Streit um Brunsbüttel Vattenfall hält AKW für sicher

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel bleibt ein Streitobjekt. Nach Angaben des Betreibers Vattenfall kann das Werk mit dem jetzigen Notstromsystem sicher betrieben werden. Bundesumweltminister Siegmar Gabriel sagte daraufhin eine Laufzeit bis 2009 zu.


Hamburg - Gabriel hatte den Betreibern vorher diese Laufzeit zugesichert, falls sie seinen Fragenkatalog zur Sicherheit befriedigend beantworten könnten. Der Minister werde nun nicht "aus Willkür heraus" diesen oder andere Atomreaktoren mit Betriebsgenehmigungen stilllegen, sagte sein Sprecher Michael Schroeren.

Grüne und Umweltschützer verlangen dagegen eine umgehende Stilllegung. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und ihre Stellvertreterin Bärbel Höhn warfen dem Betreiber vor, "wochenlang schwerwiegende Sicherheitsmängel verheimlicht" zu haben. Gabriel müsse nun umgehend prüfen, "ob dem Konzern die Betriebserlaubnis für Atomreaktoren generell zu entziehen ist".

Nach Ansicht von Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE) verfügt der Reaktor über eine gesicherte Notstromversorgung für alle denkbaren Störfälle. Brunsbüttel sei "besonders gut auf mögliche Störungen in der Stromversorgung vorbereitet", sagte VENE-Geschäftsführer Bruno Thomauske. Diese sei bei einem Ereignis wie im schwedischen Forsmark und bei weiter gehenden Szenarien gesichert. "Ein gleichzeitiger Ausfall der Wechselrichter ist in Brunsbüttel, anders als in Forsmark, aber ausgeschlossen", fügte Thomauske hinzu.

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) wollte sich zum Inhalt der Stellungnahme zunächst nicht äußern. Sie kritisierte jedoch das Verhalten des Betreibers. Dessen Informationen zur Sicherheit seien "zu glatt". Das Ministerium gehe möglichen Schwachstellen im Kernkraftwerk nach. Gegenstand der Untersuchungen seien die Wechselrichter in der Notstromversorgung.

Der Meiler an der Unterelbe war in die Kritik geraten, nachdem die Deutsche Umwelthilfe dort noch größere Mängel als beim Kraftwerk in Forsmark ausgemacht hatte. Das Kernkraftwerk soll laut Atomkonsens Anfang 2009 vom Netz gehen.

bri/dpa/AP/ddp



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