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Hausmitteilung Klimakatastrophe, Afghanistan, Ricarda Lang, wertlose Bücher

aus DER SPIEGEL 33/2022

Titel

Foto: Matilde Viegas / DER SPIEGEL

Hellgrüne Weinberge und Rosensträucher vor pittoresken Steinhäusern: Die Welt scheint noch in Ordnung im wunder­schönen Norden Portugals. Doch der Eindruck trügt. »Die Dürre hat auch den Norden erreicht«, sagt Redakteurin Katharina Graça Peters, die für die Titelgeschichte ins Douro-Tal reiste und an der Seite von Winzer Nuno Gonzalez erlebte, wie in einer der ältesten Weinanbauregionen der Welt nun Reben verdorren. In diesem Jahr ist die neue Heißzeit in Europa so spürbar wie noch nie: Feuer, Dürre, aus­getrocknete Flüsse. Und was tut die deutsche Regierung? Sie reduziert ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. Ein Team um Autor Dirk Kurbjuweit war dort unterwegs, wo sich die Folgen der Erderwärmung bereits heute zeigen, außerdem recherchierten die Journalisten in Brüssel und Berlin, wie Ukrainekrieg, Inflation und Weizenmangel die Klimaziele verdrängen.

Afghanistan

Foto: Milos Djuric / DER SPIEGEL

Kabul fiel kampflos am 15. August des vergangenen Jahres, die Taliban triumphierten, und die Welt sah der Tragödie fassungslos zu. Es folgten chaotische Wochen mit Bildern, die an die amerikanische Evakuierung Saigons in der Schlussphase des Vietnamkriegs 1975 erinnerten. Auch Mohammed Halim Fidai (l.) konnte sich ins Exil nach Deutschland retten. Der Reporter Ullrich Fichtner hatte den erklärten Taliban-Gegner und früheren Provinzgouverneur bereits 2009 in Afghanistan begleitet. Dem Wiedersehen im vergangenen Oktober folgten weitere Treffen, bei denen Fichtner beobachten konnte, wie Fidai mit seiner Familie langsam Fuß fasste. Bei einer Begegnung sagte er einen Satz, der die Geschichte Afghanistans zu bündeln scheint: »In den 50 Jahren meines Lebens herrschte 40 Jahre lang Krieg.« Außerdem in dieser Ausgabe: der dritte und letzte Teil der Serie über die dramatische Evakuierungsoperation der Deutschen am Kabuler Flughafen. Und Reporter Christoph Reuter beschreibt die Folgen der Machtübernahme der Taliban: Statt Terror, wie befürchtet, regiert vor allem der Hunger.

Ricarda Lang

Foto: Julian Busch

Es ist keine drei Jahre her, da führte Ricarda Lang noch die Grüne Jugend. Inzwischen ist sie Chefin der Bundespartei, mit gerade einmal 28 Jahren. Redakteurin Valerie Höhne beobachtet die Politikerin seit Langem, für dieses Porträt besuchte sie mit Lang zusammen deren alte Schule im baden-württembergischen Nürtingen, sprach mit ihr über ihre Jugend und die Gründe, warum sie in die Partei eintrat. »Ich glaube, das größte Missverständnis über Lang ist, dass sie eine Ideologin sei«, sagt Höhne, »dabei ist sie eine Pragmatikerin, die weiß, dass sie Mehrheiten für ihre politischen Ziele braucht.«

Wertlose Bücher

Ein beißender Geruch billiger Chemikalien stieg Redakteur Christopher Piltz in die Nase, als er in den Büchern eines Rentnerpaars blätterte, von dem ihm ein Bekannter erzählt hatte. Die beiden hatten innerhalb von knapp drei Jahren bei Handelsvertretern vermeintlich wertvolle Nachdrucke historischer Bücher gekauft, sogenannte Faksimiles. Über 300 000 Euro gaben sie aus, ihre gesamten Rücklagen. Heute wissen sie: Die Bücher sind kaum etwas wert. Als Piltz die Müllers zum ersten Mal traf, erlebte er zwei Menschen, die eigentlich nicht naiv wirkten – und doch mit jedem Kauf durch perfide Tricks und Versprechen der Verkäufer immer weiter abgezockt wurden. »Sie gehören zu einer Generation, für die Haustürgeschäfte normal sind«, sagt Piltz. Da hatten die Vertreter leichtes Spiel.

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