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21. November 2005, 17:30 Uhr

Struck und Kauder

Mit Traumergebnissen ins neue Amt

Die Bundestagsfraktionen der Großen Koalition haben ihre Fraktionschefs gewählt. Die Union wählte Volker Kauder und die SPD Peter Struck. Beide starten mit herausragenden Wahlergebnissen in ihre neuen Ämter.

Berlin - Einen Tag vor ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin hat CDU-Chefin Angela Merkel den Unions-Fraktionsvorsitz im Bundestag an ihren bisherigen Generalsekretär Volker Kauder abgegeben. Er erhielt bei seiner Wahl in Berlin 93,3 Prozent der Stimmen und sicherte Merkel die Unterstützung der gesamten Fraktion "in den nächsten vier Jahren zu".

Der 56-jährige Kauder erhielt nach Fraktionsangaben 196 von 214 abgegebenen Stimmen. Es gab 14 Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Die Stellvertreter Kauders sollen in der nächsten Sitzungswoche in der Fraktion bestimmt werden. Nachfolger für Kauder als CDU-Generalsekretär soll Unionsfraktionsvize Ronald Pofalla werden, der am 5. Dezember für dieses Amt offiziell nominiert werden soll. Kauder, seit 1990 im Bundestag, war seit September 2002 erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Als der frühere CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer Ende vergangenen Jahres über die RWE-Gehaltsaffäre stolperte, wurde Kauder sein Nachfolger. Er organisierte in diesem Jahr maßgeblich den Wahlkampf für die CDU.

Die SPD-Fraktion wählte den bisherigen Verteidigungsminister Peter Struck mit rund 94 Prozent zu ihrem neuen Vorsitzenden. Struck übernahm nach rund dreijähriger Pause wieder das Amt des SPD-Fraktionschefs und löste damit den designierten Vize-Kanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering ab. Der 62-Jährige hatte bereits von 1998 bis 2002 an der Spitze der Fraktion gestanden. Aus seiner ersten Amtszeit eilt ihm der Ruf des "Zuchtmeisters" voraus.

Die CSU im Bundestag wählte Peter Ramsauer zu ihrem neuen Landesgruppenchef. Der Nachfolger von Michael Glos, der Bundeswirtschaftsminister werden soll, erhielt 41 von 44 gültigen Stimmen.

Bei der Wahl Merkels zur Kanzlerin am Dienstag im Bundestag erwarten Union und SPD breite Geschlossenheit. Beide Seiten warnten davor, die Koalition durch viele Gegenstimmen für Merkel schon am Anfang zu schwächen.

Merkel bedankte sich bei ihrem Abschied als Fraktionschefin für die "wunderbare Zusammenarbeit". Die Fraktion sei ihr ans Herz gewachsen, gestand sie. Kauder wiederum versicherte: "Angela Merkel kann sich auf ihre Bundestagsfraktion hundertprozentig verlassen, nicht nur morgen, sondern auch in den nächsten vier Jahren."

Merkel stattete auch der SPD-Fraktion heute einen Besuch ab. Sie versicherte nach Teilnehmerangaben, sie wolle für die Abgeordneten der SPD ebenso ein offenes Ohr haben wie für die Mitglieder der eigenen Fraktion. Merkel wurde den Angaben zufolge mit höflichem Beifall empfangen. Struck betonte, Merkel werde feststellen, dass auch Sozialdemokraten ganz anständige Leute seien, berichtete ein Teilnehmer.

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