SPIEGEL-Umfrage zur Kanzlerkandidatur Mehrheit der Unionsanhänger für Urwahl

Die Junge Union debattiert, ob der nächste Kanzlerkandidat von den Parteimitgliedern bestimmt werden sollte. Unter den Anhängern von CDU und CSU spricht sich eine knappe Mehrheit für diese Idee aus.

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer: "Mit guten Gründen gesagt, dass sie diesem Weg nicht folgt"
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer: "Mit guten Gründen gesagt, dass sie diesem Weg nicht folgt"

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Eigentlich hat CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien. Das ist die ungeschriebene Regel. In den letzten Monaten allerdings wuchs in Partei und Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Vorsitzenden.

Nun debattiert die Junge Union an diesem Wochenende auf ihrem Jahrestreffen ("Deutschlandtag"), ob sie auf dem CDU-Bundesparteitag im November einen Antrag auf Urwahl der Kanzlerkandidaten stellen soll. Für die Union wäre das ein basisdemokratisches Novum.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL zeigt, dass eine knappe Mehrheit der Unionsanhänger eine solche Urwahl befürwortet (52 Prozent). Rund ein Drittel zeigte sich dabei sehr entschieden und antwortete auf die entsprechende Frage mit "Ja, auf jeden Fall".

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer ist in den vergangenen Monaten mehrfach für ihre Äußerungen und politische Pannen in die Kritik geraten. Mit ihrem überraschenden Wechsel ins Verteidigungsministerium im Sommer konnte die CDU-Politikerin bislang keine Sympathiepunkte in der Bevölkerung sammeln.

Einer weiteren SPIEGEL-Umfrage zufolge ist sie in der Gunst der Wähler zuletzt weiter abgerutscht. Die Eignung Kramp-Karrenbauers fürs Kanzleramt wird bereits seit Längerem debattiert.

Stimmenfang #116 - Chronik einer Pannenserie: Warum passieren Kramp-Karrenbauer so viele Fehler?

Nach derzeitiger Planung will die CDU beim Parteitag Ende 2020 den Kanzlerkandidaten oder die Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2021 benennen. Kramp-Karrenbauer hat ihrer Partei davon abgeraten, der Basis die K-Frage zu stellen. Die CDU habe "bisher immer mit guten Gründen gesagt, dass sie diesem Weg nicht folgt", sagte sie.

CSU-Chef Markus Söder hat sich im Interview mit dem SPIEGEL gegen die Urwahl des Kanzlerkandidaten ausgesprochen: "Es kann ja nicht sein, dass eine Unionsschwester per Urwahl einen Kanzlerkandidaten bestimmt und die andere das nur noch abnicken kann."

In der Sonntagsfrage liegen die Unionsparteien nach wie vor vorn und erreichen unverändert rund 28 Prozent. Auf Rang zwei landen weiterhin die Grünen mit etwa 22 Prozent. Die Sozialdemokraten sind mit 14 Prozent abgeschlagen.



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
friedrich_eckard 12.10.2019
1.
Könnte es sein, dass sich in die Überschrift eine Freudsche Fehlleistung eingeschlichen hat? Es müsste bei einer Urwahl doch nicht zwingend eine KanzlerkandidatIN bestimmt werden...
escherischiacoli 12.10.2019
2. Bitte
beurteilt die Kandidaten nach ihrer Leistung. Ich würde AKK danach beurteiken, was sie für die Bundeswehr tatsächlich tut. Aber bei Neulingen ist das natürlich schwieriger. Jedenfalls möchte ich niemals und unter keinen Umständen so einen oder eine 80er Jahre Altlast, die die schwarze Null mit Politik verwechselt.
vormensch1 12.10.2019
3. Uberfordert,
inkompetent, uninspiriert, intrigant und langweilig. Das ist AKK. Zwar ist Merkel nicht viel besser, aber sie hatte sich erst eine Hausmacht zugelegt,. bevor sie brutal ihren Weg ging. Dass sie Ziemiak auf ihre Seite zog, indem sie ihm ein Pöstchen anbot, ihm, dessen zu tragenden Schuhe viel zu große sind, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Person AKK. Wenn die Union sich auf sie festlgegt, wird sie in Richtung 20% gehen und die letzten Unionsanhänger noch vergraulen.
yvowald@freenet.de 12.10.2019
4. Was wollen die Unionsparteien?
Zitat von escherischiacolibeurteilt die Kandidaten nach ihrer Leistung. Ich würde AKK danach beurteiken, was sie für die Bundeswehr tatsächlich tut. Aber bei Neulingen ist das natürlich schwieriger. Jedenfalls möchte ich niemals und unter keinen Umständen so einen oder eine 80er Jahre Altlast, die die schwarze Null mit Politik verwechselt.
Frage ist: Was wollen Wählerinnen und Wähler, die bisher die Unionsparteien CDU und CSU favorisierten, von einer Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten? Verwirklichung eines neoliberalen Parteiprogramms a la Friedrich Merz oder die soziale Ausrichtung der Union, wie sie die Vorsitzende Annegret verkörpert? Merz könnte allenfalls die Reichen und Superreichen innerhalb der Union vertreten, die es ja auch gibt, aber die große Mehrheit der Mitglieder und Wählerinnen/-wähler sind Kleine Leute, die sich ein deutliches Mehr an sozialer Gerechtigkeit, einer gleicheren Einkommens- und Vermögensverteilung wünschen. Also dürfte Friedrich (Fritz) Merz bei Unionsmitgliedern und auch CDU/CSU-Wählerinnen und -wählern kaum Chancen haben. Das sollten auch die JU-Mitglieder bedenken, die sich jetzt demonstrativ hinter F. Merz scharen...
drent 12.10.2019
5. Wie stellt man denn fest,
wer ein "Anhänger" ist? Und welche davon werden denn befragt? Wieder mal so eine "Umfrage", die im Büro entsteht.
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