Steinbrück-Auftritt in Washington Peer global

Der Vielleicht-Kanzlerkandidat der SPD geht auf große Tour: Peer Steinbrück reist in die USA und erklärt den Amerikanern mal eben die Krise in Europa. Der Sozialdemokrat lästert über eine Partei namens FDP, geht mit den Griechen hart ins Gericht - und schont die Kanzlerin.

Peer Steinbrück: "Ich habe noch nie in einem Frauenclub gesprochen"
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Peer Steinbrück: "Ich habe noch nie in einem Frauenclub gesprochen"

Von , Washington


Drüben in Europa ist ja mal wieder Krise. In Athen brennen die Barrikaden, Griechenland muss irgendwie noch mehr sparen. Und das 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket wird zurückgehalten. Oh weh. Da braucht man in Amerika mal einen, der das alles hübsch prägnant erklärt.

Peer Steinbrück schaut hinter sich. "Europa in der Krise", haben die Leute von der Friedrich-Ebert-Stiftung da an die Wand projiziert, "Zusammenbruch oder Durchbruch in turbulenten Zeiten?" Und darunter in dickem Rot seinen Namen. "Früherer Finanzminister" steht darunter.

Steinbrück grinst. Schön. Draußen dröhnt Dupont Circle, Washingtons beliebtes Viertel, rundherum Botschaften und Think-Tanks. Okay, ehrlicherweise muss angemerkt werden, dass Steinbrück hier gerade im Woman's National Democratic Club ist. Aber was soll's? Das Ambiente ist nicht weniger gravitätisch als bei der Denkfabrik Brookings, an der Wand hängen fröhliche Bilder von Bill Clinton und auch Steinbrück kommt prima damit klar: "Ich habe noch nie in einem Frauenclub gesprochen."

Droht die Renationalisierung?

Also steht der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete da vorne am Pult und parliert ohne Textvorlage in britischem Englisch mit norddeutschem Einschlag über Europa, die Krise - und im Subtext natürlich über Peer Steinbrück, den Politiker, der auch Kanzler kann. Peer global.

Der Euro sei eine "sehr stabile Währung", versichert er. Es handele sich nicht um eine "Euro-Krise", sondern um eine Finanzkrise einzelner Mitgliedsländer der europäischen Währungsunion. So sagt das stets auch Altkanzler Helmut Schmidt, dessen Rede auf dem letzten SPD-Parteitag man im demokratischen Frauenclub auf Englisch ausgelegt hat. Steinbrück und Schmidt. Na? Sie wissen ja: dicke Polit-Kumpel, Vorgänger und Nachfolger, vielleicht. Da ist er schon wieder, der Gedanke an die Kanzlerkandidatur.

Es sei entscheidend, die Währungsunion zu erhalten, sagt Steinbrück. Ansonsten drohe die "Renationalisierung Europas". Die Krisenmanager hätten Zeit verloren, sagt er, gemeint sind José Manuel Barroso, Angela Merkel, Nicolas Sarkozy, Jean-Claude Trichet und Jean-Claude Juncker. Im letzten Mai hätte es gepasst, wenn sie damals gemeinsam eine Pressekonferenz abgehalten und für griechische Staatsanleihen gebürgt hätten, meint Steinbrück, dann hätte man die Krise wirkungsvoll eindämmen können. Erneut fordert er auch in Washington die Einführung von Euro-Bonds.

Das erinnert natürlich zwangsläufig an jene Szene im Kanzleramt aus dem Oktober 2008. Da stand Kanzlerin Merkel neben ihrem Finanzminister Steinbrück; und beide gemeinsam garantierten den Deutschen die privaten Spareinlagen. Es war hervorragende Kommunikation, es war Psychologie. Und es funktionierte, die Leute waren beruhigt.

Warum läuft denn das Krisenmanagement heute nicht mehr rund? Ein Zuhörer will in diesem Zusammenhang wissen, was eigentlich Steinbrück von seinem CDU-Nachfolger Wolfgang Schäuble unterscheide. Herrliche Vorlage für den Mann am Pult. "Mein Nachfolger ist nicht das Problem", sagt Steinbrück: "Das Problem ist eine fragile Regierungskoalition in Deutschland." Da gebe es eine liberale Partei, genannt FDP, die möglicherweise Maßnahmen zur weiteren Stabilisierung der Währungsunion ablehnen würde. Merkel fürchte also um ihre Mehrheit im Parlament. "Das ist unser gegenwärtiges Problem in Deutschland."

Steinbrück vergisst natürlich nicht zu erwähnen, dass diese FDP genannte Partei aktuell unter fünf Prozent in den Umfragen rangiert. Heißt: Eine bedeutungslose Truppe hält die Regierung in Geiselhaft. Es ist klar, wer Steinbrücks politischer Gegner ist. Er hat während der Großen Koalition gut mit Merkel zusammengearbeitet, davon haben letztlich beide profitiert. Die Kanzlerin schont er auch jetzt.

"Really crazy"

Ohnehin scheint ausgemacht, dass Steinbrück unter den möglichen Kanzlerkandidaten der SPD gemeinsam mit Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier als derjenige gilt, der die Partei in eine Große Koalition führen könnte - als Kanzler oder Juniorpartner. Parteichef Sigmar Gabriel hingegen gilt eher als der rot-grüne Kandidat. Aber von solch taktischen Spielchen ist in Washington natürlich keine Rede. Das Wort Kanzlerkandidat kommt bei Steinbrück nicht vor.

Als einer fragt, ob es denn mit Steinbrück als Kanzler eine Transferunion in Europa geben würde, geht der 65-Jährige auf die zarte Unterstellung gar nicht erst ein. Er weist lieber darauf hin, dass die EU schon heute eine Transferunion sei, man denke doch bitteschön mal an all die Agrarsubventionen.

Und es sei "really crazy", den Leuten das Gegenteil zu erzählen. Was aber, wenn alles nichts hilft in Sachen Griechenland? Da wird Steinbrück deutlich. Die Absage des Treffens der Euro-Gruppen-Finanzminister sei eine "Eskalation", sagt er. Wäre er Finanzminister, hätte er seine Experten bereits vor einem halben Jahr angewiesen, einen "Plan B" zu erarbeiten. "Ich würde gern vorbereitet sein für den Fall eines griechischen Zahlungsausfalls."

Das ist ziemlich prägnant erklärt.

insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
flower power 15.02.2012
1. Jeder muss sparen
Zitat von sysopDPADer Vielleicht-Kanzlerkandidat der SPD geht auf großer Tour: Peer Steinbrück reist in die USA und erklärt den Amerikanern mal eben die Krise in Europa. Der Sozialdemokrat lästert über eine Partei namens FDP, geht mit den Griechen hart ins Gericht - und schont die Kanzlerin http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815358,00.html
Nur scheint das nicht für die SPD zu gelten. Was will dieser Nulllinger denn in USA. So lange der an der SPD mit herumfuchtelt kommen die nie an der CDU vorbei. Die CDU ist halt das Original der miesen Politik, und da kann die SPD nicht vorbeikommen. Wer zahlt denn diese persönliche PR-Aktion des selbsternannten Wirtschaftskriegsherr. Gott erbame uns vor diesem. In der Versenkung verschwinden, andere die Arbeit machen lassen und baim Essen ( Wahlen ) in der vordersten Reihe stehen, das müssen wir uns nicht antun. Also Peer bleib am besten gleich bei Uncle Sam, hasz dich ja dem gerade angebiedert.
hajo58 15.02.2012
2. Peer oder was?
Zitat von sysopDPADer Vielleicht-Kanzlerkandidat der SPD geht auf großer Tour: Peer Steinbrück reist in die USA und erklärt den Amerikanern mal eben die Krise in Europa. Der Sozialdemokrat lästert über eine Partei namens FDP, geht mit den Griechen hart ins Gericht - und schont die Kanzlerin http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815358,00.html
Dieser Mann schaffte es noch nicht einmal seinem Wahlkreis zu gewinnen, er kam nur noch über die Landesliste in den Bundestag. Nur ist er dort selten anzutreffen. Meist reiste er durch die Lande und hält vorgefertigte Vorträge. Dort erhält er im Schnitt 20.000 € Judaslohn. War er nicht derjenige, der zunächst behauptete, die Finanzkrise hätte ihren Ursprung in den USA. Nachdem er und Frau Merkel in die USA zitiert wurden, änderte er seine Meinung schlagartig. Jetzt erklärte er, dass die Europäer ganz alleine diesem Dilemma schuld seinen. Ich frage mich, was will der Mann in den USA? Soll er neu instruiert werden? Soll er für den Fall, was der Wähler verhüten möge, zum Bundeskanzler gewählt werden, und dann einzig und allein die Interessen der USA vertreten.
lkm67 15.02.2012
3. Verdienst oder nicht.
Dioe Anhebung der Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer war nur Folgerichtig und diente sicher auch zur Harmonisierung des europäischen Systems. Andere Länder in unserer Nachbarschaft haben weitaus höhere Mehrwersteuersätze. Nicht umsonst hat die OECD aktuell eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland vorgeschlagen. Schändlich war es wie es zu der Erhöhung kam und noch schändlicher war wie sie erst geleugnet und dann entgegen der Ankündigungen dann eingeführt wurde. Die Tatsache als solches halte ich allerdings es für einen Verdienst. Das Herr Steinbrüch auch Realpolitiker ist kann man ihm kaum verübeln, ansonsten sind seine Schwimmübungen gegen den Strom auch immer präsent gewesen und man kann ihn wohl kaum baren Herzens einen Speichellecker oder einen Fähnchen in den Wind Hänger nennen.
HansCh 15.02.2012
4. von allen guten Geistern verlassen ...
2 Zitate aus dem SPON Artikel: "... hätte es gepasst, wenn sie damals gemeinsam eine Pressekonferenz abgehalten und für griechische Staatsanleihen gebürgt hätten, meint Steinbrück, ..." Und: "Das erinnert natürlich zwangsläufig an jene Szene im Kanzleramt aus dem Oktober 2008. Da stand Kanzlerin Merkel neben ihrem Finanzminister Steinbrück und beide gemeinsam garantierten den Deutschen die privaten Spareinlagen." Schreibt SPON. Dazu: Das ist ja wohl ein Unterschied. Und: Statt dem Anteil an 130.000 Euro "plus", der heute zur Debatte steht, sollten alleine Deutschlands Führer eine "Pressekonferenz abhalten und für griechische Staatsanleihen für über 300.000 (bürgen)"??? Das lässt einen fassungslos. 3. Zitat: "Erneut fordert er (Steinbrück) auch in Washington die Einführung von Euro-Bonds." Bisher habe ich mir eine Große Koalition (mit Hn.Steinbrück) gewünscht aber jetzt ...
zechpreller 15.02.2012
5.
Zitat von flower powerNur scheint das nicht für die SPD zu gelten. Was will dieser Nulllinger denn in USA. So lange der an der SPD mit herumfuchtelt kommen die nie an der CDU vorbei. Die CDU ist halt das Original der miesen Politik, und da kann die SPD nicht vorbeikommen. Wer zahlt denn diese persönliche PR-Aktion des selbsternannten Wirtschaftskriegsherr. Gott erbame uns vor diesem. In der Versenkung verschwinden, andere die Arbeit machen lassen und baim Essen ( Wahlen ) in der vordersten Reihe stehen, das müssen wir uns nicht antun. Also Peer bleib am besten gleich bei Uncle Sam, hasz dich ja dem gerade angebiedert.
Ihre Rechtschreibung! Da schmerzen ja die Augen!
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