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22. Juni 2011, 16:45 Uhr

Staatskrise

Helmut Schmidt plädiert für Griechen-Hilfe bis zum Letzten

Helmut Schmidt hat sich für mehr Solidarität mit Griechenland ausgesprochen, selbst wenn der Staat bankrott gehen sollte. Der Altkanzler hält auch eine Pleite für beherrschbar. Europa, so fordert er, müsse Athen helfen - und den Bürgern die Aussicht auf Wohlstand geben.

Hamburg - Altkanzler Helmut Schmidt behält auch in Zeiten der Krise die Ruhe. Das hat er oft genug bewiesen. Und tut es auch dieses Mal wieder: Die Lage in Griechenland bringt ihn nicht aus der Façon - und sollte seiner Meinung nach auch niemanden sonst in Unruhe versetzen. Der Sozialdemokrat zeigt sich in der "Zeit" überzeugt: Sogar eine völlige Pleite Griechenlands sei politisch beherrschbar. Die EU fordert er zu nachhaltiger Hilfe auf - in Form konkreter Projekte.

Schmidt warnt in dem Blatt vor Panikmache im Zusammenhang mit Griechenland. "Wir haben eine Schuldenkrise einzelner kleiner Euro-Länder, keine Krise der Euro-Währung." Demnach hätte selbst "der Bankrott eines einzelnen, kleineren Mitgliedstaates nur eine vorübergehende psychologische Wirkung".

Schmidt forderte die EU dazu auf, Griechenland "durchgreifend" zu helfen. "Das gilt auch für den Extremfall, dass die griechische Regierung gegenüber ihren ausländischen Gläubigern die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Selbst dann - und dann erst recht! - wird es entscheidend, dass Europa die griechische Wirtschaft wieder in Gang bringt."

Ein derartiges Leitprogramm "muss orientiert sein an Leitideen wie Beschäftigung, Produktivität und Volkseinkommen""

Griechenland müsse eine Wohlstandsperspektive eröffnet werden. Sie müsse aus konkreten Projekten bestehen: "Zum Beispiel die Integration Griechenlands in eine Energiewende, sodass Sonnenenergie aus Athen nach Nord- und Mitteleuropa exportiert werden kann." Das hat auch Finanzminister Wolfgang Schäuble angeregt.

Zugleich mahnte Helmut Schmidt Respekt für Griechenland als Mutterland der Demokratie, der Renaissance und der Aufklärung an.

Ähnlich äußerte sich in der "Zeit" auch der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Er forderte einen "echten Schuldenerlass" für das Land. "Eine 'sanfte' Umschuldung über eine Laufzeitverlängerung oder einen Zinserlass schafft nur kurz Luft zum Atmen", so Steinbrück.

"Es geht längst nicht mehr um das 'Ob' eines echten Schuldenerlasses, sondern nur noch um das 'Wie'." Denn "ohne Schuldenerlass wird sich Griechenland aus seinen Kalamitäten nicht befreien können".

Der Bundesregierung wirft Steinbrück ein gutes halbes Dutzend "nachweisbarer Kehrtwendungen oder Pirouetten" in der Euro-Politik vor. Den Finanzmärkten fehlten daher im Augenblick klare Signale.

ler

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