Streit über PID Bischöfe predigen gegen Embryonentests
Untersuchung im Labor: Der Bundestag muss eine Regelung für die PID finden
Foto: Waltraud Grubitzsch/ dpaBerlin - Deutschlands Bischöfe protestieren in Weihnachtspredigten gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID), mit der Eizellen vor der künstlichen Befruchtung auf Gendefekte untersucht werden können. "Es besteht die Gefahr eines Dammbruchs, wenn sich der Mensch zum Herrn über andere Menschen macht und bestimmt, welches Leben sich entwickeln darf und welches nicht", sagte Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.
Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen außerhalb des Mutterleibs auf Erbkrankheiten untersucht. So sollen Fehl- und Totgeburten oder die Geburt eines schwerkranken Kindes vermieden werden. Hinter dieser Weltanschauung stehe eine irregeleitete Sucht nach Glück, sagte Zollitsch: "Die Rückseite der Vergötzung des Glücks ist brutal: möglichst gesund, möglichst so, dass ich möglichst viel möglichst genussvoll erleben kann." Wer so denke, für den sei klar, dass missgebildeten Menschen ein glückloses Leben erspart werden müsse. "Wer entscheidet, welche Krankheit ein glückliches Leben verhindert?" fragte Zollitsch. "Das ist ein von der Diktatur des Glücks pervertierter Humanismus, der sich seiner selbst auch noch gewiss ist." Wenn man durch PID "die Möglichkeiten dazu schafft, Embryonen mit möglichen Behinderungen oder Anlagen zu möglichen Krankheiten durch Selektion auszuscheiden und zu töten, dann wird dies auch geschehen".
Präimplantationsdiagnostik (PID)
Diese Haltung erschwere auch das Leben von Behinderten in der Gesellschaft. "Es entsteht ein - vielleicht auch nur unterschwelliger - Druck, Menschen mit Behinderungen oder Eigenheiten nicht mehr zu akzeptieren." Dadurch werde die Gesellschaft weniger menschlich, nicht glücklicher.
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck schloss sich der Verbotsforderung an. In seiner Predigt am Heiligabend sagte der katholische Geistliche, bei der PID übernehme niemand die notwendige Schutzfunktion für das werdende Leben. "Über das Leben darf und kann niemand entscheiden. Das Leben ist Geschenk, es kommt von Gott; wir Menschen werden damit beschenkt." Der Staat und die Politik könnten ihre Schutzfunktion für entstehendes Leben nur durch ein Verbot der PID wahrnehmen.
Friedrich: Kein Recht auf ein gesundes Kind
Auch der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat sich in seiner Weihnachtspredigt am Samstag in München gegen die Methode gewandt. "Gott kennt uns, bevor wir geboren werden, und hält uns bis zu unserem letzten Atemzug in seinen Händen", sagte er. Das Leben beginne mit der Verschmelzung von Samen und Eizelle, es sei ein Geschenk Gottes und keine Verfügungsmasse der Menschen. Daher könne es kein Recht auf ein gesundes Kind geben. Christen könnten nicht akzeptieren, wenn durch die Zulassung der PID ein Instrument geschaffen würde, "das erklärtermaßen das Ziel der Selektion" habe.
Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Parlamentariern hatte zuletzt einen Gesetzentwurf vorgestellt, der die PID in engen Grenzen erlauben soll. Die Gegner wollen allerdings bald nachziehen.
Im deutschen Embryonenschutzgesetz von 1990 wurde die Präimplantationsdiagnostik noch nicht ausdrücklich geregelt und galt daher als strafbar. Mit einem Urteil vom Juli dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof (BGH) allerdings die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Genschäden erlaubt. Deswegen steht nun eine gesetzliche Regelung an. Die Abstimmung im Bundestag soll ohne den sogenannten Fraktionszwang stattfinden.