Streit um Präsidenten-Ehrung Wo bitte geht's hier zum Ronald-Reagan-Platz?

Wie stolz ist Berlin auf Ronald Reagan? Ehrenbürger ist der 40. US-Präsident bereits, doch das reicht vielen nicht. Er soll auch eine Plakette am Brandenburger Tor bekommen oder eine Straße mit seinem Namen. Wer ist dafür? Wer bremst? In der Hauptstadt ist ein bizarrer Streit entbrannt.

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Berlin - Ehrenbürger, immerhin. Dann ist da dieses Ronald-Reagan-Zitat im U-Bahnhof Brandenburger Tor. Ach ja, und eine Stele samt Foto des 40. US-Präsidenten soll es auch noch geben, in einem Berliner Gedenkpark zum Thema Mauer.

Berlin wirkt bisher nicht wahnsinnig stolz auf den Mann, der hier vor zweieinhalb Jahrzehnten seine legendäre Rede hielt. Reagans Auftritt am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor gipfelte in dem Satz: "Mister Gorbatschow, open this gate! Mister Gorbatschow, tear down this wall!" Zweieinhalb Jahre später, am 22. Dezember 1989, ließ der sowjetische Machthaber Michail Gorbatschow genau das geschehen: Die Mauer war offen - und ebenso das Brandenburger Tor.

Viele sehen Reagan, der am vergangenen Sonntag seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, deshalb als Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung - und wünschen sich gerade in Berlin eine stärkere öffentliche Würdigung. Schon im Dezember brachte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von der CSU eine offizielle Reagan-Plakette auf dem Pariser Platz ins Gespräch, die Berliner CDU forderte die Umbenennung eines Platzes oder einer Straße. Doch bisher ist nichts passiert.

Für die Reagan-Fans ist die rot-rote Landesregierung unter SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit daran schuld, die würde alles blockieren. In der Senatskanzlei hält man das für einen absurden Vorwurf. "Das ist totaler Quatsch", sagt Regierungssprecher Richard Meng. Er verweist darauf, dass man bereits Anfang Januar die Berliner Bezirksverwaltungen mit der Bitte angeschrieben habe, nach entsprechenden Plätzen oder Straßen zu suchen.

Es ist ein bizarrer Streit.

Und einer, der nicht zum ersten Mal in Berlin tobt. Die Rufe nach mehr Reagan in der Stadt, heißt es aus dem Senat, "sind ein konservatives Leib- und Magenthema". Aber ist vielleicht nicht auch ein Fünkchen Wahrheit an dem Vorwurf, die SPD-Linke-Regierung tue sich mit der Person Reagan schwer? Der Republikaner - in den USA inzwischen populärster Präsident aller Zeiten - galt der Linken in Deutschland während seiner Amtszeit von 1980 bis 1988 als Inbegriff des Kalten Kriegers. Sein Auftritt 1987 in West-Berlin war hochriskant, erinnerte sich dieser Tage der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, man habe seinerzeit arg geschwitzt.

Für die Reagan-Freunde in Berlin ist deshalb klar: Wowereit und seine Regierung kuschen vor der eigenen Klientel.

Selbst die Kanzlerin soll empört sein

"Beschämend" nennt Verteidigungsminister Guttenberg das Verhalten des Senats. Am Montagabend, bei einer Reagan-Gedenkveranstaltung im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, forderte der CSU-Politiker laut "FAZ" erneut einen Gedenkstein vor dem Brandenburger Tor, "eine Plakette statt eines ideologischen Bretts vor dem Kopf". Selbst die Kanzlerin sei auf seiner Seite, verkündete Guttenberg: Angela Merkel teile diese Idee "genauso ausdrücklich wie das Unverständnis über die Regierung dieser Stadt".

Auch die offizielle Berliner Ehrung zu Reagans 100. Geburtstag wird von seinen Fans bemäkelt: Der Berliner Parlamentspräsident und SPD-Politiker Walter Momper hatte am Montagabend gemeinsam mit US-Botschafter Philip D. Murphy zwei Kränze in der Ahnengalerie des Abgeordnetenhauses abgelegt - unter einem Porträt Reagans. Außerdem habe man einen Blumenstrauß zur offiziellen Gedenkfeier in den USA beigesteuert, heißt es aus der Senatskanzlei.

Der Berliner CDU reicht das nicht: Die Stadt hätte eine offizielle Gedenkfeier abhalten müsse, beklagt Landeschef Frank Henkel. Bürgermeister Wowereit habe es zudem vermieden, lobende Worte für Reagan zu finden. Deshalb, glaubt Henkel, sei es nun höchste Zeit für eine "würdevolle Geste".

Die ist nun tatsächlich in Sicht - dank Klaus-Dieter Gröhler, Baustadtrat im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Der hat inzwischen auf die Anfrage des Senats reagiert - und den Joachimsthaler Platz, gegenüber vom berühmten Cafe Kranzler nahe des Bahnhofs Zoo gelegen, zur Umbenennung vorgeschlagen. Seine Fraktion habe einen entsprechenden Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht, sagt der CDU-Politiker, kommenden Donnerstag könnte bereits darüber entschieden werden.

Nur eines steht dem Reagan-Platz in Berlin jetzt eigentlich noch im Weg, sollte die rot-rot-grüne Mehrheit im Bezirksparlament zustimmen: In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es seit sechs Jahren einen Beschluss, wonach nur noch nach Frauen umbenannt werden darf. "Weil man damals festgestellt hat, dass nur vier Prozent der Plätze und Straßen weibliche Namen tragen", sagt Stadtrat Gröhler.

Ein Hindernis - aber kein unüberwindbares, glaubt er: Gerade will man im Bezirk den Komponisten Friedrich Hollaender zum Namensgeber machen, der Frauen-Beschluss würde dann schlicht ignoriert.

Wenn es nach Gröhler geht, sollte das bei Reagan erst recht klappen.

Mitarbeit: Andreas Niesmann

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Seite 1
ernstjüngerfan 08.02.2011
1. Einfache Umbenennung
Zitat von sysopWie stolz ist Berlin auf Ronald Reagan? Ehrenbürger ist der 40. US-Präsident bereits, doch*das reicht vielen nicht. Er soll auch*eine Plakette am Brandenburger*Tor bekommen*oder eine Straße mit seinem Namen. Wer ist dafür? Wer bremst?*In der Hauptstadt ist ein bizarrer Streit entbrannt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744285,00.html
Warum nicht die Karl-Liebknecht- Straße, die dem unrühmlichen Kommunistenrevoluzzer gewidmet ist, einfach in Ronald-Reagan- Straße umbenennen?
Bernd.Brincken 08.02.2011
2. Gorbatschow-Platz
Wenn man Berliner Plätze oder Straßen nach fremden Präsidenten benennen will, die in der Entwicklung der Stadt oder der Wiedervereinigung eine Rolle spielten - dann wäre jedenfalls erst einmal ein "Gorbatschow-Platz" angezeigt.
radwal 08.02.2011
3. Ronald Reagan
Wo Rudi Dutschke als Pate einer Gasse verewigt wurde,sollte es eine Ehre für unser Land sein,den 40.US-Präsident,der für jeden hör- und sichtbar für den Abriß der Berliner Mauer eingetreten ist,als die spätere Realität noch als Utopie erschien,mit einem repräsentativen Platz seines Namens für die Nachwelt in Erinnerung zu halten.
maximilianeberl 08.02.2011
4. Es tut mir leid, aber ich bin weiß Gott nicht stolz
Zitat von sysopWie stolz ist Berlin auf Ronald Reagan? Ehrenbürger ist der 40. US-Präsident bereits, doch*das reicht vielen nicht. Er soll auch*eine Plakette am Brandenburger*Tor bekommen*oder eine Straße mit seinem Namen. Wer ist dafür? Wer bremst?*In der Hauptstadt ist ein bizarrer Streit entbrannt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744285,00.html
Ronald Reagan hat die US-Truppen aus dem Libanon abgezogen, nachdem ein schiitisches Kommando 1983 einen Selbstmordanschlag auf die amerikanischen und französischen Truppen verübt hat mit über 300 Opfern. Durch diesen feigen Abzug wurde der Selbstmordanschlag als erfolgreiche Waffe bei Islamisten erst richtig populär. Das hat den Westen später viel mehr als 300 Opfer gekostet. Und Israel wurde völlig allein gelassen. Und der Libanon ging für den Westen verloren. Ronald Reagan hat die afghanischen Mudschaheddin, die Vorläufer jener Bastarde, mit denen sich jetzt die Bundeswehr herumschlagen muss, auf dem Rasen des Weißen Hauses empfangen und sie sogar mit den amerikanischen Gründervätern verglichen. Reagan hat die übelsten Steinzeit-Moslem-Trolle unterstützt mit dem Argument, sie seine ja gegen die Russen. Nein, dieser Mensch hat politisch sehr viel Unheil angerichtet und kein intelligenter Mensch ist stolz auf ihn.
Forenaufsicht 08.02.2011
5.
Selbstverständlich tun sich die Roten schwer damit den Mann, der die westliche Welt vor der Geißel des Kommunismus gerettet hat zu ehren. Viel lieber würden die doch von allen Kurzifixen die Jesusfigur durch Che Guevara ersetzen.
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