Geplante Reform der Ampelkoalition Wirtschaftsweise und Mittelständler begrüßen schnellere Einbürgerungen

Aus der Wirtschaft kommt Zuspruch für die Regierungspläne, das Staatsbürgerschaftsrecht zu reformieren. Die CDU warnt hingegen, die Staatsangehörigkeit gebe es nicht »bei Black Friday im Sonderangebot«.
Einbürgerungsurkunde in Berlin

Einbürgerungsurkunde in Berlin

Foto: Fernando Gutierrez-Juarez / dpa

Die Vorsitzende der »Wirtschaftsweisen«, Monika Schnitzer, hat sich hinter die von der Bundesregierung geplante Reform des Staatsbürgerschaftsrechts gestellt. Eine erleichterte Einbürgerung stärke die Integration der in Deutschland lebenden und arbeitenden Ausländerinnen und Ausländer, sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräfte- und Arbeitskräftemangels ist das unbedingt zu begrüßen.«

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) befürwortete die Pläne. Der Abbau bürokratischer Hürden bei der Einbürgerung von Softwareingenieuren und Pflegekräften könne sich langfristig als wichtiger Standortvorteil für Deutschland erweisen, sagte Bundesgeschäftsführer Markus Jerger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Opposition bekräftigte derweil ihre Kritik an dem Vorhaben.

Die Bundesregierung will die gesetzlichen Hürden für Einbürgerungen senken. So soll man nach einem Entwurf des Innenministeriums statt wie bislang nach acht Jahren künftig bereits nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland die Staatsbürgerschaft erhalten können. Bei »besonderen Integrationsleistungen« soll dies schon nach drei Jahren möglich werden – etwa wenn Einwanderer besondere schulische oder berufliche Leistungen oder ehrenamtliches Engagement gezeigt haben oder wenn sie über besonders gute Sprachkenntnisse verfügen.

Die Union lehnt das Vorhaben ab, auch in Teilen der FDP gibt es Vorbehalte. Die erleichterte Einbürgerung ist im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP vereinbart.

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Christian Dürr, drang auf ein Gesamtkonzept. »Es geht darum, dass wir Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt organisieren«, sagte Dürr am Montagabend im »heute journal« im ZDF. Deutschland müsse ein modernes Einwanderungsland werden, in den vergangenen Jahrzehnten sei da vieles falsch gelaufen. »Wir hatten vor allen Dingen leider Migration in die sozialen Sicherungssysteme, aber wir brauchen händeringend Arbeitskräfte.« Daran müsse sich auch das Staatsbürgerschaftsrecht orientieren.

Der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle sagte der »Welt«: »Noch bevor das geplante Einwanderungsgesetz beschlossen ist, präsentiert das Bundesinnenministerium einen Gesetzentwurf zum Staatsangehörigkeitsrecht. Das ist die falsche Reihenfolge.« Ähnlich hatte sich zuvor FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai geäußert. Er sieht den Zeitpunkt für eine Vereinfachung noch nicht gegeben. In der »Rheinischen Post« hatte er auf mangelnde Fortschritte bei der Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht und der Bekämpfung der illegalen Migration verwiesen.

»Die Ampel begeht einen schweren Fehler, wenn sie die Kriterien für den Erhalt der Staatsbürgerschaft aufweicht«, sagte CDU-Generalsekretär Mario Czaja den Funke-Zeitungen. »Die Staatsangehörigkeit ist kein Artikel, den es bei Black Friday im Sonderangebot gibt.«

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sieht die Migrationspolitik der Ampel in einer Schieflage. »Wöchentlich senden vor allem SPD und Grüne Signale einer grenzenlosen Aufnahmebereitschaft in die ganze Welt – und das in einer Zeit, in der die Zugangszahlen dramatisch steigen und unsere Landkreise und Städte zunehmend ans Limit bringen«, sagte der CSU-Politiker der »Augsburger Allgemeinen«. »Praktisch überhaupt nichts hören wir hingegen von der Ampel, was sie denn eigentlich für die Rückführung abgelehnter Asylbewerber und für die Bekämpfung der illegalen Migration unternimmt.«

»Der Arbeitsmarkt ist so aufnahmefähig wie seit 30 Jahren nicht mehr«

Die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland dazu: »Beim Thema Einwanderung müssen wir endlich weg von einer Voraussetzungsverwaltung hin zu einer echten Willkommenskultur.« Eine erleichterte Einbürgerung sei ein positives Signal an Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland und zugleich an alle interessierten Fachkräfte im Ausland.

Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, betonte die Bedeutung von Zuwanderung für den Arbeitsmarkt. »Es gibt wegen des demografischen Wandels kein Szenario, wo wir ohne größere Einwanderung auskommen«, sagte Nahles der »Süddeutschen Zeitung«. Es brauche im Saldo 400.000 zusätzliche Arbeits- und Fachkräfte im Jahr. Sie forderte unter anderem einen Abbau von Bürokratie. »Der Arbeitsmarkt ist so aufnahmefähig wie seit 30 Jahren nicht mehr, und die Leute wollen arbeiten, egal aus welchem Land sie kommen.«

Die Bundesregierung will zur Behebung des Fachkräftemangels Menschen durch ein Punktesystem die Einwanderung ermöglichen, auch wenn sie noch keinen Arbeitsplatz vorweisen können. Das geht aus »Eckpunkten zur Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten« hervor, die das Kabinett am Mittwoch beschließen will. Drittstaatsangehörigen »mit gutem Potenzial« soll demnach der Aufenthalt zur Suche eines Arbeitsplatzes ermöglicht werden. »Wir werden auf Grundlage eines transparenten unbürokratischen Punktesystems eine Chancenkarte zur Arbeitsplatzsuche einführen«, heißt es in dem Papier. Als Auswahlkriterien werden Qualifikation, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung, Deutschlandbezug und Alter genannt.

dab/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.