Studie Arme Kinder, armes Leben

Ihre schulische Zukunft sehen sie düster, an Chancen auf ein besseres Leben glauben sie nicht: Schon Achtjährige aus sozial schwachen Elternhäusern fühlen sich einer neuen Studie zufolge für den Rest ihres Lebens benachteiligt.


Berlin - Das Ergebnis der repräsentativen Studie des Kinderhilfswerks World Vision ist eindeutig: Auch wenn die meisten der insgesamt 1600 befragten Kinder mit ihrem Leben zufrieden sind, empfinden sie soziale Unterschiede sehr stark. Kinder aus der Unterschicht sehen für sich laut der Studie schlechtere Startchancen und streben niedrigere Schulabschlüsse an als Gleichaltrige aus der Mittel- oder Oberschicht.

Teenager in Köln-Ossendorf: Angst vor Krieg, Terror und Arbeitslosigkeit der Eltern
DPA

Teenager in Köln-Ossendorf: Angst vor Krieg, Terror und Arbeitslosigkeit der Eltern

Bereits Grundschüler schätzen ihre Zukunftschancen pessimistisch ein. Dies sei etwa bei der Frage nach den Schulperspektiven deutlich geworden, sagte der Forscher Klaus Hurrelmann, der die Studie mit durchführte. Der Sozialwissenschaftler nannte es beängstigend, wie groß in Deutschland die Spanne zwischen sehr gut situierten Kindern und ihren Altersgenossen sei, die unter sehr schlechten Bedingungen aufwachsen. Neben der Angst, dass ihre Eltern arbeitslos werden könnten und die Familie dadurch die Sicherheit verliert, fürchten Kinder sich besonders vor Kriegen und Terroranschlägen.

Die Studie bringt noch ein anderes Ergebnis: Kinder von berufstätigen Eltern empfinden meistens mehr Zuwendung als Kinder in arbeitslosen Familien. Wenn beide Eltern arbeiten, bedeute das nicht, dass die Kinder sich vernachlässigt fühlten: Im Gegenteil sei bei den Söhnen und Töchtern arbeitsloser Eltern die Zufriedenheit eher niedrig, sagte Hurrelmann im ZDF. Für Kinder sei entscheidend, wie verlässlich die Zeit sei, die ihre Eltern ihnen widmeten.

"Das ist das Schlüsselergebnis", so Hurrelmann. Kinder bräuchten eine feste Tagesstruktur, einen klaren Rhythmus. Entscheidend sei, ob sie Qualitätszeit mit ihren Eltern verbrächten. Die größte Angst hätten Kinder davor, keine Sicherheit in der Familie zu finden. Deshalb sei bei Jungen und Mädchen aus schwierigen Verhältnissen die Angst vor Arbeitslosigkeit der Eltern besonders groß.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest Sozialforschung hatte für die Studie 1600 Kinder im Alter von acht bis elf Jahren befragt, wie sie die Zuwendung ihrer Eltern beurteilen. Laut "taz" gaben 13 Prozent der Kinder an, dass keiner ihrer Elternteile genügend Zeit für sie fände. Ein Drittel der Kinder von Arbeitslosen fühle sich vernachlässigt, bei Berufstätigen seien es nur 17 Prozent, heißt es in dem Bericht. Am schlechtesten sei die Situation erwerbstätiger Alleinerziehender. In diesen Familien fühlten sich 35 Prozent der Kinder vernachlässigt.

anr/AP/ddp



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