Streit in der Union Schönbohm knöpft sich Merkel-Kritiker vor

Der brandenburgische CDU-Landeschef Jörg Schönbohm hat Angela Merkel gegen die parteiinternen Kritiker verteidigt.


Berlin – "Die jetzt Kritik an Angela Merkel üben, müssen sagen, was sie wollen", sagte Schönbohm. "Wollen Sie, dass die Amerikaner aus dem Irak jetzt abziehen? Wollen sie damit den Mittleren Osten in Instabilität stürzen? Wollen Sie, dass der Vertrag zwischen Saddam Hussein und Russland über die Lieferung von 4000 Panzern wirksam wird? All die Fragen haben diese Kritiker zu beantworten", sagte Schönbohm. "Wir müssen endlich einmal wegkommen von dieser Gefühlsbetroffenheit. Wir müssen den Problemen rational begegnen", sagte der CDU-Politiker.

Der Innenminister Brandenburgs bezog sich insbesondere auf die jüngsten Äußerungen des ehemaligen außenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Karl Lamers. Dieser hatte Merkel vorgehalten, sich vorbehaltlos an die Amerikaner gehängt zu haben. Auch der CSU-Politiker Peter Gauweiler hatte Merkel erneut angegriffen und moniert, das Verhältnis der Union zu den USA dürfe "keine unkritische Ja-und- Amen-Beziehung" sein.

Schönbohm sagte, ihn ärgerten diese Aussagen sehr. Merkel habe eine differenzierte Haltung. CDU-Politiker sollten sich vielmehr auch mit Äußerungen von Demonstranten beschäftigen, "die Saddam Hussein und den amerikanischen Präsidenten George W. Bush auf eine Stufe stellen", forderte Schönbohm: "Das ist für uns nicht akzeptabel." Er sei sicher, "dass sich Merkel in der Partei durchsetzen wird. Auch an Helmut Kohl ist in der Nachrüstungsfrage massive Kritik geäußert worden, und er hat sich durchgesetzt."

Er habe als einer, der "als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt hat", gewisses Verständnis für die Kriegs-Gegner. Zwar ließe sich über die Entwicklung des Krieges einiges sagen. "Aber Politik muss nun die Zukunft in den Blick nehmen." Dazu gehört auch die Zukunft des transatlantischen und des europäischen Verhältnisses.

Der CDU-Landeschef räumte ein, dass es auch in seinem Landesverband Debatten über den Kurs von Merkel gebe. Die Stimmung sei aber auch Resultat der Politik der Bundesregierung: "Es ist nie informiert worden, welche Bedrohung von Saddam Hussein ausgeht."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.