Stauffenberg-Zeremonie Merkel würdigt Mut der Widerstandskämpfer

Bei der Gedenkfeier zum Hitler-Attentat findet Kanzlerin Merkel klare Worte: "Es gibt Momente, in denen Ungehorsam eine Pflicht sein kann", sagt sie. Der Mut der Widerstandskämpfer müsse uns auch heute leiten.

Fabrizio Bensch/REUTERS

Im Gedenken an den Widerstand gegen die NS-Gewaltherrschaft hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Mut der Gruppe rund um den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg gewürdigt.

"Es gibt Momente, in denen Ungehorsam eine Pflicht sein kann", sagte die CDU-Politikerin am Samstag beim feierlichen Gelöbnis von 400 Rekruten in Berlin. Sie erinnerte an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vor genau 75 Jahren.

In einigen Momenten habe "der Einzelne die moralische Pflicht", zu widersprechen und sich zu widersetzen, fuhr Merkel in ihrer Ansprache an die Soldaten fort und verwies auf das im Grundgesetz verankerte Recht zum Widerstand. Stauffenberg und seine Verbündeten hätten sich nicht auf ein solches Recht berufen können und trotzdem den Versuch gewagt, "das nationalsozialistische Unrechtsregime zu stürzen, in vollem Bewusstsein persönlicher Konsequenzen".

Lesen Sie hier einen Report, wie Graf von Stauffenbergs Helfer heute leben

Die Widerstandskämpfer seien Vorbilder. Ihre "klare Haltung, ihr Mut" müssten "uns auch heute leiten", sagte Merkel. Ihr Vorgehen bleibe eine Mahnung. "Sie mahnen uns, wachsam zu sein. Sie mahnen uns, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in all ihren Erscheinungsformen entschieden entgegenzutreten." Auch das sei "Dienst für unser Land".

Stauffenberg und einige seiner Mitverschwörer waren unmittelbar nach dem gescheiterten Attentat verhaftet und im Bendlerblock hingerichtet worden. In dem heutigen Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums fand das Gelöbnis vom Samstag statt.

ssu/dpa



insgesamt 63 Beiträge
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lathea 20.07.2019
1. Dann bitte auch gleich....
.....einen anderen Umgang mit Whistleblowern. Denn diese machen nicht viel anders, nur auf die friedliche Art und Weise.
Emderfriese 20.07.2019
2. Recht
"...Die Widerstandskämpfer seien Vorbilder. Ihre 'klare Haltung, ihr Mut' müssten 'uns auch heute leiten', sagte Merkel. Ihr Vorgehen bleibe eine Mahnung..." Die Sozialisten und Kommunisten, die aufrechten Christen und Liberalen, die Bibelforscher, die Deserteure, Attentäter und Saboteure - wenn Frau Merkel all diese vielen Tausende zu Tode gekommenen Widerständler meint, so hat sie ganz Recht!
mundi 20.07.2019
3.
Viel von den späteren Widerstandskämpfer im konservativen Lager haben zwar das Hitlerregime abgelehnt, jedoch ab 1934 alle Vorteile genossen und von den Nazis profitiert. So gab es bei den Militärs eine Masse von Beförderungen und Aussichten auf. Lukrative Posten. Die Unternehmer in der Rüstungsindustrie kümmerte nicht die sich abzeichnende Kriegsgefahr, sondern Aussichten auf Gewinne durch Rüstung. Ein Beispiel: Elser, eher ein Linker, wagte ein Attentat als der erfolgreiche "Blitzkrieg" in Polen im vollem Gange war. Von Stauffenberg erst 1944, um den, nach seinen Worten, "sinnlos gewordenen Krieg zu beenden.
arikimau 20.07.2019
4. Schwierige Person
Er lehnte die parlamentarische Demokratie ab und ansonsten wäre er auch keine Lösung gewesen...
dirkda 20.07.2019
5. Naja.....
Stauffenberg war Nationalist. Ihm und seinen Konsorten schwebte nie ein demokratischer Rechtsstaat vor. Ich hoffe Frau Merkel gedenkt eines Georg Elser's mindestens mit demselben Elan. Der lehnte Hitler von Anfang an ab, entschloss sich zum Attentat als es nicht schon zu spät war und wollte den Krieg verhindern. Plante alles allein und zog es dann auch noch durch. War halt keine strahlende Aristokratenfigur wie Stauffenberg, sondern bescheidener Handwerker und Sozialdemokrat.
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