Nach Söders Sputnik-Vorstoß Ramelow warnt vor Impfwettbewerb unter den Ländern

Bayern will Millionen Dosen des russischen Coronaimpfstoffs Sputnik V bestellen. Doch die Gesundheitsminister der Länder waren nicht über den Söder-Vorstoß informiert, berichtet Thüringens Ministerpräsident Ramelow.
Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow

Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow

Foto: Bodo Schackow / dpa

Bayern sichert sich noch vor einer möglichen EU-Zulassung des russischen Coronaimpfstoffs Sputnik V Millionen Dosen des Mittels. Der Freistaat werde einen Vorvertrag mit einer Produktionsfirma im schwäbischen Illertissen unterzeichnen, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an. Nach der Zulassung soll der Freistaat 2,5 Millionen Impfdosen erhalten.

Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) sagte, er begrüße zwar, dass sein bayerischer Kollege für Deutschland »eine bestimmte Menge als Vororder« gesichert habe. Aber »leider haben die Gesundheitsminister heute nichts davon gewusst«, kritisierte der Ministerpräsident den Vorstoß von Söder. »Es wäre schön, wenn dies jetzt kein Wettbewerb werden würde, sondern die Bundesregierung endlich die verbindlichen Rahmenverträge verhandelt«, forderte er.

Zuvor hatte schon die Linke im Bundestag Söders Vorstoß bemängelt. »In einer Krise braucht es zuerst Solidarität und nicht grenzenlosen Egoismus für die eigene Karriere«, sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es dürfe keinen Wettlauf zwischen den Bundesländern geben. »Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung beim Impfen, aber keine bayerische Kraftmeierei«, sagte Bartsch. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) auf, Söder zu bremsen.

Mit der Lieferung von Sputnik sollen die Zusatzkapazitäten an Impfstoff in Bayern erhöht werden. »Sollte Sputnik zugelassen werden in Europa, dann wird der Freistaat Bayern zusätzliche Impfdosen, ich glaube, es sind 2,5 Millionen, im Juli erhalten«, hatte Söder (CSU) am Mittwoch angekündigt.

Die bayerische Landesregierung habe mit der beauftragten Institution der russischen Regierung für den Vertrieb des Impfstoffs eine Absichtserklärung abgeschlossen, hatte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) berichtet. Der Impfstoff solle in Illertissen (Landkreis Neu-Ulm) produziert werden. »Das wird erst im Verlauf des Jahres der Fall sein.«

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