SPON-Umfrage Mehrheit der Deutschen hält Scholz als Kanzlerkandidaten für ungeeignet

Olaf Scholz ist sich sicher: Er kann Kanzler. Das betonte der SPD-Politiker in einem Interview. Doch wäre er wirklich der passende Kandidat? Eine SPON-Umfrage zeigt: Viele Bürger zweifeln daran.
Vize-Kanzler Olaf Scholz

Vize-Kanzler Olaf Scholz

Foto: imago

Führende Genossen waren verärgert, die Jusos protestierten umgehend: Am Wochenende überraschte SPD-Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz seine Partei mit der Aussage, sich das Kanzleramt zuzutrauen. Viele Parteikollegen kritisierten den Vorstoß als unnötig. Schließlich sind es noch mehr als zwei Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl - und die Parteiführung betont immer wieder, sich mehr mit Inhalten und nicht mit Personaldiskussionen beschäftigen zu wollen.

In der Bevölkerung ist die Meinung ziemlich eindeutig, wenn es um eine mögliche Kanzlerkandidatur von Scholz geht: Nur ein Viertel hält den 60-Jährigen für "eher" oder "auf jeden Fall" geeignet. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE hervor.

Knapp 22 Prozent der Befragten antworten dagegen mit "eher nein", 42 Prozent halten den früheren Hamburger Ersten Bürgermeister "auf keinen Fall" für passend.

Bei der Auswertung der Stimmung unter SPD-Wählern zeigt sich ein gespaltenes Bild: Etwa die Hälfte der Befragten hält Scholz für geeignet, einmal das Amt des Regierungschefs zu übernehmen. Zum Vergleich: Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte in einer Civey-Umfrage kurz vor der Bundestagswahl Zustimmungswerte von knapp 77 Prozent unter SPD-Anhängern.

Dass nur etwa ein Viertel der bundesweit befragten Personen Scholz für den passenden Kandidaten hält, hängt möglicherweise schlicht mit den mauen Umfrageergebnissen der SPD in der Sonntagsfrage zusammen: Seit Monaten liegt die SPD bei etwa 15 Prozent. Das zeigt auch die jüngste Auswertung der Sonntagsfrage. Die Genossen kämpfen mit der AfD damit um den dritten Platz in der Umfragerangliste.

Beinahe unverändert ist die Situation bei der Union im Vergleich zur vergangenen Auswertung im Dezember. Sie gewinnt im Trend leicht hinzu und kommt derzeit auf etwas mehr als 28 Prozent - die Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers als neue Parteivorsitzende hat dabei kaum für eine spürbare Veränderung gesorgt.

Zweistärkste Kraft sind weiterhin die Grünen, die etwas verlieren, gefolgt von FDP und Linken.

Anmerkungen zur Methodik: Die SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 7. bis 8. Januar 2019 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 5008 Befragte, der statistische Fehler liegt bei der Sonntagsfrage bei 2,5 Prozent. Bei der Sonntagsfrage im Zeitraum vom 1. Januar bis 8. Januar umfasste die Stichprobengröße 11.881 Befragte, der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mho