SPON-Wahltrend Welche Koalition sich die Deutschen wünschen

Nach vier Jahren Großer Koalition favorisieren die meisten Bundesbürger ein neues Regierungsbündnis. Lesen Sie hier die Ergebnisse des SPON-Wahltrends und stimmen Sie erneut ab.
Wahlplakate von FDP und CDU

Wahlplakate von FDP und CDU

Foto: imago/ Revierfoto

Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) läuft der Wahlkampf bisher nach Plan: In den Umfragen liegt die Union seit Monaten deutlich vor den Sozialdemokraten. Zwar verschärft SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz den Ton zunehmend und greift Merkel häufiger direkt an - doch die Kanzlerin muss sich kaum aus der Deckung wagen.

Noch hofft Schulz, Merkel beim TV-Duell am Sonntag stellen zu können - und so die Wende kurz vor der Wahl zu schaffen. Laut dem aktuellen SPON-Wahltrend haben die Wähler allerdings schon eine klare Präferenz, wer das künftige Regierungsbündnis stellen soll. Und da muss die SPD zurückstecken.

Wir wollten wissen: Welche Regierungskoalition wäre nach der Bundestagswahl am besten?

Das Ergebnis ist eindeutig: 28,2 Prozent der Befragten sprechen sich für ein schwarz-gelbes Bündnis aus. Nicht nur Merkel kann mit ihrem unaufgeregten Wahlkampfstil punkten - auch die Fokussierung der FDP auf ihre One-Man-Show Christian Lindner kommt beim Wähler offenbar an.

Für eine Fortführung der Großen Koalition können sich dagegen nur 9,2 Prozent begeistern. Höher im Kurs liegt immerhin noch eine rot-rot-grüne Koalition, die auf 16,8 Prozent käme.

Aufschlüsse gibt auch der Blick auf die Präferenz der Parteianhänger, wenn es um das Wunschbündnis geht:

  • Bei den Union-Anhängern sprechen sich laut SPON-Wahltrend 56,3 Prozent für eine Koalition mit den Liberalen aus. Bei den FDP-Anhängern sind es sogar 77,2 Prozent. Immerhin können sich 15,8 Prozent der CDU-Anhänger auch eine Fortsetzung der Großen Koalition vorstellen.
  • SPD-Sympathisanten würden dagegen am liebsten die Große Koalition fortsetzen - aber nur unter Führung der Sozialdemokraten. 32,6 Prozent stimmten für diese Variante. Für etwas mehr als ein Viertel könnte auch die Verbindung mit Linken und Grünen eine Option darstellen. Doch die Angst vor dieser Liaison ist bei vielen SPD-Politikern groß. Mehrere Sozialdemokraten forderten Martin Schulz kürzlich auf, eine Regierungsbildung mit den Linken auszuschließen - doch der hält sich alle Optionen offen. Schließlich könnte es eine der wenigen Chancen sein, an die Macht zu kommen.
  • Die Anhängerschaft der Grünen ist hinsichtlich der möglichen Koalitionspartner gespalten: 32,9 Prozent favorisieren Rot-Rot-Grün, 22,3 Prozent können sich dagegen auch eine Zusammenarbeit mit der Union vorstellen. Ein Ampel-Bündnis ist für 16,2 Prozent der Anhänger eine Variante.
  • Bei den Linken gibt es eigentlich nur eine Option: Sie sind mit 68,6 Prozent mehrheitlich für Rot-Rot-Grün - es ist auch die einzige Variante, bei der die Linken mitregieren könnten.
  • Die AfD pflegt dagegen ihren Ruf als Protestpartei: 64,5 Prozent wollen keines der in der Umfrage aufgeführten Regierungsbündnisse. 24,5 Prozent könnten sich immerhin Schwarz-Gelb vorstellen.

Mehrere Trends lassen sich zudem bei den verschiedenen Altersgruppen ablesen:

  • Bei der Koalitionsfrage zeigt sich: Je älter der Wähler, desto eher bevorzugen sie die Koalition aus Konservativen und Liberalen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 19,6 Prozent, bei der Altersklasse ab 65 Jahre über 35,3 Prozent.
  • Ein beinahe umgekehrter Trend ist beim rot-rot-grünen Bündnis zu sehen: Hier gilt (mit Ausnahmen): Je jünger die Wähler, desto eher würden sie für diese Option stimmen.

Bei der SPONtagsfrage verliert die CDU im Vergleich zur Vorwoche um 0,7 Prozentpunkte etwas an Zustimmung. Die SPD sinkt stärker in der Wählergunst, rutscht von 24,8 auf 22,9 Prozent - niedriger war der Wert nur in der ersten Augustwoche und Mitte Juni.

Bei den kleineren Parteien ist es weiterhin ein enges Rennen: Gewinner der Woche ist hier die FDP, die mehr als einen Prozentpunkt zulegen kann, gefolgt von der AfD. Schwarz-Gelb kratzt damit weiter an der Mehrheit.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 22. August bis 29. August 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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mho