Staatsakt für Rudolf Augstein "Er war immer allgegenwärtig"

Die Spitzen von Politik und Medien sowie zahlreiche Weggefährten haben Abschied von Rudolf Augstein genommen. Bei der Trauerfeier in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis gedachten mehrere tausend Menschen des SPIEGEL-Herausgebers.




Rudolf Augstein 1993
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Rudolf Augstein 1993

Hamburg - Bürgermeister Ole von Beust (CDU) würdigte den Ehrenbürger der Hansestadt. Mit Augstein verliere Hamburg nicht nur einen herausragenden Journalisten und Verleger, sondern ebenso einen großzügigen Mäzen. "Die Hansestadt rühmt sich gerne ihrer Weltoffenheit und Toleranz", sagte Beust. Augstein habe zu jenen Persönlichkeiten gehört, die diese Werte gelebt hätten.

Hauptpastor Helge Adolphsen erinnerte an den "Menschen, der vielen Menschen viel bedeutet habe". Gleichzeitig rechtfertigte er die Trauerfeier für Augstein in der Hauptkirche. "Er glaubte die christlichen Grundwahrheiten unserer beiden Kirchen nicht in der vorgeschriebenen Form". Augstein habe aber - "wie auch von Gott gewollt" - dazu beigetragen, das Zusammenleben der Menschen zu gestalten.

Gäste der Trauerfeier: Bundespräsident Johannes Rau, Autor Joachim C. Fest, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Dorothee Stapelfeld und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (v. l.)
DPA

Gäste der Trauerfeier: Bundespräsident Johannes Rau, Autor Joachim C. Fest, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Dorothee Stapelfeld und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (v. l.)

Bundespräsident Johannes Rau würdigte Augstein als "brillanten, unabhängigen und unbestechlichen Analytiker" und "letzten Gründungsvater des freien Journalismus in der Bundesrepublik". "Seine Respektlosigkeit gegenüber jeglicher Autorität" sei seinem Respekt gegenüber der Demokratie entsprungen.

Zu den Gästen in der Kirche zählen Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie Altkanzler Helmut Schmidt und der Autor Siegfried Lenz, letztere Ehrenbürger der Hansestadt.

Knapp 200 Trauergäste nahmen in einem eigens neben dem "Michel" aufgebauten Zelt Abschied von Rudolf Augstein. Betroffen verfolgten sie die Live-Übertragung auf einer Video-Leinwand. "Augstein hat immer ein gutes Beispiel gegeben" und "er war immer allgegenwärtig", sagte eine der Trauernden, während die Rede des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust aus der Kirche ins offene Zelt übertragen wurde.

"Ich habe diesen Mann geschätzt, denn er hat die Demokratie verteidigt", sagte einer der Zuhörer. Eigentlich habe er in der Kirche Augstein gedenken wollen, doch an den Sicherheitskräften sei er nicht vorbeigekommen. Stattdessen musste er gemeinsam mit den anderen Besuchern in der Kälte ausharren.

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