SPIEGEL-Umfrage Grüner wird's nicht

Im Sommer träumten viele Grüne schon von einem Kanzler Habeck. Die Partei lag bei Umfragewerten von mehr als 25 Prozent. Doch nun sinkt die Zustimmung. Welche Rolle spielt dabei die Klimadebatte?

Robert Habeck und Annalena Baerbock bei einer Vorstandssitzung der Grünen (Archiv): Einthemenpartei
Sebastian Kahnert/ DPA

Robert Habeck und Annalena Baerbock bei einer Vorstandssitzung der Grünen (Archiv): Einthemenpartei

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Der Juli noch war ein Rekordmonat für die Grünen: Die Ökopartei erreichte Zustimmungswerte, die für sie lange unerreichbar schienen: In der SPIEGEL-Umfrage kurz nach der Europawahl lag sie bei 25 Prozent, dem höchsten bisher gemessenen Wert im Wahltrend. Andere Umfragen sahen sie sogar noch ein bis zwei Prozentpunkte stärker. Die Grünen waren auf Augenhöhe mit den Unionsparteien - das Kanzleramt schien in greifbarer Nähe.

Doch das ist nun einige Monate her. Die Grünen haben sich vor ihrem Parteitag am Wochenende in Bielefeld mittlerweile bei 20 Prozent eingependelt. Ein nach wie vor sehr guter Wert, allerdings zeigt sich: Der Hype um die Partei ist abgeflaut. Das geht aus der neuesten SPIEGEL-Umfrage hervor, erhoben vom Meinungsforschungsinstitut Civey.

Würde heute ein neuer Bundestag gewählt, lägen die Grünen mit rund 20 Prozent auf Platz zwei hinter CDU und CSU mit 27 Prozent. Vor vier Wochen waren es bei den Grünen noch zweieinhalb Prozentpunkte mehr. Die SPD bleibt im Vergleich zu den Vorwochen bei etwa 14 Prozent, beinahe unverändert liegt auch die AfD bei 13 Prozent. Im Trend können Linke mit mehr als neun Prozent und die FDP mit knapp neun Prozent etwas zulegen.

Der leichte Abschwung der Grünen hängt mutmaßlich mit dem Verlauf der Klimadebatte zusammen. Monatelang bestimmten das Thema Umwelt und die "Fridays for Future"-Bewegung die Schlagzeilen. Doch der Höhepunkt der Debatte scheint auch hier vorerst überschritten - zuletzt rückte unter anderem das Thema Rente in Deutschland wieder vermehrt in den Vordergrund.

An diesem Punkt zeigen sich Stärke und Schwäche der Grünen zugleich: Viele Menschen verbinden mit der Partei vor allem das Thema Umweltpolitik. Dort wird der Partei die größte Kompetenz eingeräumt.

Bei anderen Themen wie Wirtschaft, Sozialem und Innerer Sicherheit wird der Partei allerdings weniger zugetraut (mehr dazu lesen Sie hier). Die Grünen bleiben damit eine Einthemenpartei.

Stimmenfang #121 - Hoch fliegen, tief fallen: Wie geht's weiter bei den Grünen?

Das ist selbst bei den Grünenanhängern ablesbar: So sagen 67 Prozent der Befragten, sie würden die Partei vor allem wegen ihrer Position zur Umweltpolitik wählen. Mit weitem Abstand folgt als weiterer Grund das Spitzenpersonal (elf Prozent). Alle anderen Themen spielen für die Grünenwähler hingegen kaum eine Rolle.



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insgesamt 158 Beiträge
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bakero 14.11.2019
1.
Komischer "Journalismus", lieber Spiegel. Der "Kanzler" Habeck wurde vor allem von den Medien geträumt. Von den Grünen selbst wurde dies immer zurückgewiesen. Selbst ein Kanzlerkandidat Habeck wurde nie offen so benannt. Trotzdem hoffe ich, dass er es wird. 20 Prozent + x wären den tatsächlich drin. Je nach Gegenkandidat(in) bei CDU/CSU sogar deutlich über 20 Prozent. Ganz sicher würde das dann eine Regierungspolitik und so mehr grüne Politik bedeuten. Um was anderes geht es mir nicht wirklich ...
68thspirit 14.11.2019
2. Unsauberer Rückschluss
Wenn in der Umfrage die Rede von "Aus welchem Grund" ist, ist es relativ schlüssig bei den Grünen-Wählern, dass die überwältigende Mehrheit hier als erstes Umwelt- und Klimaschutz angibt. Daraus aber den Rückschluss zu ziehen, sie seien nur eine Ein-Themen-Partei und ihre Wähler interessierten sich nur dafür, ist schlicht unsauber.
angelobonn 14.11.2019
3. Politik der Angst
Bei näherer Betrachtung sind die Grünen alles andere als in der Umweltpolitik kompetent. Sie betreiben eine irrationale und ideologische Politik mit der Angst. Ich kann nur hoffen, dass dies die Mehrzahl ihrer aktuellen Anhänger bis zur nächsten Bundestagswahl merkt und sie wie jetzt auch wieder als kleinste Fraktion im Bundestag landen. Würden die Grünen an die nächste Bundesregierung gelangen, wäre dies das Ende eines wirtschaftlich prosperierenden Deutschlands.
uwe.klick 14.11.2019
4. Die Grünen
und die rot/grünen Medien müssen endlich kapieren, dass 18 % nicht die Mehrheit sind. Eine kleine verblendete Weltverbesserergruppe, will 82 % der Bürger vorschreiben, wie sie zu leben haben. Wie lächerlich dieser rot/grüne Klimapusch ist, wird man nach dem Regierungswechsel und Wiederinbetriebnahme der Atomkraft sehen.
aequitas12 14.11.2019
5. Ich finde mich hier wieder
Wähle die Grünen vor allem Aufgrund ihrer Haltung zur Klimapolitik. Ich finde zwar, dass auch die Grünen hier noch erheblichen Verbesserungsbedarf haben, aber im Vergleich zu den anderen Parteien sind die Grünen mit Abstand die vertrauenswürdigsten wenn es um Maßnahmen zum Jahrhundertproblem der Klimakrise geht. Die CDU ist eine absolute Katastrophe in diesem Bereich. Die Maßnahmen der Bundesregierung sind nicht annähernd ausreichend, um auch nur die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Geschweige denn die Ziele von Paris. Ich wünsche mir endlich mutige Politiker die nicht nur versuchen es allen irgendwie recht zu machen. Je früher wir handeln, desto kleiner werden die Probleme und die Klimafolgekosten ausfallen. Prävention heißt das Zauberwort.
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