Wahlkampf Frauen nehmen Steinbrück in die Mangel

Peer Steinbrück hat es bei Wählerinnen angeblich schwer - ein Grund mehr, beim Besuch von zehn Frauenverbänden alles zu geben. Die Damen löchern den SPD-Spitzenkandidaten zu Quote, Rente, Gleichstellung. Steinbrück kontert.
SPD-Kanzlerkandidat zu Besuch bei Spitzenfrauen: Durchaus Contra gegeben

SPD-Kanzlerkandidat zu Besuch bei Spitzenfrauen: Durchaus Contra gegeben

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Berlin - Schon hart, so ein Wahlkampf. Freitagmittag, ein Konferenzraum im Regierungsviertel. Draußen genießen die Touristen die Sonne, drinnen geht's ums Eingemachte. Fünf Frauen links, fünf Frauen rechts und in der Mitte der Kanzlerkandidat. "Jetzt nehmen wir Herrn Steinbrück mal in die kleine Zange", sagt eine. "Dagegen ist ein Untersuchungsausschuss ja harmlos", antwortet der Sozialdemokrat.

Steinbrück ist in den Bundestag gekommen, die Spitzen von zehn führenden Frauenverbänden nehmen ihn in die Mangel. Der Landfrauenverband ist da, der Juristinnenbund und auch der Verband Erfolgsfaktor Frau. Sie wollen wissen, was Steinbrück und die SPD denn für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu tun gedenken. Es ist ein kleines Verhör. Sie haben das Gleiche am Vormittag mit den anderen Parteien gemacht, aber Steinbrück ist in gewisser Weise der Höhepunkt.

Denn mit ihm und den Frauen ist das so eine Sache. Es gab mal eine Umfrage, in der Steinbrück recht schlecht abgeschnitten hat beim weiblichen Teil der Wählerschaft, und seitdem heißt es, er könne da nicht punkten - jedenfalls nicht so wie die Kanzlerin. Zu dröge, zu mürrisch. Manche sagen, das stimme gar nicht, aber wie auch immer: So ein Termin mit "Spitzenfrauen", wie sich die Anwesenden selbst nennen, kann ja in jedem Falle nicht schaden.

Wahlkampf eben.

Und - mal abgesehen von dieser angeblichen Frauenproblematik: So ganz ungelegen kommt der Termin ja nicht. Steinbrück kann eine halbe Stunde lang referieren, was in Sachen Gleichstellung so im SPD-Programm steht. Ausbau der Kinderbetreuung, die Abschaffung des Betreuungsgeldes, die Reform des Ehegattensplittings, ein Entgeltgleichheitsgesetz innerhalb der ersten 100 Tage und, natürlich, die Quote: 40 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten von Börsenunternehmen.

"Bis wann?", fragt eine Frau von rechts.

"Ohne schuldhaftes Zögern", antwortet Steinbrück.

"Das ist keine Jahreszahl."

Eine feste Jahreszahl mache "jetzt keinen Sinn", so Steinbrück.

"Die Grünen wollen das bis 2017 geregelt haben."

Steinbrück: "Ich sage: In der nächsten Legislaturperiode."

"Das is 'n Wort." Die Spitzenfrauen blicken sich zufrieden an.

Steinbrück macht seine Sache ordentlich. Ein bisschen Eigenlob ("Ich war einer der ersten, der eine Frau zur Staatssekretärin gemacht hat"), ein bisschen Selbstkritik ("Vor zehn Jahren war ich noch gegen eine Quote"). Der Kandidat kommt ganz gut an. Nur etwas freundlicher könnte er vielleicht gucken. Mitunter blickt er drein, als würde er mit dem Aufsichtsrat von ThyssenKrupp gerade schlechte Quartalszahlen diskutieren.

Er hat's auch nicht leicht. Wie er denn den Wirtschaftsbossen eine 40-Prozent-Quote verklickern wolle, wird er gefragt. Steinbrück denkt nach, dann sagt er, dass er mit einem "massiven Eigeninteresse" der Wirtschaft argumentieren würde. Und mit dem Fachkräftemangel. Und mit dem demografischen Wandel. Klingt logisch. Scheint aber irgendwie die falsche Antwort zu sein.

"Was heißt das im Umkehrschluss? Kein demografischer Wandel, keine Frauen?", fragt eine der Anwesenden misstrauisch.

"Ich habe doch nur auf ihre hypothetische Frage geantwortet, was ich den Wirtschaftsbossen sagen würde", sagt Steinbrück. Na gut. Die Runde lässt locker.

Eine Charmeoffensive startet Steinbrück nicht. Im Gegenteil. Er gibt den Frauen an der einen oder anderen Stelle durchaus Contra. Stärkere Anrechnung von Kindererziehungszeiten bei der Rente? "Dafür sehe ich keinen finanziellen Spielraum", sagt Steinbrück. Eine geschlechterparitätische Besetzung auf Regierungsgipfeln? "Das muss der Sache nicht in jedem Fall dienen." Wird Frauenförderung Chefsache? "Frauenförderung ist eine Querschnittsaufgabe", sagt der Kandidat. Er wolle sie nicht auf eine Person oder ein Ressort begrenzen.

Am Ende gibt es noch ein Gruppenfoto. Steinbrück steht auf, die Damen umringen ihn wie einen Etappensieger bei der Tour de France. "Das Foto will ich haben!", ruft Steinbrück.

Von wegen Probleme mit Frauen.