Rückhalt für SPD-Chef "Gabriel bombt die Partei hoch"

Sigmar Gabriel bekommt Rückendeckung aus der SPD: Führende Genossen nehmen den Parteichef gegen den Vorwurf der Illoyalität von Kanzlerkandidat Steinbrück in Schutz. Die Partei ist wegen der Verwerfungen verschreckt.

SPD-Politiker Gabriel, Steinbrück: "Es hat gerummst"
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SPD-Politiker Gabriel, Steinbrück: "Es hat gerummst"

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Berlin - Andrea Nahles ist bekannt dafür, dass sie die Dinge auch mal beim Namen nennt. "Es hat gerummst", sagt die SPD-Generalsekretärin mit Blick auf die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel.

Der Rumms war so laut, dass er in der Partei immer noch nachhallt. Ein Kanzlerkandidat, der drei Monate vor der Bundestagswahl via SPIEGEL seinen Parteichef zur Ordnung ruft und ihn indirekt als illoyal darstellt - selbst für die zankerprobte Sozialdemokratie stellt das einen bemerkenswerten Vorgang dar. Und kaum einer in der SPD kann sich daran erinnern, Sigmar Gabriel schon einmal dermaßen gerupft erlebt zu haben wie auf dem Parteikonvent am Sonntag.

Hintergrund für Steinbrücks Wortmeldung war eine Fraktionssitzung in der vergangenen Woche, in der Gabriel sich nach Empfinden des Kanzlerkandidaten in einer Debatte über die Bankenunion gegen ihn gestellt hatte. Gabriel bestreitet diesen Vorwurf. Allerdings gibt es noch weitere Gelegenheiten, in denen sich Steinbrück von seinem Parteichef unzureichend unterstützt fühlte.

Von einem "reinigenden Gewitter" zu sprechen, wie es Generalsekretärin Nahles in ihrer Bewertung tut, ist deshalb wohl arg untertrieben. Als ob man die Vorgänge der vergangenen Tage so einfach wegwischen könnte. Die berufsbedingte Optimistin Nahles spricht auch davon, dass es weiterhin eine gute Zusammenarbeit in der Parteispitze gebe. Es fällt schwer, das zu glauben.

Stegner: "Er macht seinen Job als Parteivorsitzender sehr gut"

Führende Sozialdemokraten sehen sich jetzt sogar berufen, ihren Parteichef gegen den Vorwurf der Illoyalität in Schutz zu nehmen. "Gabriel macht seinen Job als Parteivorsitzender sehr gut. Wenn wir ihn nicht hätten, stünden wir schlechter dar", sagt Schleswig-Holsteins Landeschef Ralf Stegner, Wortführer der SPD-Linken. "Ihm kann man alles vorwerfen, aber sicher nicht Illoyalität", sagt er. Gabriel habe innerparteilich in den vergangenen Jahren vieles eingeleitet, was notwendig gewesen sei. Stegners Appell: "Alle in der Führung sollten jetzt die Siegeszuversicht ausstrahlen, die Gabriel ausstrahlt."

Auch vom konservativen Seeheimer Kreis erhält der Parteichef Rückendeckung. "Das war nicht illoyal gemeint", sagt Seeheimer-Sprecher Johannes Kahrs mit Blick auf Gabriels Verhalten in der Fraktionssitzung. "Er macht gute Arbeit. Gabriel bombt die Partei hoch", sagt Kahrs. Nachdem die SPD 2009 "wie ein Schluck Wasser in der Kurve" hing, habe der Parteivorsitzende die SPD aufgerichtet. Dass dabei durchaus auch mal klare Worte fallen, sei notwendig. "Wenn ihm die Arbeitsgemeinschaften zu trantütig sind, dann sagt er das. Und das ist gut so", sagt Kahrs.

Klar ist: Das Wochenende steckt den Genossen noch in den Knochen. Kein Wunder, denn es hätte auch zur Explosion kommen können. Am Sonntag, kurz vor dem Parteikonvent, stand sogar eine Vertrauensfrage Gabriels im Raum. Der Parteichef stellte sie nicht. Die Lesart vieler Sozialdemokraten ist, dass Gabriel vor allem deshalb verzichtete, weil er Steinbrück nicht in die Bredouille bringen wollte. Der Parteivorsitzende hätte die Vertrauensfrage wohl gewonnen - Steinbrück wäre düpiert gewesen.

Hat die Führung schon aufgegeben?

Knapp hundert Tage vor der Bundestagswahl ist das Führungspersonal mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit dem politischen Gegner. Das ist fatal für eine Partei, die vor allem auf die Mobilisierung ihrer Wähler setzt. Mit welcher Motivation soll sich die Basis in einen Wahlkampf stürzen, wenn die Spitzenleute den Eindruck machen, als hätten sie schon aufgegeben? Und das, obwohl Demoskopen wie Richard Hilmer von Infratest Dimap weiterhin ein ziemlich offenes Rennen um die Kanzlerschaft ausmachen.

Immerhin eine Sache gibt es, die den Sozialdemokraten seit dem Wochenende ein bisschen Hoffnung macht: die Frau des Kanzlerkandidaten. Mit ihrem Auftritt auf dem Parteikonvent schaffte es Gertrud Steinbrück, die trübseligen Genossen aufzuheitern - und gleichzeitig den Blick auf eine bisher wenig beachtete Seite ihres Mannes zu richten. Mancher Beobachter konnte sich kaum mehr einkriegen. "Ihre Frau ist ein Hammer", schrieb "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner an den Kanzlerkandidaten. "Setzen Sie alles auf Ihre Frau."

So weit wird es nicht kommen, trotz der allgemeinen Begeisterung um Gertrud Steinbrück. Denn die Frau des Kanzlerkandidaten sieht sich auch weiterhin nicht als Teil der politischen Kampagne, sie möchte im Hintergrund bleiben. Dennoch dürfte es bis zum 22. September noch den einen oder anderen gemeinsamen Auftritt der beiden geben, vielleicht auch im Fernsehen, heißt es.

Alleine wegen ihres Humors wäre das angesichts des Zustands der SPD ein Gewinn. Denn wie sagte Generalsekretärin Nahles am Montag: "Man braucht auch ein bisschen gute Laune für so einen Wahlkampf."

insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
guentherprien, 17.06.2013
1. Gabriel macht die SPD noch lächerlicher, als sie ohne ihn wäre.
Die Hahnenkämpfe an der Parteispitze bringen sicherlich viele zusätzliche Stimmen und die SPD wird die absolute Mehrheit aller Stimmen bekommen. Frau Nahles und andere Sympathieträger werden es schon wuppen...! In der Zwischenzeit freuen wir uns auf den 22. September und die Tage davor ! Selten so viel Spass gehabt Glück auf !
leser75 17.06.2013
2. Schon gescheitert
SPD spekuliert jetzt wohl auf Mitleid bei den Wählern; aber das klappt wohl nicht. Besser wäre wohl, auf 2017 zu setzen, aber dann bloß nicht nochmal mit Gabriel und Nahles.
gesell7890 17.06.2013
3. was für
ein kindergarten. und solche kindsköpfe stellen sich ernsthaft zu einer wahl?
buerger2013 17.06.2013
4. Durch
Zitat von sysopDPASigmar Gabriel bekommt Rückendeckung aus der SPD: Führende Genossen nehmen den Parteichef gegen den Vorwurf der Illoyalität von Kanzlerkandidat Steinbrück in Schutz. Die Partei ist wegen der Verwerfungen verschreckt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spitzengenossen-solidarisieren-sich-mit-parteichef-gabriel-a-906187.html
die vielen Wohltaten und augenscheinlichen Wohltaten steigen schon beide nicht mehr durch, welche der Taten andere Taten ausschliessen. Der Eine ist ein Arbeiterverräter und der Andere ist ein schlechter Schauspieler. Beide werden dann unter Muttis Groko endlich ein bisschen Regierung spielen dürfen. Schaurige Aussichten.
hador2 17.06.2013
5. optional
Ob Steinbrück jetzt Gabriel beschädigt oder umgekehrt ist Jacke wie Hose. Jeder für sich macht die SPD für weite Teile der Bevölkerung unwählbar.
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