Struck "Wir sind auf tote Soldaten nicht vorbereitet"


Berlin - Verteidigungsminister Peter Struck beschleichen Zweifel, ob die deutsche Öffentlichkeit auf den Tod von Bundeswehrsoldaten bei Auslandseinsätzen vorbereitet ist. Deutschland stelle 35.000 Soldaten als für friedenserzwingende Operationen nach einem Mandat der Vereinten Nationen auf, sagte der SPD-Politiker in einem Interview des Magazins "Stern". "Das bedeutet kriegerisches Handeln... So, wie die Bundeswehr jetzt umgebaut wird, ist sie auch dazu bestimmt, Krieg zu führen, auch an einem Ort auf der Welt, von dem wir nie gedacht haben, dass jemals ein deutscher Soldat da seinen Fuß hinsetzt. Es kann sein, dass dort Menschen sterben, weil die internationale Staatengemeinschaft das von uns verlangt."

Struck forderte dazu eine gesellschaftliche Debatte. "Es kann ganz schnell ein Meinungswandel in Deutschland eintreten, in dem Fall, von dem ich hoffe, dass er nie eintritt, und vor dem ich die größte Angst habe: dass wir eine große Zahl von Soldaten verlieren, beispielsweise durch einen Anschlag. Dann wird die Frage gestellt: Was machen die da eigentlich?"

Die von Struck eingeleitete Umstrukturierung der Bundeswehr sieht 35.000 "Eingreifkräfte" für Einsätze in Konflikt- und Krisengebieten weltweit vor. Derzeit sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums gut 6400 Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz. Struck hatte die Neuausrichtung der Bundeswehr auf die veränderte sicherheitspolitische Lage nach dem Kalten Krieg und angesichts terroristischer Bedrohungen mit dem Satz begründet: "Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt", also in Afghanistan.



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