Persönlichkeit - vom Revoluzzer zum Schoßhund der Neolibs und Neokons. Seine Analysen und Prognosen lagen bereits früher regelmäßig daneben. Mittlerweile wirken sie nur noch peinlich! Hab den Eindruck das die Einnahmen seiner Vermarktungsagentur ins Stocken geraten ist, das überhaupt sein Prestige schwindet und er sich nun wieder mehr in der politischen Öffentlichkeit inszenieren muß.
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