Kritik am SPD-Wahlkampf Steinbrück schließt sich Münteferings Parteischelte an

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück teilt die Kritik des früheren Parteichefs Franz Müntefering am misslungenen Wahlkampfstart der SPD. Er selber sei davon ausdrücklich ausgenommen, betont Steinbrück. Schuld ist demnach allein die Partei.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Die Partei hat's verbockt
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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Die Partei hat's verbockt


Berlin - Kanzlerkandidat Peer Steinbrück teilt die Kritik des früheren Parteichefs Franz Müntefering am Pannenwahlkampf der SPD. Münteferings Einschätzung entspreche weitestgehend dem allgemeinen Urteil, sagte Steinbrück am Donnerstag in Berlin. "Meinem auch", schob er nach. "Insofern gilt der alte Satz: Hätte, hätte, Fahrradkette."

Müntefering hatte in der "Zeit" schwere Vorwürfe gegen ungenannte Genossen erhoben.: "Für Steinbrück gab es keine Kampagne, keine Bühne, keine Mitarbeiter, da gab es nichts", hatte er gesagt. Der Start in den Bundestagswahlkampf sei misslungen gewesen. "Mir standen die Haare zu Berge."

Steinbrück betonte, Müntefering habe ihn selbst von der Kritik ausgenommen. Tatsächlich hatte Müntefering sich ausdrücklich vor den Kandidaten gestellt: Steinbrück sei zum Start der Kampagne "allein gelassen worden", kämpfe aber jetzt in bemerkenswerter Weise. "Ich bin bei ihm", hatte der Ex-Parteichef bekräftigt.

In der Partei hatte die Einmischung des 73-jährigen Altpolitikers flügelübergreifend für Unmut gesorgt. "Dass der Spielanfang nicht der Höhepunkt der Spielkunst war, hat jeder mitgekriegt", sagte der Parteilinke und schleswig-holsteinische SPD-Landeschef Ralf Stegner. Jetzt aber "muss gekämpft werden bis zur letzten Minute. Da helfen solche Rückbetrachtungen nichts", sagte er der "Frankfurter Rundschau".

Über solche Themen "sollten wir nach dem 22. September um 18.00 Uhr reden", sagte auch Johannes Kahrs, Sprecher des rechten Seeheimer Kreises. Bis dahin sei eine solche Diskussion "völlig überflüssig".

In der SPD wird allerdings für unwahrscheinlich gehalten, dass einem erfahrenen Wahlkämpfer wie Müntefering ein solch schwerer Lapsus versehentlich passiert sein könnte. Als mögliche Ziele seiner Kritik wurden hinter vorgehaltener Hand Parteichef Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles ausgemacht, deren Verhältnis zu Müntefering als belastet gilt.

Außerdem hat auch Gabriel vergangene Woche bereits mit einem ungewöhnlichen Vorstoß für Stirnrunzeln gesorgt. Eher beiläufig informierte er den Parteivorstand am Montag über seine Absicht, nur wenige Tage nach der Wahl einen Parteikonvent einzuberufen, den kleinen Parteitag der SPD.

Diese Idee für einen kleinen Parteitag begrüßte wiederum Steinbrück. Es sei das Selbstverständlichste der Welt, dass sich die SPD nach dem Wahlsonntag mit den Gremien berate, sagte er. Seit der Parteireform habe man zusätzlich das Instrument des Parteikonvents, um Entscheidungen breiter zu beraten. Parteichef Sigmar Gabriel habe ihn über die Idee vor der betreffenden Vorstandssitzung informiert. Reicht es bei der Wahl nicht für Rot-Grün oder Schwarz-Gelb, könnte der Konvent auch dazu dienen, von den Delegierten ein Stimmungsbild über den Eintritt der SPD in eine große Koalition zu bekommen.

mon/dpa/AFP



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verbalix 15.08.2013
1. Text zu eingestellten Bild:
"Der Himmel steh' mir bei",oder aber "Ich bete an,die Macht der Wähler". ,
jamesjani 15.08.2013
2. Schuld ist nur die SPD !
Da bekommt das Lied ja eine ganz neue Bedeutung.
tickerchen 15.08.2013
3. ??
Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken?
MephistoX 15.08.2013
4. Was bringt der Blick nach hinten ?
Zitat von sysopDPAKanzlerkandidat Peer Steinbrück teilt die Kritik des früheren Parteichefs Franz Müntefering am misslungenen Wahlkampfstart der SPD. Er selber sei davon ausdrücklich ausgenommen, betont Steinbrück. Schuld ist demnach allein die Partei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-teilt-muenteferings-kritik-am-spd-wahlkampf-a-916814.html
Mich interessert der kleine partei-interne "Hickhack" nicht sonderlich, und "skandalös" ist das schon mal gar nicht. Was in meinen Augen zählt, ist vorrangig, dass am 22. September durch die Wähler echte realpolitische Alternativen zur schwarz-gelben Misere eröffnet werden - DAFÜR gilt es zu kämpfen ! :)
danido 15.08.2013
5. Tolle Show
Zitat von sysopDPAKanzlerkandidat Peer Steinbrück teilt die Kritik des früheren Parteichefs Franz Müntefering am misslungenen Wahlkampfstart der SPD. Er selber sei davon ausdrücklich ausgenommen, betont Steinbrück. Schuld ist demnach allein die Partei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-teilt-muenteferings-kritik-am-spd-wahlkampf-a-916814.html
Soso lieber Peer, du selbst bist also ausgenommen von der Kritik, dann wollen wir jetzt aber wissen wen der Müntefering denn nun genau meinte. Mit ein bissl parteiinternem Zwist, ein paar Wochen vor der Bundestagswahl, sollten wir uns langsam dem absoluten Höhepunkt dieses katastrophalem SPD-Wahlkampfes nähern.
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