Störfall in Schweden Strahlenschützer rügt deutsche AKW-Betreiber

Deutsche Atomkraftwerke sind sicher, erklärten die Betreiber nach dem jüngsten Störfall in Schweden. Das Bundesamt für Strahlenschutz will sich mit solchen schnellen Erklärungen nicht zufrieden geben - und fordert umfassende Untersuchungen.

Berlin - "Die deutschen Betreiber leisten ihrem eigenen Anliegen einen Bärendienst, wenn sie nach dem gravierenden Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark für ihre Anlagen reflexartig Entwarnung geben", sagte der Präsident des Strahlenschutzamtes Wolfram König. Die Akzeptanz für die "Hochrisikotechnologie" Atomkraft hänge vom Vertrauen in das Verantwortungsbewusstsein der Betreiber ab.

Dazu gehöre, dass Störfälle wissenschaftlich fundiert untersucht und bewertet werden. Bund und Länder prüfen derzeit, ob ein ähnlicher Fall sich in Deutschland zutragen könnte. Das Bundesumweltministerium rechnet mit ersten Ergebnissen Anfang dieser Woche.

Die Betreiber der 17 deutschen Atomkraftwerke hatten für ihre Anlagen einen Störfall ausgeschlossen, wie er sich am 25. Juli in Forsmark ereignet hatte. Nach einem Blitzschlag in eine Hochspannungsleitung war es dort zu einem Kurzschluss gekommen, nur zwei der vier Notstromaggregate des Kraftwerks waren angesprungen. Die schwedische Atomaufsicht hatte den Vorfall als sehr "ernst" eingestuft. Die Chefin der Kernkraftinspektion, Judith Melin betonte aber danach: "Es gab absolut nicht das Risiko einer Kernschmelze."

Kernkraftgegner sehen sich durch den Vorfall allerdings in ihrer Haltung bestätigt. So ermahnte der Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn die große Koalition: "Wenn Union oder SPD auf die Idee kommen, wieder in die Atomwirtschaft einzusteigen, sehen wir uns auf dem Acker wieder. Die Transparente stehen noch auf dem Dachboden, sie müssen nur frisch angemalt werden", sagte er der "Bild am Sonntag".

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag den von Rotgrün beschlossenen Atomausstieg bestätigt. Unionspolitiker stellen diese Festlegung jedoch gegen heftigen Widerstand der SPD immer wieder in Frage.

str/dpa/reuters

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