Gehalt des Regierungschefs Ein Kanzler ist kein Deutschland-CEO

Verdient ein Bundeskanzler zu wenig? Auf provokante Art hat Peer Steinbrück eine wichtige Debatte angestoßen - doch er gibt die falsche Antwort. Denn ein Regierungschef ist eben kein besserer Sparkassendirektor.
Peer Steinbrück: Der Kanzlerkandidat würde sich als Regierungschef unterbezahlt fühlen

Peer Steinbrück: Der Kanzlerkandidat würde sich als Regierungschef unterbezahlt fühlen

Foto: dapd

Das Gehalt des Bundeskanzlers ist zu niedrig: Mit dieser Kritik reiht sich Peer Steinbrück in eine große Tradition ein. Schon Helmut Kohl befand 1991, er sei als Kanzler unterbezahlt: "Jeder Zahnarzt verdient mehr als ich."

Statt des Zahnarztes zieht Steinbrück nun den nordrhein-westfälischen Sparkassendirektor heran. Kein besonders geschickter Vergleich, wenn man bedenkt, dass es ja auch die gut bezahlten nordrhein-westfälischen Sparkassendirektoren waren, die Steinbrück zu seinen üppigen Rednerhonoraren verholfen haben.

Es gehört bei Bundeskanzlern und anderen Spitzenpolitikern fast schon zum guten Ton, über die angeblich so miese Bezahlung zu meckern. Mit dem immer gleichen Subtext: Seht her, ich mache den Job ja trotzdem. "Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus", sagt Steinbrück, und will auf seine eckige Art vermutlich ausdrücken: Es geht mir nicht um den schnöden Mammon.

Damit gibt Steinbrück auch schon fast die Antwort auf die Frage, ob der Bundeskanzler in Deutschland mehr verdienen sollte. Mehr als die rund 17.000 Euro plus gut 1000 Euro steuerfreie Dienstaufwandsentschädigung, die Steinbrück nach einem Wahlsieg zustünden.

Die Antwort lautet: nein.

Klar, mit Vergleichen lässt sich die angebliche Ungerechtigkeit schnell belegen: Der Sparkassendirektor verdient genauso viel wie der Kanzler und hat deutlich weniger Verantwortung. Aber was sollte daraus folgen? Dass wir das Gehalt des Kanzlers verdoppeln? Dann wären wir nicht mehr in der Region eines Sparkassendirektors, sondern in der eines Landesbankenvorstands. Der hat mehr Zuständigkeiten, aber verglichen mit der Kanzlerin immer noch ein gemütliches Leben.

Die Motivation muss von innen kommen

Wollte man Angela Merkels Gehalt wirklich an dem ausrichten, was sich in der Wirtschaft verdienen lässt, dann müsste man schon ganz nach oben schauen. Der Vorstandschef der Deutschen Bank trägt vermutlich ähnlich viel Verantwortung wie die Kanzlerin - und erhielt 2011 über neun Millionen Euro.

Aber wollen wir wirklich in einem Land leben, in dem der Bundeskanzler zum Deutschland-CEO mutiert, der sich vor allem mit viel Geld für seine Arbeit motiviert? Und der zur Konkurrenzregierung wechselt, wenn in Berlin die Bezahlung nicht mehr stimmt? Mit solchen Argumenten werden ja die Spitzengehälter in der Wirtschaft begründet.

Sicher nicht. Zum Bundeskanzler muss man sich berufen fühlen, so pathetisch das klingen mag. Die Motivation muss von innen kommen. Im besten Falle sollte sie sich aus dem brennenden Wunsch speisen, Deutschland ein Stück besser zu machen. Im schlimmsten Fall geht es um Machthunger und Geltungsdrang. Im Normalfall um eine Kombination aus allem. Aber es geht zum Glück nicht ums Geld.

Von 17.000 Euro pro Monat lässt es sich ja sehr gut leben. Für 99 Prozent der Deutschen wird solch ein Einkommen immer unerreichbar bleiben. Doch zugleich reicht das Gehalt des Kanzlers (oder der Kanzlerin) nicht aus, um innerhalb weniger Jahre ein Vermögen anzuhäufen und fortan von den Zinsen zu leben - so wie das manchem Investmentbanker oder Top-Manager gelingt.

Darin steckt eine wichtige Aussage: Seinen Lebensunterhalt verdient der Kanzler durch Arbeit, genau wie das Gros der Deutschen. Und wenn Steinbrück tatsächlich die Wahl gewinnt, dann hat sich Angela Merkel ihre Pensionsansprüche ebenso durch ein Leben voller Arbeit verdient wie jeder Angestellte seine Rente. Dieses unsichtbare Band zwischen der politischen Elite und dem Rest des Landes würde leichtfertig zerschnitten, orientierte sich das Gehalt des Kanzlers künftig an dem von Top-Managern.