Strauß' Feder Bayernkurier-Chef Scharnagl wirft das Handtuch

Nach dem Tod Franz Josef Strauß' führte Wilfried Scharnagl vom "Bayernkurier" die Tradition des konservativen Polterers fort. Nun ist der Altvordere im Zorn zurückgetreten.


München - Nach 24 Jahren als Chefredakteur des "Bayernkuriers" hört Wilfried Scharnagl beim CSU-Organ auf. Der 62-Jährige teilte am Donnerstag überraschend mit, er werde sich ab März "noch einmal neuen Aufgaben zuwenden". Grund des vorzeitigen Rückzugs soll ein Zerwürfnis mit CSU-Generalsekretär Thomas Goppel sein.

Schrieb, was Strauß dachte: Winfried Scharnagl
AP

Schrieb, was Strauß dachte: Winfried Scharnagl

Goppel hatte die Finanzmittel des defizitären "Bayernkuriers" immer wieder beschnitten, um den acht Millionen Mark hohen Schuldenberg der CSU nicht noch weiter anwachsen zu lassen. So war zum Beispiel die "Bayernkurier"-Ausgabe zum Jahreswechsel eingespart worden. Die ständigen Differenzen hätten zum Zerwürfnis geführt, hieß es.

Scharnagl war einer der engsten Vertrauten des langjährigen CSU-Chefs Franz Josef Strauß. "Scharnagl schreibt, was ich denke, und ich denke, was Scharnagl schreibt", erklärte Strauß einmal. Er hatte den Journalisten vom "Freisinger Tageblatt" geholt und 1977 zum Chefredakteur des Parteiblatts gemacht. Scharnagl teilte zum Abschied mit, den "Bayernkurier" zu gestalten, sei ihm "nicht nur ernst genommene Pflicht, sondern immer auch Erfüllung und Freude" gewesen.

Vergangenes Jahr hatte die CSU sogar die Schließung der 50 Jahre alten Wochenzeitung erwogen, die jährlich vier Millionen Mark Zuschuss kostete. Eine Kooperation mit dem Verlag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" rettete den "Bayernkurier" aber. Seither erscheint er neu aufgemacht in einer Auflage von nur noch 80.000 Exemplaren, und als Herausgeber zeichnet nicht mehr der verstorbene Strauß, sondern der heutige Parteichef Edmund Stoiber.



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