Steigende Geburtenrate Deutsche Frauen bekommen wieder mehr Kinder

Liegt es doch am Elterngeld und am Kita-Ausbau? Bei der Familienplanung gibt es in Deutschland eine Trendwende: Zwar bekommen Frauen weiterhin immer später ihr erstes Kind - es werden aber wieder mehr Babys geboren.
Müder Säugling: Frauen bringen wieder mehr Kinder auf die Welt

Müder Säugling: Frauen bringen wieder mehr Kinder auf die Welt

Foto: dapd

Rostock - Seit Jahren starren Familienpolitiker und Demografen in Deutschland auf die Geburtenrate. Wie festgetackert klebte sie jedes Jahr aufs Neue um 1,4 Kinder pro Frau. Eine Quote, die eine schrumpfende und alternde Bevölkerung bedeutet. Spätestens seit die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen 2007 auch gegen Widerstände im eigenen Lager das Elterngeld und den Ausbau von Betreuungsplätzen durchsetzte, wuchs bei vielen die Hoffnung auf eine Änderung. Doch es tat sich so gut wie nichts.

Doch jetzt melden sich Demografieforscher mit einer Korrektur. Die Deutschen haben offenbar mehr Lust auf Kinder als bisher angenommen. Frauen entscheiden sich Experten zufolge wieder häufiger für Nachwuchs. Sie bekämen zwar immer später Babys, der Trend zu weniger Kindern setze sich aber nicht fort, berichtete das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock am Montag. Nach jahrzehntelangem Rückgang stiegen die Geburtenzahlen in Deutschland demnach wieder leicht an. "Die Geburtsjahrgänge um 1970 scheinen die Trendwende zu markieren", erklärte die Demografin Michaela Kreyenfeld. Frauen, die in den siebziger Jahren und später geboren wurden, bekämen offenbar wieder mehr Kinder.

Die Wissenschaftler haben für die Jahre 2001 bis 2008 einen Wert von durchschnittlich 1,6 Kindern pro Frau berechnet. Die amtliche Statistik geht für diesen Zeitraum von 1,4 Kindern pro Frau aus. "Das ist ein Schätzwert, der dadurch verzerrt wird, dass Frauen jetzt bei der Geburt immer älter sind", erklärte Forscherin Kreyenfeld. Rechne man diese Verzerrung heraus, komme man auf eine höhere Geburtenrate.

Grundlage für die Ergebnisse der Forscher waren Zeitreihen über das Alter von Frauen bei der Geburt ihres ersten, zweiten und dritten Kindes. Demnach bekommen Frauen immer später Kinder. 2008 waren Frauen in Ostdeutschland bei der Geburt des ersten Kindes im Schnitt 27,5 Jahre alt, in Westdeutschland 28,7 Jahre. 2001 waren sie 1,4 beziehungsweise 1,3 Jahre jünger.

Ein Grund dafür, dass Frauen, die ab den siebziger Jahren geboren wurden, mehr Kinder bekommen, könnte den Forschern zufolge tatsächlich die Änderung des gesellschaftlichen Klimas sein. Ab dieser Generation kommen junge Mütter in den Genuss umfassender Kinderbetreuung unter Dreijähriger sowie des neuen Elterngelds. Diese Trendumkehr sei jedoch nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten. Trotz nach oben korrigierter Geburtenziffer bleibt Deutschland aber ein vergleichsweise kinderarmes Land in Europa, dämpfte Kreyenfeld die Hoffnung auf ein besseres Abschneiden in der Länderstatistik.

ler/dpa/AFP/dapd