SPON-Wahltrend CDU baut Vorsprung in Sachsen aus, SPD holt in Brandenburg AfD ein

Zeitweise sah es so aus, als könnte die AfD in Brandenburg und Sachsen ganz vorne landen. Doch kurz vor den Landtagswahlen legen die Regierungsparteien der Ministerpräsidenten wieder zu.

Wollen weiterhin regieren: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, links) und Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD)
Robert Michael/ DPA

Wollen weiterhin regieren: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, links) und Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD)

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Wenige Tage vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen ist für die Parteien der beiden Ministerpräsidenten ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen. In Brandenburg liegt die SPD um Amtsinhaber Dietmar Woidke mit 20 Prozent erstmals seit Mitte Juni wieder mit der AfD gleichauf und könnte damit am Sonntag doch noch stärkste Kraft werden. In Sachsen stabilisiert die CDU von Ministerpräsident Michael Kretschmer ihr Umfrageergebnis von 29 Prozent und liegt damit vier Prozentpunkte vor der AfD.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE, die für Brandenburg in Kooperation mit dem "Tagesspiegel" erfolgt.

In beiden Bundesländern wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Zeitweise sah es in Brandenburg und Sachsen nach einem Wahlsieg der AfD aus - das hat sich geändert. Dies liegt in beiden Ländern aber nicht so sehr an einer Schwäche der AfD, sondern eher am Schlussspurt der Parteien, die derzeit den Regierungschef stellen.

In Brandenburg hofft SPD-Ministerpräsident Woidke, auch weiterhin eine Regierung unter seiner Führung bilden zu können. Im Vergleich zur vergangenen Auswertung vor zwei Wochen kann seine Partei mit etwa zwei Prozentpunkten am stärksten zulegen. Dieser positive Trend ist bereits seit mehreren Wochen ablesbar. Die AfD liegt im Vergleich zur vorherigen Auswertung weiter unverändert bei 20 Prozent.

Verlierer in Brandenburg sind die Grünen, die mehr als zwei Prozentpunkte einbüßen und auf knapp 15 Prozent kommen. Bei den anderen Parteien gab es kaum Bewegung: Die Linken liegen stabil bei gut 16 Prozent, die FDP muss mit 4,9 Prozent weiterhin um den Einzug ins Parlament bangen.

Wie bei dieser Stimmenverteilung die nächste Regierung aussehen könnte, ist offen. Als wahrscheinlichste Variante gilt ein Bündnis der bisherigen Regierungsparteien SPD und Linke mit den Grünen als drittem Partner.

In Sachsen ist im Vergleich zur Vorwoche kaum eine Veränderung bei den Werten festzustellen. Die CDU legt im Trend etwas zu, sie kommt auf 29 Prozent. Die Partei von Ministerpräsident Kretschmer verzeichnet seit Monatsbeginn in den Umfragewerten einen leichten Anstieg. Sie überholte damit auch wieder die AfD, die kurzzeitig sogar knapp vor ihr lag, aber nun bei 25 Prozent liegt.

Die SPD als bisheriger Koalitionspartner steht weiterhin bei knapp 9 Prozent. Für eine Mehrheit und Fortsetzung der sächsischen GroKo ist das zu wenig. Wie eine künftige sächsische Landesregierung nach der Wahl aussieht, ist offen. Eine mögliche Option wäre nach dem Vorbild von Sachsen-Anhalt das sogenannte Kenia-Bündnis aus CDU, Grünen und SPD. Das Verhältnis zwischen CDU und Grünen gilt in Sachsen aber als belastet.

Bei den anderen Parteien gibt es wie bei der AfD kaum Bewegung: Die Grünen kommen auf knapp 11 Prozent, die Zustimmung für die Linke liegt bei 15 Prozent. Die FDP könnte mit knapp 6 Prozent ins Parlament einziehen.

Der statistische Fehler für Sachsen lag bei 2,5 Prozent (Befragungszeitraum 4. August bis 28. August) und in Brandenburg bei 3,2 Prozent (Befragungszeitraum 31. Juli bis 28. August).

SPIEGEL TV: Vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg

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meinung3000 28.08.2019
1. Wahltrend
Die Überschrift klingt so, als hätten die Wahlen schon stattgefunden. - Ich wüsste gerne mal, in wieweit Wahltrends die Wähler beeinflussen.
mwroer 28.08.2019
2.
Civey als Grundlage für einen Artikel zu benutzen ist, sorry liebe Redaktion, reiner Populismus. Was ist mit der 'alten' Methode eigentlich passiert? Ihr habt doch früher mal die Werte von den 2 letzten Umfragen dreier Meinungsforschungsinstitute benutzt und den Mittelwert genommen wenn ich nicht irre? Das war als Eure Zahlen noch halbwegs richtig waren. Andererseits war das auch die Zeit ohne 'Wer hátte das ahnen können' Artikel auf SPON .... Wunschdenken hat schon bei Trump und Co nicht funktioniert. Seid mir also bitte nicht all zu böse wenn ich auf die Zahlen nach den Wahlen warte statt der Civey Glaskugel.
Koana 28.08.2019
3. Wir wählen unsere eigenen Schlächter...
.... und leider können wir nur Schlächter wählen, da keine andere Alternative zur Wahl steht. Dann lieber einen der mich mit der Spritze einschläfert, bevor er mich zerteilt, als jene, die mich wohl bei lebendigem Leibe zerteilen würden. Insofern haben wir mit unserem System ja noch großes Glück, es hält uns bei gutem Futter, destruktiv und ausbeuterisch ist es nichts desto trotz.
spadoni 28.08.2019
4. Gut so
Wie es aussieht, haben sich jetzt kurz vor den Wahlen in Sachsen und Brandenburg doch einige AfD Mitläufer von der AfD distanziert. Denn wenn es darauf ankommt, überlegt man sich doch zweimal bevor man einer rechtsextremen Partei wie der AfD seine Stimmen gibt. Sowieso wird ein "gutes" Wahlergebnis im Osten der AfD nichts nützen, da zu recht keine andere Partei mit denen einen Koalition eingehen will.
Furchensumpf 28.08.2019
5.
Zitat von mwroerCivey als Grundlage für einen Artikel zu benutzen ist, sorry liebe Redaktion, reiner Populismus. Was ist mit der 'alten' Methode eigentlich passiert? Ihr habt doch früher mal die Werte von den 2 letzten Umfragen dreier Meinungsforschungsinstitute benutzt und den Mittelwert genommen wenn ich nicht irre? Das war als Eure Zahlen noch halbwegs richtig waren. Andererseits war das auch die Zeit ohne 'Wer hátte das ahnen können' Artikel auf SPON .... Wunschdenken hat schon bei Trump und Co nicht funktioniert. Seid mir also bitte nicht all zu böse wenn ich auf die Zahlen nach den Wahlen warte statt der Civey Glaskugel.
INSA vom 27.08.: CDU 29%, AfD 25% Forschungsgruppe Wahlen vom 23.08.: CDU 31%, AfD 25% Infratest dimap vom 22.08: CDU 30%, AfD: 24% Was wollen Sie also mit Ihrem Kommentar sagen? Dass Sie oder andere nicht in der Lage sind, sich über die Umfragen selbst zu informieren? Nur mal so: Einfach einen Mittelwert zu nehmen verfälscht das Ergebnis ebenso.
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