Störfeuer in der Union Fundi-Katholiken wollen Merkel weiter ärgern

Konservative Katholiken sehen nicht mehr genug "C" in der CDU und bei der Parteichefin schon gar nicht. Ihr Kampfbündnis "Arbeitskreis Engagierter Katholiken" hat sich inzwischen zwar weiter aufgespalten, aber das Unbehagen rumort weiter - in der Union tobt ein wahrer Kulturkampf.

CDU-Chefin Merkel: Kritik von konservativen Katholiken
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CDU-Chefin Merkel: Kritik von konservativen Katholiken

Eine Analyse von Gerd Langguth


Einige Fundamentalkatholiken machen mobil gegen Parteichefin Merkel. Der Vorwurf: Sie habe die Union zu einer verweltlichten Partei umgeformt und wisse mit dem "C"-Buchstaben im Parteinamen nichts anzufangen. Das deshalb Ende vergangenen Jahres aus der Taufe gehobene Kampfbündnis "Arbeitskreis Engagierter Katholiken" (AEK) führte aber schon nach kurzer Zeit zu einem ersten Schisma: Die bayerische Abspaltung, die in die CSU hineinwirken will, nennt sich "ChristSoziale Katholiken" (CSK) - ein herber Schlag für die Anti-Merkelianer des AEK.

Thomas Goppel (CSU) war einer der beiden Sprecher des AEK. Er hat offensichtlich von seinem bisherigen Mit-Sprecher Martin Lohmann (CDU) genug und gründete daraufhin den CSK. Goppel ist nicht irgendwer: Er gehört sozusagen zum Urgestein der bayerischen CSU. Der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel war lange Jahre CSU-Generalsekretär und Staatsminister in Bayern, zuletzt verantwortlich für die Hochschulpolitik. Er war einer der Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt - aber statt seiner wurde es Horst Seehofer, der seinen Rivalen dann aus dem Kabinett fernhielt. Sicherlich auch aus Frust darüber wirkte Goppel an der katholischen Initiative mit.

Da in dieser bayerischen Abspaltung Politiker von Gewicht - neben Goppel auch weitere Abgeordnete - mitwirken, war der katholische CSU-Chef Seehofer inzwischen bereit, Goppel und dem CSK innerparteilich ein Forum zu geben.

"Die bengalischen Feuer von Herrn Lohmann"

Goppel, der in der politisch-intellektuellen Auseinandersetzung stets eher das Florett als den Holzhammer nutzt, hatte die Art und Weise leid, wie sein Gründungskollege Lohmann die CDU-Parteivorsitzende öffentlich angreift: Sie sei Bundeskanzlerin und nicht Staatsratsvorsitzende, hatte Lohmann die Kanzlerin öffentlich belehrt. Goppel daraufhin: "Störfeuer sind lustig, aber die bengalischen Feuer von Herrn Lohmann sind uns dann doch ein bisschen zu heftig gewesen."

Es war auch Lohmann, der mitten in der Wahlkampfzeit eine Schrift veröffentlichte, in der er Angela Merkel unmittelbar und ganz persönlich angriff: "Eine wiederverheiratete geschiedene protestantische Frau ist halt auch im Blick auf das 'C' nicht mit Ansprüchen zu konfrontieren, die für Konrad Adenauer noch selbstverständlich waren." Lohmann trat inzwischen einer weiteren Merkel-kritischen Initiative bei, der "Aktion Linkstrend stoppen".

Der 53-jährige Lohmann, der als Chefredakteur der Koblenzer "Rhein-Zeitung" 2004 im Unfrieden mit seinem Verleger ausscheiden musste und seitdem unterschiedliche berufliche Positionen anstrebte, rühmt sich selbst, den ultramontanen Kölner Kardinal Meisner sehr zu "verehren" - dieser war auch der erste katholische Würdenträger, der die Lohmann-Initiative öffentlich begrüßte.

Strammer als Lohmann kann man die Amtskirche kaum verteidigen. Denn der Jesuitenschüler, dessen Aktivitäten in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" breiten Raum eingeräumt werden, nutzt seine Plattform, um etwa seine Deutung von Kinderschändereien in Schulen des Jesuitenordens zu veröffentlichen: "Nein, nicht das System ist schuld, sondern einzelne Menschen sind es. Diese haben sich vergangen, sind ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden und haben schwer gesündigt." Und unverdrossen formuliert er: "Am wenigsten ist die Sexuallehre der Kirche verantwortlich."

Lohmanns größtes Manko ist, dass nach der Spaltung in dem verbliebenen CDU-Teil kein profilierter Politiker von Gewicht in der Leitung mitwirkt. Der CSK-Sprecher Goppel ist hingegen von ganz anderem Kaliber, eine Anti-Figur zu Lohmann. Denn der Bayer ist ein Vollblutpolitiker, rhetorisch und intellektuell geschult. Lohmann hingegen hat in seiner Partei längst nicht das Standing eines Goppel. Er ist zwar CDU-Mitglied, aber ohne wirkliche eigene politische Erfahrungen. Jetzt versucht er mühsam, sich mit dem AEK eine Hausmacht aufzubauen. Dass führende CDU-Politiker bisher nicht hinter ihm stehen, verbrämt er mit dem Hinweis, viele seiner angeblichen Sympathisanten hätten Sorge wegen angeblicher Karrierenachteile in der Merkel-CDU.

Kohl wäre es nie in den Sinn gekommen, öffentlich einen Papst zu kritisieren

Auch wenn die innerparteiliche Reaktion auf die Lohmann-Initiative gerade bei führenden Katholiken eher unterkühlt ist, gibt es doch bei manchen katholischen Parteimitgliedern einiges Unbehagen über Merkel. Für sie war es irgendwie selbstverständlich, dass ein CDU-Bundesvorsitzender katholisch zu sein hat, für manche war die CDU sogar ein verlängerter Arm der katholischen Kirche. Zwar war auch einmal in den sechziger Jahren ein Protestant 14 Monate lang CDU-Bundesvorsitzender (Ludwig Erhard, 1966/1967), doch hatten die katholischen Parteimitglieder zumindest bis 1998 das Gefühl, in einer von Katholiken dominierten Partei zu sein: Konrad Adenauer, Ludwig Erhards Nachfolger Kurt Georg Kiesinger, Rainer Barzel und Helmut Kohl waren allesamt Katholiken - letzterer war sogar 25 Jahre Vorsitzender.

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Seite 1
kdshp 15.01.2010
1.
Zitat von sysopGleiche Chancen für alle, mehr Offenheit nach links: CDU-Chefin Angela Merkel hat das Konzept ihrer Partei für die kommenden Jahre präsentiert. Kritik an ihrem Führungsstil ficht sie nicht an - im Gegenteil: Sie preist die Diskussionskultur der Christdemokraten. Wie und wo sehen Sie die Zukunft der CDU?
Hallo, unter 30% wenn die auch anfangen ihre wähler zu verprellen wie die SPD. Und wo hat die "Diskussionskultur der Christdemokraten" was gebracht außer das man nicht weiß woran man als wähler ist ? Die tage frau merkel im TV : Schweigen wäre auch eine art der diskussion !
redkiller 15.01.2010
2. Sauber MErkel
Seit Tagen wird gegen Merkel in den Medien gehetzt und gemobbt, weil die CDU nicht eingeknickt ist in der Personalie Brender . Heute hat sich Merkel der MEdienmeute gestellt und nicht nur gelächelt , sondern sie sauber nass gemacht. Es gibt keinen Zweifel das Merkel heute gezeigt hat, das der Großteil unser Linken und Linkischen Medien eigentlich sehr hirnlos gegen Merkel agiert, die Kritikpunkte hat sie sauber ausgekontert.
Incroyable 15.01.2010
3.
Zitat von sysopGleiche Chancen für alle, mehr Offenheit nach links: CDU-Chefin Angela Merkel hat das Konzept ihrer Partei für die kommenden Jahre präsentiert. Kritik an ihrem Führungsstil ficht sie nicht an - im Gegenteil: Sie preist die Diskussionskultur der Christdemokraten. Wie und wo sehen Sie die Zukunft der CDU?
Na klar! Zeigt sich ja in internationalen Vergleichen (z.B. PISA) immer wieder. Da bekommen aber sicher viele Stammwähler richtig Angst. Von wegen Freiheit statt Sozialismus.[/QUOTE] Alles wie sie es als FDJ Funktionärin im DDR Regime gelernt hat. Schwarz, nur leider lassen sich immer noch zu viele Menschen etwas vormachen.
Emil Peisker 15.01.2010
4. Sie haben wohl eine Richtungssehschwäche?
Zitat von redkillerSeit Tagen wird gegen Merkel in den Medien gehetzt und gemobbt, weil die CDU nicht eingeknickt ist in der Personalie Brender . Heute hat sich Merkel der MEdienmeute gestellt und nicht nur gelächelt , sondern sie sauber nass gemacht. Es gibt keinen Zweifel das Merkel heute gezeigt hat, das der Großteil unser Linken und Linkischen Medien eigentlich sehr hirnlos gegen Merkel agiert, die Kritikpunkte hat sie sauber ausgekontert.
Na, Sie Mörder der Roten. Sie haben wohl eine Richtungssehschwäche? Die Kritik der letzten Woche kam vorwiegend aus Unionskreisen. Die SPD und die Linken haben davon kaum profitiert, obwohl sie als Opposition für solche Steilvorlagen dankbar sein müssten. Wenn selbst der "linke" DGB-Boss Sommer die Merkel gegenüber der Unionskritik in Schutz nimmt, ist Ihr Eindruck, die Kritik käme vorwiegend aus Linken Medien, schon äußerst schielend, oder? Emil
Adran, 15.01.2010
5.
Zitat von Emil PeiskerNa, Sie Mörder der Roten. Sie haben wohl eine Richtungssehschwäche? Die Kritik der letzten Woche kam vorwiegend aus Unionskreisen. Die SPD und die Linken haben davon kaum profitiert, obwohl sie als Opposition für solche Steilvorlagen dankbar sein müssten. Wenn selbst der "linke" DGB-Boss Sommer die Merkel gegenüber der Unionskritik in Schutz nimmt, ist Ihr Eindruck, die Kritik käme vorwiegend aus Linken Medien, schon äußerst schielend, oder? Emil
Emil warste auch auf Short bei Euro, als merkelgerüchte aufkamen? Wer da wohl dran verdient hat, wird kein Linker gewesen sein ;)
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