Streit um Elián Exil-Kubaner wollen Miami lahm legen

Aus Protest gegen die Polizeiaktion zur Übergabe des kubanischen Flüchtlingsjungen Elián an seinen Vater wollen die Exil-Kubaner nun mobil machen. Für Dienstag haben sie einen Streik in Miami angedroht.


Miami/Washington - Dutzende Geschäfte sollten nicht öffnen und zahlreiche Arbeiter wollten zu Hause bleiben. Die Organisatoren der Aktion riefen zudem Eltern auf, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken. Die lokalen Behörden versicherten jedoch, dass das öffentliche Leben nicht beeinträchtigt werde. Besonders groß war die Unterstützung für den Protest im Stadtteil Little Havana, aus dem der Sechsjährige am Samstag mit Gewalt aus dem Hause seines Großonkels abgeholt wurde.

Wollen Miami lahmlegen: Exil-Kubaner in Little Havanna
DPA

Wollen Miami lahmlegen: Exil-Kubaner in Little Havanna

Die Polizeiaktion wird möglicherweise auch ein Nachspiel im amerikanischen Kongress haben. Der Vorsitzende des Justizausschusses des Repräsentantenhauses, der republikanische Abgeordnete Henry Hyde, kündigte am Montag Voruntersuchungen seines Ausschusses an. Dabei solle geklärt werden, ob die Gewaltanwendung notwendig und angemessen gewesen sei. Der Voruntersuchung könnte sich eine Anhörung anschließen. Justizministerin Janet Reno sollte sich am Dienstag mit dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Trent Lott, und weiteren Senatoren treffen, um deren Fragen zu der Sache zu beantworten. Am Montag verteidigte sie die Polizeiaktion in mehreren Interviews. "Ich tat mein Möglichstes, diese Situation zu vermeiden", sagte Reno dem Fernsehsender NBC. Die Familie in Miami habe ihre Zusagen aber nicht gehalten: "Am Ende taten wir, was wir tun mussten."

Maskierte und bewaffnete Beamte der US-Einwanderungsbehörde hatten am Samstagmorgen das Haus von Eliáns Verwandten in Miami gestürmt, bei denen der Junge fünf Monate lebte, und den völlig verstörten Jungen aus einem Kleiderschrank geholt. Anschließend wurde er in einer Sondermaschine zu seinem Vater nach Washington geflogen, der aus Kuba angereist war, um seinen Sohn wieder mit nach Hause zu nehmen.



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