SPIEGEL ONLINE exklusiv Die Schreiber-Dokumente

Heute stehen Ex-CDU-Chef Schäuble und die frühere Schatzmeisterin der Partei, Baumeister, wieder vor dem Spenden-Untersuchungsausschuss. Und wieder geht es darum, wer wann die "100 hässlichen Männer" des Waffenhändlers Schreiber entgegengenommen hat. SPIEGEL ONLINE zeigt erstmals das dazu gehörende Schreiben.

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Karlheinz Schreiber
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Karlheinz Schreiber

Hamburg - Es ist eigentlich nur ein Detail im ganz großen CDU-Spendenskandal. Doch es war ausreichend, um den früheren CDU-Parteichef Wolfgang Schäuble aus seinem Amt zu kicken. Denn es geht hier um Glaubwürdigkeit.

Frau Baumeister lud Schreiber zum Essen ein ...

Frau Baumeister lud Schreiber zum Essen ein ...

Wem hat Lobbyist Karlheinz Schreiber bei welcher Gelegenheit eine Spende in Höhe von 100.000 Mark überreicht? Wolfgang Schäuble versichert, das Geld persönlich von Schreiber bekommen zu haben. Schreiber habe ihm am 22. September 1994 einen Umschlag gegeben, diesen will Schäuble direkt an die damalige Schatzmeisterin weitergegeben haben. Der Besuch Schreibers soll einer eidesstattlichen Erklärung Schäubles zufolge am Morgen nach einem gemeinsamen Abendessen stattgefunden haben. An diesem 22. September sei er gegen 9 Uhr im Büro gewesen, sagte Schäuble in seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss. Um 9 Uhr 30 habe er einen Interview-Termin gehabt, dazwischen sei Schreiber bei ihm gewesen.

... und bat um Spenden

... und bat um Spenden

Zu dem Abendessen hatten Schäuble und Baumeister kurz vor der Bundestagswahl 1994 ins Hotel Königshof in Bonn eingeladen. In dem Einladungsschreiben an eine illustre Runde von Managern, neben Schreiber etwa auch das Thyssen-Vorstandsmitglied Jürgen Massmann, bat Brigitte Baumeister ausdrücklich um Spenden für die CDU Deutschland.

An die Einladung und das Essen erinnert sich Frau Baumeister genauso wie Schäuble. Doch was die Spende von Schreiber angeht, erinnert sie den Ablauf der Ereignisse ganz anders. Laut ihrer eidesstattlichen Erklärung hat sie am 11. Oktober einen verschlossenen Umschlag von Schreiber bekommen, den sie an Schäuble weitergegeben haben will. An einem der folgenden Tage habe ihr Schäuble einen Umschlag mit der Bemerkung zurückgegeben, darin seien 100.000 Mark von Schreiber.

Dieses Schreiben will Schreiber gemeinsam mit der Spende an Brigitte Baumeister übergeben haben

Dieses Schreiben will Schreiber gemeinsam mit der Spende an Brigitte Baumeister übergeben haben

Schreiber, der in Kanada lebt und gegen den ein internationaler Haftbefehl ausgeschrieben ist, stützte von Anfang an die Version von Brigitte Baumeister. Er hat verschiedene Zeugen benannt, die seine und Baumeisters Darstellung bestätigen - darunter seine Sekretärin Sieglinde Kaupp. Jetzt veröffentlicht SPIEGEL ONLINE erstmals Kopien der Einladung von Frau Baumeister, des Anschreibens Schreibers zur Spende der "100 hässlichen Männer" und Schreibers mit Uhrzeiten versehener Telefonrechnung vom 21. und 22. September 1994 aus dem Hotel Königshof. Demnach hat Schreiber am Morgen des 22. Septemer zwischen 8 Uhr 57 und 9 Uhr 5 drei Telefonate aus seinem Zimmer geführt. Das letzte davon war nach Schreibers eigenen Angaben ein Gespräch mit einem Ulmer Rechtsanwalt.

Schreibers Telefonrechnung aus dem Hotel Königshof

Schreibers Telefonrechnung aus dem Hotel Königshof

Was in den 25 Minuten zwischen dem Ende des Telefonats und dem Beginn von Schäubles Journalistentermin um 9 Uhr 30 passierte, ist umstritten. Schäuble beharrt darauf, er habe Schreiber in dieser Zeit getroffen. Noch am Mittwoch sprach er im ZDF von einer "Lügenintrige" und "Kampagne", die gegen ihn laufe. Schreiber behauptet, er sei im Hotel gewesen und hätte es gar nicht so schnell durch die Sicherheitskontrollen zu Schäuble schaffen können.

Schreiber, der bislang erfolgreich gegen seine Auslieferung nach Deutschland kämpft, will aus dieser Geschichte unbedingt als derjenige hervorgehen, der die Wahrheit sagt. Das sei wichtig für seine Glaubwürdigkeit, hat er in den vergangenen Monaten mehrfach betont. Schließlich habe er noch jede Menge Material gegen andere Politiker, sagt er.



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