Stimmungswechsel in der SPD Schwan soll gegen Köhler antreten

Konkurrenz für Horst Köhler: Immer mehr führende SPD-Politiker wollen Gesine Schwan ein zweites Mal für das Amt der Bundespräsidentin nominieren. Die Uni-Rektorin selbst möchte unbedingt antreten - auch Parteichef Beck zeigt sich jetzt offen für eine SPD-Kandidatur.


Berlin - Die SPD laviert, diskutiert, vertagt- und steht nun wohl doch kurz vor einer Entscheidung: In der Partei-Spitze wächst laut Zeitungsberichten der Rückhalt für Gesine Schwan. Unter Berufung auf Partei- und Fraktionskreise berichtete die Onlineausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an diesem Dienstag, Parteichef Kurt Beck werde die Präsidentin der Europa-Universität Frankfurt/Oder vorschlagen. Eine förmliche Entscheidung gebe es zwar noch nicht - doch laufe die Meinungsbildung in den Gremien auf die Kandidatur Schwans hinaus.

Gesine Schwan und Kurt Beck (2004): Unterstützung in der SPD wächst
DPA

Gesine Schwan und Kurt Beck (2004): Unterstützung in der SPD wächst

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, in Teilen der Parteispitze und auch bei Beck gebe es zwar weiter Bedenken gegen einen eigenen Kandidaten, der nur mit Unterstützung der Linkspartei Aussicht auf Erfolg hätte. Gleichwohl wüchsen die Zweifel, ob ein Verzicht auf einen Bewerber im Parteivorstand vermittelbar sei. Schwan selbst wolle unbedingt kandidieren, berichtete die "Süddeutsche" unter Berufung auf Parteikreise.

Beck selbst betonte in einem Interview der "Neuen Ruhr Zeitung", die Entscheidung sei offen. Allerdings sei seine Partei selbstbewusst genug, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Zunächst wolle er aber die Entscheidung Köhlers abwarten, ob er erneut antrete. Am Montag hatte das SPD-Präsidium beschlossen, sich in der Präsidenten-Debatte erst zu entscheiden, wenn der Amtsinhaber sich selbst geäußert hat.Die Entscheidung der SPD hänge indes nicht von einer Unterstützung durch die Linkspartei ab, sagte Beck. Schließlich habe Schwan bei ihrem ersten Anlauf 2007 bereits zwölf Stimmen mehr bekommen als SPD und Grüne hatten.

Die SPD hatte in den vergangenen Tagen heftig über eine mögliche Kandidatur Schwans diskutiert: Nach anfänglichen Signalen zugunsten einer Unterstützung Köhlers aus der SPD-Parteiführung hatten zahlreiche SPD-Politiker dafür plädiert, den höchsten Staatsposten nicht kampflos dem Unions- und FDP-Kandidaten Köhler zu überlassen. Unter anderem hatte SPD-Vize Andrea Nahles für eine Frau im höchsten Staatsamt plädiert und für Schwan geworben. Köhler will sich in Kürze zu seiner politischen Zukunft äußern.

Die wachsende Unterstützung für Gesine Schwan nährt in anderen Parteien unterdessen angeblich Zweifel daran, ob Horst Köhler für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen will. Die "FAZ" zitierte in ihrer Onlineausgabe einen ungenannten FDP-Politiker mit der Aussage, es sei "nicht undenkbar", dass Köhler auf eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit verzichte.

Unterdessen hat Gesine Schwan sich politisch zu Wort gemeldet: Bundeskanzlerin Angela Merkel warf die Präsidentin der Viadrina-Universität in Frankfurt/oder Konturlosigkeit vor.

"Mir ist nicht so ganz klar, an welchen Positionen sie hängt, aber das hilft ihr wahrscheinlich, zu moderieren", sagte Schwan am Dienstagabend während einer Podiumsdiskussion der Linkspartei in Frankfurt. Zu der Bundespräsidenten-Debatte wollte Schwan sie sich indes nicht äußern.

anr/Reuters/dpa/AP

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