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Piraten: Zoff an der Spitze

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Führungskrise bei den Piraten "Alter, wie verstrahlt bist Du denn?"

Der Führungsstreit bei den Piraten eskaliert. Geschäftsführer Johannes Ponader veröffentlicht einen SMS-Wechsel: Angeblich soll ihn der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer zum Rücktritt gedrängt haben - mit der Warnung, sonst würde es "ganz gewaltig knallen".

Hamburg - Wer dachte, der Tiefpunkt der innerparteilichen Streitigkeiten bei den Piraten sei erreicht, hat sich getäuscht. Nun hat Johannes Ponader, der in der Kritik stehende politische Geschäftsführer der Piraten, einen brisanten SMS-Wechsel veröffentlicht. Darin fordert ihn angeblich der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer mit einer Drohung zum Rücktritt auf.

Ponader stellte am Donnerstag zwei Screenshots des SMS-Wechsels online. Dort schreibt jemand: "Lieber Johannes, wenn Du bis morgen 12:00 Uhr nicht zurück getreten bist, knallt es ganz gewaltig. Ich seh mir nicht mehr länger schweigend und untätig an, wie Du meine Partei gegen die Wand fährst." Es entspinnt sich ein Dialog, der mit folgender Bemerkung jener Person, die angeblich Lauer ist, endet: "Alter, wie verstrahlt bist Du denn? Du merkst ja gar nichts mehr."

Die Personen reden sich mit "Christopher" und "Johannes" an. Der beschuldigte Lauer wollte nicht bestätigen, ob die SMS von ihm stammen. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE sagte Lauer: "Dass ich in der Vergangenheit die Arbeitsweise von Johannes Ponader kritisiert habe, ist hinreichend bekannt. Ich habe aber keinerlei Interesse daran, eine Personaldebatte zu befeuern. Zu besagtem Blogpost kann ich nur sagen: Entweder die SMS sind echt - dann handelt es sich um die Veröffentlichung privater, vertraulicher Kommunikation. Oder aber sie sind nicht echt - dann handelt es sich um eine falsche Tatsachenbehauptung seitens Ponaders. Beides wäre eine maßlose Frechheit."

Auf der Website, auf der der SMS-Wechsel veröffentlicht ist, heißt es: "Ich bin mir bewusst, dass die Veröffentlichung einer 'privaten' SMS eigentlich einen Vertrauensbruch darstellt, aber von Vertrauen kann bei dem Inhalt wohl keine Rede mehr sein."

Ponader rechtfertigte die Veröffentlichung auf Twitter: "Es tut mir leid, wenn das neue interne Debatten auslöst. Aber eine Drohung öffentlich zu machen, ist das einzige, was hilft." Weitere Kommentare wollte Ponader auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht abgeben.

Ponader ist im Bundesvorstand isoliert und sah sich bereits mehrfach zum Rücktritt aufgefordert. Erst am Dienstagabend war der 35-Jährige bei einem öffentlichen Online-Stammtisch mit Parteichef Bernd Schlömer heftig aneinandergeraten. Dabei ging es um die von Ponader angezettelte Diskussion, im Mai den Bundesvorstand neu zu wählen, was der Rest des Parteivorstands ablehnt. Schlömer sagte, er fühle sich von Ponader hintergangen, dieser warf seinem Parteichef vor, ohne Rücksprache Informationen zu Rücktrittsdeals herausgegeben zu haben.

fab/amz
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