SPIEGEL Irans Agenten sollen für Krawalle sorgen


Berlin - Die außerordentlich hohen Sicherheitsvorkehrungen für den Besuch des iranischen Staatspräsidenten Mohammed Chatami in Berlin und Weimar gelten nicht nur den exil-iranischen Oppositionsgruppen. Der SPIEGEL berichtet in seiner neuen Ausgabe, die deutschen Nachrichtendienste hätten Hinweise erhalten, dass auch Agenten des iranischen Vevak-Geheimdienstes in die deutsche Hauptstadt abkommandiert sein sollen. Die Provokateure des Vevak sollen für Krawalle und Tumulte sorgen, die den als gemäßigt geltenden Staatspräsidenten in Iran desavouieren und diskreditieren können.

Der iranische Geheimdienst wird von den innenpolitischen Gegenspielern Chatamis, insbesondere vom religiösen Oberhaupt Irans, Chamenei, kontrolliert. Nach Erkenntnissen deutscher Dienste soll, wie der SPIEGEL weiter meldet, auch die Berliner Iran-Konferenz, die im April des Jahres nach harten Tumulten abgebrochen werden musste, von Gefolgsleuten des iranischen Geheimdienstes gewalttätig sabotiert worden sein. Um möglichst allen Missfallensbekundungen aus dem Weg zu gehen wird der iranische Präsident fast ausschließlich mit einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes durch die Hauptstadt befördert werden. Polizeistreifen werden unliebsame Parolen und Plakate konfiszieren und despektierliche Sprüche sofort übertünchen.

Das Blatt meldet darüber hinaus, dass Bundestagspräsident Wolfgang Thierse einen bereits vorbereiteten Iran-Besuch bereits vor der Chatami-Visite abgesagt hat. Thierse lehnte es ab, den Iran zu einem Zeitpunkt zu besuchen, da kritische Zeitungen geschlossen und deren Herausgeber verhaftet werden.



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