Stoiber für Deutschland Bundes... äh... präsident

Bundespräsident Edmund Stoiber? Der Betroffene hält die Idee seiner Parteifreunde für "Unsinn". Die Linke hatte sich indes schon auf Super-Edi gefreut: "Seine Wahl wäre ein Glücksfall für alle Kabarettisten", sagte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau.


"Stoiber kann grundsätzlich alles", sagte der bayerische CSU-Landtagsabgeordnete Bernd Sibler. Wenn der jetzige Bundespräsident Köhler nicht für eine zweite Amtszeit kandidiere, sei "vieles denkbar" - sprich: Edmund Stoiber könne dann Bundespräsident werden.

Fußballfan Edmund Stoiber: Bundes-... äh... Präsident
DPA

Fußballfan Edmund Stoiber: Bundes-... äh... Präsident

Mit dem Vorstoß für eine Kandidatur Stoibers hatte zunächst die bayerische Sozialministerin Christa Stewens überrascht. "Hervorragend" wäre ihr scheidender Ministerpräsident für das höchste Staatsamt geeignet, hatte Stewens zur "Bild"-Zeitung gesagt. Vor allem wäre er "ein Bundespräsident der einfachen Leute". Zu dieser bemerkenswerten Empfehlung kamen im Laufe des Tages weitere hinzu. Doch nicht jeder war so begeistert wie Sibler. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt", sagte etwa der CSU-Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken.

Dass seiner Meinung nach nie der richtige Zeitpunkt für einen Bundespräsidenten Stoiber wäre, ließ Volker Beck, der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, durchblicken. "Wer soll den denn wählen", fragte Beck. Bevor die Union in der Bundesversammlung nicht über die alleinige Mehrheit verfüge, sehe er keine Chancen für Stoiber, sagte er der "Netzeitung".

"Glücksfall für alle Kabarettisten"

"Seine Wahl wäre ein Glücksfall für alle Kabarettisten", sagte die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, die sich bei dieser Gelegenheit selbst zur humorpolitischen Sprecherin der Linksfraktion ernannte. "Denn kein zweiter Politiker kann nüchtern so viel unverständliches Kauderwelsch reden wie Edmund Stoiber."

Der so ins Gespräch gebrachte, wies pflichtschuldig alle Vorschläge als "Unsinn" zurück. "Es machen sich so viele Leute Gedanken um mich, das ist nicht notwendig", sagte Stoiber dem Bayerischen Rundfunk. "Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, er ist der beliebteste Politiker oder Repräsentant in Deutschland und wir werden alles tun, dass er wieder Präsident wird." Die erste Amtszeit von Köhler endet im Mai 2009, erst Mitte nächsten Jahres will er bekanntgeben, ob er für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht. Stoiber hingegen wird im Herbst seine Ämter als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender aufgeben.

Dementiert hatte Stoiber in seiner politischen Karriere indessen schon häufiger, um dann hinterher doch wieder mit diversen Ämtern zu liebäugeln. Erst Anfang des Monats hatte er sich nebulös über seine Zukunft geäußert: "Warten Sie es einfach ab. Vielleicht sagen Sie dann Ende des Jahres: Hätten wir gar nicht geglaubt."

"Freiwilliger Politiker, unfreiwilliger Humorist"

Dass Stoiber dem höchsten Amt der Bundesrepublik seinen eigenen rhetorischen Stempel aufdrücken würde, bezweifeln auch seine Kritiker nicht. Geradezu legendär sind seine Versprecher und Verwechslungen. So hatte Stoiber die TV-Moderatorin Sabine Christiansen im Wahlkampf mit "Frau Merkel" angesprochen. Unlängst sprach er vom "US-Präsidenten Breschnew".

Der Münchner Kabarettist Django Asül würdigte Stoiber beim traditionellen Derblecken beim Starkbieranstich am Nockherberg noch im März dieses Jahres für seine sprachlichen Leistungen: "Am Aschermittwoch gründeten Sie den 'Verein für deutliche Aussprache'. Herr Stoiber, wir werden die Momente, in denen Sie mit deutlicher Aussprache brilliert haben, vermissen. Denn es waren nicht viele."

Die Freunde des so gelobten reagierten auf ihre Weise. Für den nächsten Starkbieranstich wurde Asül vom Veranstalter, der Paulaner-Brauerei, ausgeladen. "Sie kamen als freiwilliger Politiker und gehen als unfreiwilliger Humorist", hatte der Künstler gesagt - als Anrede für einen Präsidenten würde sich das wohl nicht mehr geziemen.

stx/ddp/dpa/Reuters

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