Verlorene Bundestagswahl Steinbrück bezeichnet Kanzlerkandidatur als Fehler

Warum scheiterte Peer Steinbrück 2013 als Kanzlerkandidat der SPD? Im SPIEGEL nennt er die Kandidatur einen Fehler - und spricht von "Selbsttäuschungen auf drei Feldern".
Peer Steinbrück: "Die SPD vermittelte den Eindruck, das Land stehe am Abgrund"

Peer Steinbrück: "Die SPD vermittelte den Eindruck, das Land stehe am Abgrund"

Foto: Markus Schreiber/ AP/dpa

Hamburg - Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sich im SPIEGEL kritisch zu seiner Kanzlerkandidatur 2013 geäußert: "Die Kanzlerkandidatur war ein Fehler, und zwar meiner. Ich glaube, dass ich einer ausgeprägten Selbsttäuschung unterlag." (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Es habe "Selbsttäuschungen auf drei Feldern" gegeben, so Steinbrück, "bezogen auf meine eigenen Vorteile oder Nachteile gegenüber Frau Merkel. In der Frage, wie ich als nicht unbedingter Messdiener parteipolitischer Wahrheiten zusammen mit meiner Partei einen solchen Wahlkampf erfolgreich gestalten kann, und in der Einschätzung der politischen Stimmung im Land. Ich war etwas blind."

Es habe auch "eine gewisse Koketterie" seinerseits eine Rolle gespielt. Seiner Einschätzung nach war der Wahlkampf aus mehreren, auch von ihm verschuldeten Gründen bereits im Frühjahr 2013 verloren. Steinbrück: "Da können Sie nichts mehr machen und nur noch in Würde zu Ende spielen."

Im Gespräch mit dem SPIEGEL übt Steinbrück aber auch Kritik an der SPD: Er halte eine einseitige Darstellung der Lage Deutschlands für den zentralen strategischen Fehler seiner Partei im Wahlkampf 2013. "Die SPD vermittelte den Eindruck, das Land stehe am Abgrund und bestehe aus einer Ansammlung von Opfern", so Steinbrück.

Steinbrück fordert Aufarbeitung von Wahlpleiten

Aber "um die 75 Prozent der Bürger fanden laut Umfragen, Deutschland sei in einem ganz guten Zustand - und dafür sprach ja auch einiges", so Steinbrück. Außerdem hätten er und die SPD gedacht, "wenn es für Mindestlohn, die Gleichstellung von Homosexuellen, ein modernes Staatsbürgerrecht, die Frauenquote und die Mietpreisbremse jeweils einzeln hohe Zustimmungsquoten gebe, dann ließe sich aus der Addition solcher Vorhaben eine parlamentarische Mehrheit schmieden".

Steinbrück plädiert deshalb für eine Aufarbeitung der Wahlniederlagen von 2009 und 2013 seitens der SPD, zeigt sich aber skeptisch, ob es dazu kommt. "Ich fürchte, dass sie ohne Aufarbeitung beider Niederlagen, 2009 und 2013, in die Wahl von 2017 gehen könnte", so Steinbrück.

Der Ex-Kanzlerkandidat beklagte zugleich die Abneigung seiner Partei gegen erfolgreiche Amtsträger. Steinbrück: "Der Held der SPD ist im Übrigen nicht der Bürgermeister, nicht der Landrat, der Ministerpräsident, der Minister, der gutes politisches Handwerk beherrscht und dem Augenmaß zuerkannt wird, sondern es ist der gesinnungsethisch und parteiverträglich stark auftretende Delegierte auf der Parteikonferenz. Vergleichen Sie das Ergebnis von Olaf Scholz bei den letzten Vorstandswahlen der SPD mit denen bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg, und das Problem wird offensichtlich."

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