Münchhausen-Check Wenn alte Männer gegen die Frauenquote zicken

Sie möge nicht so "weinerlich" sein, pflaumte Unionsfraktionschef Kauder Familienministerin Schwesig an, als sie für die Frauenquote kämpfte. Die SPIEGEL-Dokumentation macht den Faktencheck: Wer ist die wahre "Drama-Queen"?
Von Hauke Janssen
Unionsfraktionschef Volker Kauder: Der Kragen geplatzt

Unionsfraktionschef Volker Kauder: Der Kragen geplatzt

Foto: Axel Schmidt/ Getty Images

Anfang der Woche einigten sich die Spitzen von SPD und CDU/CSU auf die Einführung einer Frauenquote. Ab 2016 müssen 30 Prozent der Aufsichtsratsposten der gut hundert größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland weiblich besetzt sein.

So steht es schon im Koalitionsvertrag. Dennoch gab es Widerstand aus den Reihen der Union. Man forderte Ausnahmen, gar eine Verschiebung, weil die Quote, so hieß es aus der CSU, die ohnehin lahmende Wirtschaft zusätzlich belaste.

Ablehnend äußerte sich auch der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates: "Das Geschlecht" könne "kein Ersatz für Qualifikation sein", sagte Kurt Lauk im Deutschlandfunk .

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) verwahrte sich gegen solche Kritik: Es sei eine "Unverschämtheit, wenn Frauen in Führungspositionen als Belastung für die Wirtschaft dargestellt werden", sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Letztlich, so Schwesig, ginge es um "Macht, Geld und Einfluss", und daran wollten auch die Frauen teilhaben.

Sie blieb hart und hielt auch an Plänen für Sanktionen fest, falls vom Quotengesetz betroffene Unternehmen diese bis 2016 nicht umsetzen sollten .

Als Schwesig diese Unternehmen obendrein verpflichten wollte, amtlich zu dokumentieren, weshalb ihnen die Einhaltung nicht möglich gewesen sei, platzte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) der Kragen.

Im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung erteilte er kurz vor der geplanten Beschlussfassung solchen Forderungen eine Absage: Die Frauenquote komme genau so, wie es im Koalitionsvertrag steht. "Kein Deut mehr". 

Im ZDF-Morgenmagazin legte er noch einmal nach: "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein, sondern sie soll den Koalitionsvertrag umsetzen ." Dann sei "alles in Ordnung".

Das wiederum nutzte der Koalitionspartner postwendend zu einer Entrüstungskampagne.

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte in der "Nordwest-Zeitung": "Ich finde, das war ein unsäglicher Macho-Spruch."  

SPD-Chef Sigmar Gabriel: Es sei Schwesigs Aufgabe "zu nerven, wenn die Dinge so im Argen liegen". "Wenn Männer das als nervig empfinden, zeigt das eher, dass Männer ein Problem haben."

Schwesig selbst: Das Gesetz sei keine "Symbolpolitik", sondern "ein ganz wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung". Und: "Wir haben im Grundgesetz die Gleichberechtigung eigentlich verankert von Frauen und Männern, sie ist aber nicht Lebensrealität ." Da hat sie eigentlich Recht.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlicht seit einigen Jahren das "Managerinnen-Barometer", das uns über den Stand der Gleichstellung in den Führungsetagen der Wirtschaft Auskunft gibt.

Der Mangel zeigt sich am eklatantesten in den Vorstandsetagen: Gerade mal 4,4 Prozent der Vorstandsposten waren 2014 in den 200 größten deutschen börsennotierten Unternehmen (ohne Finanzsektor) weiblich besetzt. 

Die Entwicklung des Anteils der weiblichen Aufsichtsräte verlief dagegen vergleichsweise positiv, wenn auch noch nicht entfernt ausreichend: Die Quote verdoppelte sich zwischen 2006 und 2013 auf nunmehr 15,1 Prozent.

Schließlich einigten sich die eben noch so wild zerstritten erscheinenden Spitzen der Koalition auf ziemlich genau das, was im Koalitionsvertrag schon stand - auch auf Sanktionen bei Nichterfüllung der Quote bis 2016.

Denn schon der von Kauder vielbeschworene Koalitionsvertrag kündigte eine Regelung an, etwa dass für diesen Fall "die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Stühle frei bleiben" müssten.

Und weiter heißt es gar, man wolle die Unternehmen gesetzlich verpflichten, "verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, Vorstand und in den obersten Managementebenen festzulegen und zu veröffentlichen und hierüber transparent zu berichten". 

Fazit: So ist das mit den Kompromissen in der Großen Koalition. Zwar hat man einer ungeliebten Sache zugestimmt, aber wenn der Tag kommt, will man dem Wähler zeigen, wo man eigentlich steht - ohne dass einem ein Bruch der Vereinbarungen nachgesagt werden kann, selbstverständlich.

Preiswertung: Die goldene "Drama-Queen" gebührt Volker Kauder.

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