Streit um Chefposten Machtkampf in der NPD eskaliert

Der Machtkampf bei der rechtsextremen NPD spitzt sich zu: Andreas Molau zieht seine Kandidatur unter wütenden Vorwürfen zurück. Nun soll Mecklenburg-Vorpommerns Fraktionschef Pastörs den umstrittenen Parteichef Voigt herausfordern - am liebsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Berlin - Das Video, das der Bundesvorsitzende der rechtsextremen NPD vor einigen Tagen auf der Homepage seiner Partei unter der Überschrift "Appell zur Besonnenheit - Gemeinsamkeit statt Bruderkrieg" plazieren ließ, entbehrte nicht einer gewissen - wenn auch ungewollten - Komik: Da blickt Udo Voigt nachdenklich aufs Wasser, um sich sodann an die "Kameradinnen und Kameraden" zu wenden. Besorgt spricht er über die Medienberichte, in denen der Selbstzerfleischungsprozess seiner Truppe beleuchtet wird. Dann deutet er auf den Baum hinter sich und sagt: "Wenn ich im Hintergrund die Trauerweide sehe, dann bedauere ich, dass wir uns in dieser Situation befinden."

NPD-Fraktionschef Udo Pastörs im Schweriner Landtag: Herausforderer für Udo Voigt
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NPD-Fraktionschef Udo Pastörs im Schweriner Landtag: Herausforderer für Udo Voigt

So ganz trifft es die harmlos-bemühte Gehölz-Metapher wohl nicht. Denn in der NPD tobt schon seit Wochen ein Macht- und Flügelkampf, der nun einen neuen Höhepunkt erreicht. Auf der Homepage des starken NPD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern hat Andreas Molau, Pressesprecher der dortigen Landtagsfraktion, am Mittwoch überraschend den Verzicht auf seine ursprünglich geplante Kandidatur für den Chefposten bei den Rechtsextremisten erklärt. Stattdessen soll nun Udo Pastörs, Fraktionschef in Schwerin, gegen den in der Partei umstrittenen Voigt antreten.

Molau hatte erst Ende Dezember, mit Rückendeckung der mächtigen NPD-Landesfürsten Pastörs und Holger Apfel aus Sachsen, überraschend verkündet, Voigt beim für Ende März geplanten Bundesparteitag herausfordern zu wollen. Daraufhin brach eine beispiellose Schlammschlacht über die braune Truppe hinein.

Einer der Höhepunkte war ein dilettantisch gedrehtes Video-Interview, in dem NPD-Bundesvize Jürgen Rieger, ein Vertreter des ultrarechten Flügels der NPD, genüsslich über den Ex-Waldorflehrer Molau herzog. Unter anderem bezeichnete Rieger Molau als "Achteljuden".

Frontalangriffe von Molau

In der persönlichen Erklärung, in der Molau jetzt seine Kandidatur zurückzog, greift er wiederum Rieger und seinen angeschlagenen Chef Voigt frontal an. Letzterer sei "inzwischen nur noch eine willfährige Marionette des Börsenspekulanten Rieger", welcher in seinem "schmutzigen Interview" nur "wilde Spekulationen und dreiste Lügen über mich ausgestreut" habe. Unter anderem habe der Neonazi-Anwalt laut Molau behauptet, "ich sei als Kandidat vom Staat geschickt, wolle Schwarze in die NPD hereinholen, verehre Stauffenberg usw.".

Udo Voigt indes sei sowieso unfähig. Molau: "Weder der Finanzskandal in Thüringen veranlassten ihn zu Konsequenzen, die Affäre Kemna , noch die jetzt notwendig gewordene Selbstanzeige der Partei beim Deutschen Bundestag." Ein Parteivorsitzender, so Molau, "der nicht merkt, dass Beträge in hunderttausender Größe aus den Parteikassen verschwinden, hat die Legitimation zur Führung der Partei verloren".

Voigt führe die Partei nicht mehr, sondern verwalte sie höchstens. "Und genauso stellt sich die NPD zwischen Porno-Affäre und Finanzskandal dar."

Presse soll beim Parteitag nicht dabei sein

Molau war erst kürzlich wegen innerparteilicher Querelen aus dem NPD-Bundesvorstand ausgetreten. Nun will der stellvertretende niedersächsische Landesvorsitzende nicht einmal mehr ausschließen, die NPD zu verlassen. "Ich kann im Moment nicht sagen ob ich in der Partei bleiben will", sagte er SPIEGEL Online. Auf keinen Fall aber stehe er für ein Amt unter den Vorsitzenden Voigt oder Rieger zur Verfügung.

Pastörs bestätigte auf der Homepage seines Landesverbandes, dass er gegen Voigt antreten will. Den möglicherweise unappetitlichen Kampf um den Chefsessel will man aber lieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausfechten. Man habe im Landesvorstand beschlossen, "einen Antrag auf Nichtzulassung der Presse zu stellen, wie dies schon zuvor durch den Landesverband gegenüber dem Parteivorstand gefordert wurde", heißt es in einer Erklärung.

Parteichef Udo Voigt sehnt indessen klare Verhältnisse herbei: "Die andere Seite soll endlich mal wissen, was sie will und wen sie für den Parteivorsitz ins Rennen schicken will", sagte er zu SPIEGEL ONLINE .

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