Regierungssprecher Seibert Tragen einer Kippa soll überall in Deutschland möglich sein

Antisemitische Angriffe in Deutschland bleiben ein Problem. Regierungssprecher Seibert hat deswegen an die Verantwortung des Staats erinnert: Dieser solle "die freie Religionsausübung eines jeden" garantieren.

Regierungssprecher Steffen Seibert: "Zu dieser Verantwortung stehen wir."
Christoph Soeder/DPA

Regierungssprecher Steffen Seibert: "Zu dieser Verantwortung stehen wir."


Die staatlichen Institutionen müssen nach den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert dafür Sorge tragen, dass Menschen überall in Deutschland sicher eine Kippa tragen können. "Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung eines jeden möglich ist", sagte Seibert. Jeder Mensch solle sich an jedem Ort dieses Landes - auch mit einer Kippa - sicher bewegen können. "Zu dieser Verantwortung stehen wir."

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte zuvor der Funke-Mediengruppe gesagt: "Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen." Er habe seine Meinung "im Vergleich zu früher leider geändert".

Klein verteidigte seine Aussagen in der "Bild"-Zeitung. Er habe "aufrütteln und der Öffentlichkeit klarmachen wollen, dass wir handeln müssen, bevor es zu spät ist". Seine Worte seien "keineswegs resignativ, sondern als Aufruf zum Handeln" gemeint.

"Zunehmende gesellschaftliche Enthemmung und Verrohung"

Kleins Empfehlung hatte zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin sagte, Kleins Rat habe ihn "zutiefst schockiert". Klein hatte seine Empfehlung zunächst mit der "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung" begründet, die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei.

Yehuda Teichtal, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sagte, dass das Tragen der Kippa unabhängig vom Wohnort möglich sein müsse. "Wenn wir die Botschaft verbreiten, dass die Menschen lieber keine Kippa tragen sollten, dann überlassen wir das Feld den Gegnern der Demokratie." Es sei keine Option, die Identität zu verbergen.

Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen.

2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen. Seibert sagte, der Anstieg der Straftaten "sollte für jeden in Deutschland ein Anlass zu großer Sorge sein". Jede einzelne dieser Straftaten sei ein Angriff auf die menschliche Würde.

aev/DPA



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