Hamburg - Ex-Finanzminister Peer Steinbrück wird aller Voraussicht nach SPD-Kanzlerkandidat. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE dafür nicht zur Verfügung. Wie Parteikreise bestätigten, will Parteichef Sigmar Gabriel dem SPD-Vorstand bereits am Montag in einer Sondersitzung Steinbrück als Kandidat vorschlagen.
Ursprünglich wollte die SPD-Troika aus Gabriel, Steinmeier und Steinbrück erst im kommenden Jahr entscheiden, wer von ihnen bei der Bundestagswahl 2013 als Spitzenkandidat antreten soll. Zuletzt war der Druck auf die Sozialdemokraten wegen einer rascheren Entscheidung immer größer geworden. Daraufhin beschloss die SPD-Spitze, die Antwort auf die K-Frage vorzuziehen.
Gabriel sagte seine Teilnahme am Kommunalkongress der bayerischen SPD-Landtagsfraktion in München am Freitag kurzfristig ab. Die nächste reguläre SPD-Vorstandssitzung war eigentlich für den 15. Oktober vorgesehen. Für den 24. November ist ein kleiner Parteitag der SPD in Berlin angesetzt, auf dem unter anderem über das Rentenkonzept Gabriels endgültig entschieden werden soll.
Der 65-jährige Steinbrück war zuletzt bereits Favorit für die Spitzenkandidatur. Steinmeier hatte Gabriel offenbar schon vor einigen Wochen darüber informiert, dass er nicht erneut antreten will. 2009 war Steinmeier als Herausforderer Merkels klar gescheitert.
In der SPD und dort vor allem bei den Parteilinken ist Steinbrück nicht unumstritten. Sie werfen ihm zu konservativen Positionen vor. In parteiinternen Umfragen liegt Steinbrück derzeit aber knapp vor Steinmeier - im direkten Vergleich mit Kanzlerin Merkel allerdings liegen beide deutlich zurück.
Die SPD hat in den vergangenen Wochen heftig um ein Rentenkonzept von Parteichef Gabriel gerungen, sich zuletzt aber auf einen Konsens geeinigt. Steinbrück will sich nun mit einem neuen Finanzmarktkonzept profilieren: Banken sollen dazu verpflichtet werden, einen Rettungsschirm mit eigenem Geld einzurichten. Dafür seien 150 bis 200 Milliarden Euro nötig, sagte er dem SPIEGEL. Außerdem fordert er, die Spekulation mit Rohstoffen zu verbieten.
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Der Kandidat steht fest: Peer Steinbrück hat sich im Rennen um die Kanzlerkandidatur in der SPD gegen Parteichef Sigmar Gabriel und den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier durchgesetzt.
SPD-Troika: Steinbrück mit den Parteifreunden Gabriel und Steinmeier (v.l.n.r.) im Juli 2011 in der Bundespressekonferenz.
Duell ums Kanzleramt: Als SPD-Spitzenkandidat tritt Steinbrück gegen Amtsinhaberin und CDU-Chefin Angela Merkel an - in der Großen Koalition zwischen 2005 und 2009 war er Merkels Finanzminister (hier ein Bild vom G-20-Gipfel im September 2009 in Pittsburgh).
Einfacher Abgeordneter: Im Moment ist der frühere Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gewöhnliches Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion.
Auch sein Amt als SPD-Vize, hier bei einer Sitzung des Parteivorstands im September 2009, hat Steinbrück abgegeben.
TV-Plausch: Steinbrück mit seinem Freund Helmut Schmidt zu Gast bei Günther Jauch in der ARD - der Altkanzler unterstützt Steinbrück in Sachen Kanzlerkandidatur.
Beim Bundesparteitag: Im November vergangenen Jahres sprach Steinbrück vor den SPD-Delegierten.
Der Kandidat steht fest: Peer Steinbrück hat sich im Rennen um die Kanzlerkandidatur in der SPD gegen Parteichef Sigmar Gabriel und den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier durchgesetzt.
Foto: dapdMelden Sie sich an und diskutieren Sie mit
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