SPON-Wahltrend FDP fällt zurück, AfD legt zu

Die FDP hat sich offenbar noch nicht vom Scheitern der Jamaika-Gespräche erholt. Im SPON-Wahltrend fallen die Liberalen deutlich zurück. Die AfD legt dagegen weiter zu, die SPD bleibt unter 20 Prozent.
FDP-Chef Christian Lindner

FDP-Chef Christian Lindner

Foto: Markus Schreiber/ AP

"Ich scheue Neuwahlen nicht, im Gegenteil", sagte FDP-Chef Christian Lindner am Montag, bei der Jahrestagung des Beamtenbunds dbb in Köln.

Doch im neuen SPON-Wahltrend liegen die Liberalen nur noch knapp über neun Prozent. Noch im November, als über eine Jamaikakoalition aus Union, FDP und Grünen verhandelt wurde, kam die FDP im SPON-Wahltrend auf 14,7 Prozent. Doch dann brach Lindner die Gespräche ab.

CDU und CSU rangieren in der aktuellen Befragung dagegen mit rund 31 Prozent nach wie vor mit großem Vorsprung auf Platz eins. Die SPD fällt knapp unter die Zwanzig-Prozent-Marke. Auf Platz drei folgt die AfD mit rund 14,5 Prozent. Die Rechtspopulisten konnten damit erneut zulegen - Anfang Dezember lagen sie zwischenzeitlich bei 11,2 Prozent, vergangene Woche bereits bei 13,6 Prozent. Die Grünen kommen auf rund elf Prozent, gefolgt von den Linken (knapp unter zehn Prozent).

Doch kommt es überhaupt zu Neuwahlen? Bis Donnerstag haben sich die Unterhändler von CDU, CSU und SPD Zeit gegeben, sich bei den Sondierungsgesprächen zu einigen. Noch sind sie optimistisch. Heute wollen sie die erste Runde der Beratungen in allen Facharbeitsgruppen abschließen. Parallel dazu will sich die Sechserrunde der Partei- und Fraktionschefs um Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Martin Schulz und den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer weiter mit den Ergebnissen der einzelnen Gruppen beschäftigen.

Sollten die Gespräche scheitern, ist eine Mehrheit für Neuwahlen. 37,7 Prozent favorisieren dann einen erneuten Gang an die Wahlurnen.

Eine andere Variante wäre das Tolerieren einer Minderheitsregierung. Dabei ist zurzeit ein Kabinett aus Union und Grünen bei den Befragten beliebter als eine Koalition von CDU und CSU mit der FDP: 28,2 Prozent plädierten für eine schwarz-grüne Minderheitsregierung. Die schwarz-gelbe Variante bevorzugen nur 21,8 Prozent unterstützen. Lediglich 4,5 Prozent der Befragten möchte eine Wiederaufnahme der Gespräche über eine Jamaika-Koalition.

Mit mehr als 60 Prozent sind die Fans der AfD wesentlich vehementer als Anhänger anderer Parteien für Neuwahlen.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 11. Dezember 2017 bis 8. Januar 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

als/dpa