SPON-Wahltrend Kleine Parteien legen zu - bis auf eine Ausnahme

Wenige Tage vor der Bundestagswahl kommt in die Umfragen noch mal Bewegung. Im SPON-Wahltrend können einige kleine Parteien Zuwächse verbuchen, die Union verliert dagegen.

Cem Özdemir
DPA

Cem Özdemir


Die letzte Wahlarena im Fernsehen ist absolviert, der Großteil der Wahlkampftermine abgehakt. Für die Parteien gibt es so kurz vor der Wahl nur noch wenig Möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen.

Obwohl vor allem Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz häufig im Fokus stehen, haben die vergangenen Tage vor allem den Parteien Auftrieb gegeben, die um den dritten Platz bei der Bundestagswahl konkurrieren. Mit einer Ausnahme: den Grünen. Das zeigt der aktuelle SPON-Wahltrend.

Besonders die AfD kann zulegen und ist nun mit mehr als elf Prozent in der SPONtagsfrage drittstärkste Kraft. Die Rechtspopulisten verbessern sich um 2,6 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche. Leichten Zuwachs verzeichnen auch FDP und Linke, die mit 9,6 Prozent nun gleichauf liegen. Nur die Grünen bleiben weiterhin im Umfragekeller. Sie verlieren im Vergleich zur Vorwoche 0,6 Prozentpunkte.

Neben den Grünen ist die Union der zweite Verlierer der Woche: CDU und CSU kommen plötzlich nur noch auf 35,9 Prozent. In der Vorwoche lagen sie 2,3 Prozentpunkte höher. Die SPD kann von dieser Umfragedelle der Konkurrenz nicht profitieren, stagniert auf niedrigem Niveau bei etwa 22 Prozent.

Mehr denn je stellt sich also die Frage, wie bei diesem Umfrageergebnis ein Regierungsbündnis aussehen könnte. Rechnerisch wäre etwa eine Fortsetzung der Großen Koalition oder ein Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen möglich.

Union verliert an Beliebtheit im Osten

Beim genaueren Blick auf die Daten zeigt sich: Die Union hat vor allem im Osten der Republik an Beliebtheit verloren, sie büßte dort in den vergangenen Wochen fast drei Prozentpunkte ein.

Die Union hat viele Kritiker im Osten - diese Erfahrung musste die Kanzlerin zuletzt häufiger machen. Bei mehreren Wahlkampfauftritten wurde sie bepöbelt und mit Tomaten beworfen - auch in ihrem eigenen Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern.

Die AfD konnte in den östlichen Bundesländern im selben Zeitraum dagegen in den Umfragen zulegen, um mehr als 2,5 Prozentpunkte.

Insgesamt zeigt sich beim Blick auf die Unterschiede zwischen Ost und West das alte Muster: Protestparteien wie AfD und Linke erfahren dort wesentlich mehr Zuspruch als im Westen. Vor allem Grüne und SPD tun sich dort schwerer.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 12. September bis 19. September 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mho

insgesamt 184 Beiträge
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Seite 1
hugahuga 19.09.2017
1.
Also - von Umfragen halte ich wenig bis nichts. Ich stelle hier mal die Behauptung auf, dass diese Umfrage, die SPON uns immer so gerne nahebringt, zwangsläufig vom z.B. Deutschlandtrend der ARD abweicht. Warum? Weil sich ganz andere Wähler zu Wort melden. Deshalb - alles ansehen, wenig glauben und am Wahlabend haben - wie wir es gewohnt sind - sowieso alle Vertreter der einzelnen Parteien - immer irgendwie "gewonnen". Wir werden sehen
der_bulldozer 19.09.2017
2. Nun hat es Civey auch kapiert
Wurde Zeit, dass sich Civey endlich von seinen runtergerechneten einstelligen Umfrageergebnissen für die AFD verabschiedet. Komisch, innerhalb von zwei Tagen gibt es einen Sprung von etwa zwei Prozent. Honi soit qui mal y pense.
tombadil1 19.09.2017
3.
Ich finde solche Diskussionen und Artikel sind nicht sehr sinnvoll, wenn sich die Veränderungen der Prozentwerte sich innerhalb der Ungenauigkeit der Umfragen abspielen..
imo27 19.09.2017
4.
Ich wundere mich schon, dass kurz vor der Wahl bei den Umfragen erstaunliche Bewegung zu sehen ist. Ich wüsste nicht, aus welchen politischen Gründen
derinvestigator 19.09.2017
5. Besonders die Parteien der GroKo leiden an ihrer Unglaubwürdigkeit!
Diese permanenten Umfragen sind ein Übel, sollen eine gewisse Spannung erzeugen, um den lahmars....gen Wahlkampf aufzupeppen. Sie sollten eigentlich verboten werden, denn sie versuchen auf subtile Art, die Wähler zu beeinflussen. Die gegenwärtige stimmt allerdings hoffnungsfroh, nämlich dass die beiden echten Protestparteien, die Linken und die AfD an der Spitze bleiben und um den 3. Platz konkurrieren. Nur diese beiden Parteien machen die Koalitionsausschließeritis nicht mit, verlangen schon vor der Wahl kein Ministerium (wie die FDP), instrumentalisieren ihre Wähler nicht als Steigbügelhalter und vertreten genau das, was sie ihren Wählern versprochen haben.
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