Stasi-Akten Noch mehr Protokolle über Kohl

Ex-Kanzler Helmut Kohl ist von der DDR-Staatssicherheit offenbar intensiver bespitzelt worden als bisher bekannt. Bis zu 30 Seiten Abhörprotokolle wöchentlich soll die Stasi über Kohl erstellt haben.


Berlin - Unter Berufung auf frühere Stasi-Aufklärer berichtet der Berliner "Tagesspiegel", Kohl habe seit 1975, als er Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz war, unter "Zielkontrolle" des DDR-Geheimdienstes gestanden. Im Dezember 1982 habe die Stasi auch den Privatanschluss Kohls im Bonner Kanzlerbungalow angezapft. Die Zeitung zitiert aus einem Auftrag der Stasi vom Januar 1984, von Kohls Dienstapparat im Kanzleramt weiterhin "alle anfallenden Gespräche" aufzuzeichnen.

Kohl: Seit 1975 unter Zielkontrolle der Stasi
DPA

Kohl: Seit 1975 unter Zielkontrolle der Stasi

Die Stasi-Hauptabteilung III habe wöchentlich 25 bis 30 Seiten Abhörprotokolle über Kohl angefertigt. Das ergäbe von Kohls Amtsantritt 1982 bis zur Einstellung der Lauschaktionen im Dezember 1989 eine mindestens 9000 Blatt starke Akte, berichtete die Zeitung weiter. Frühere Stasi-Funkaufklärer hätten diese Berechnung als "absolut realistisch" bewertet. Insgesamt seien nach Auskunft eines ehemaligen Stasi-Offiziers bis zu 30 Mitarbeiter aus dem engeren Kanzler-Umfeld abgehört worden. Dazu hätten unter anderem Kohls Büroleiterin Juliane Weber und der Kohl-Vertraute Eduard Ackermann gehört.



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